Digitale Potenziale heben

Das neue Jahr beginnt gut, nämlich mit einem Gastbeitrag meiner Texttreff-Kollegin Katja Flinzner. Was es damit auf sich hat, erfährst du im folgenden Absatz.

Einmal im Jahr wird im Netzwerk Texttreff gewichtelt – mit Blogbeiträgen. Dabei kommen die interessantesten Kombinationen zustande, und manchmal meint man, man würde rein gar kein passendes Thema finden. Nicht so dieses Mal, denn als mein Blick auf das mir zugeloste Blog von Heide Liebmann fiel, war mein erster Gedanke direkt: Irgendwas mit Potenzialen. Schließlich ist sie mir bei unseren Netzwerkbegegnungen immer als Potenzialdetektivin im Gedächtnis geblieben. Da mein Schwerpunktthema die digitale Welt in all ihren Facetten ist, war ein beide Welten verbindendes Thema eigentlich schnell gefunden: Digitale Potenziale – wie nutzt man die eigentlich?

Als Einzelunternehmer oder Einzelunternehmerin hat man’s manchmal ganz schön schwer. Selbst und ständig, das bedeutet nicht nur, dass man häufig viel arbeitet – an Wochenenden, abends und im Urlaub – das bedeutet auch, dass man sich um einfach alles selber kümmern muss. Von A wie Akquise bis Z wie Zahlungserinnerung. Natürlich kannst – und solltest! – du die Umsetzung einzelner dieser Themen gerne outsourcen und Dinge, die dich nur Zeit kosten (meist deutlich mehr als jemanden, der sich damit wirklich auskennt), einfach mal anderen überlassen. Die Buchhaltung zum Beispiel. Aber natürlich hast du letzten Endes doch alle Fäden in der Hand, und was du nicht selber anstößt, das passiert auch nicht. Und die Buchhaltung kann auch nur die Belege verarbeiten, die du ihr vorgelegt hast.

Das bedeutet, dass du dich als Einzelunternehmer auch mit Themen beschäftigen musst, die dir vielleicht eigentlich so gar nicht liegen – oder dich zumindest kaum interessieren.

Gerade bei Unternehmern, die sich beruflich mit Menschen befassen – zum Beispiel Coaches, Supervisoren oder Trainer – sind diese Themen häufig digitaler Natur. Technik? Nichts für mich. IT? Da kenn ich mich nicht mit aus. Doch natürlich läuft heute nichts mehr ohne digitales Pendant. Ein Coaching-Angebot ohne die dazugehörige Website ist nahezu undenkbar und wird nur in sehr speziellen Konstellationen trotzdem noch bei den Kunden ankommen. Dass man eine Website braucht, ist den meisten Selbstständigen inzwischen klar und glücklicherweise gehört das Erstellen dieses Web-Aushängeschilds zu den Dingen, mit denen du guten Gewissens jemanden beauftragen kannst, der sich damit auskennt (auch wenn er dafür natürlich deinen Input braucht). Aber in der digitalen Welt verstecken sich darüber hinaus noch viel mehr Potenziale, die mit ein bisschen Lust auf Neues auch gar nicht so schwer zu heben sind.

Digital sozial

Eine Website als eine Art Online-Visitenkarte für Kontakte, die du anderswo machst, ist ein guter Anfang. Wenn sie aber mehr als das sein soll, ist es unabdingbar, sie mit dem Rest der Online-Welt zu verknüpfen. Das geht am besten und effizientesten, wenn du dir dort eine Präsenz aufbaust, wo potenzielle Kunden und Interessenten ohnehin schon sind: in den sozialen Medien. Das ist allerdings ein weiter Begriff, und so dürfte die erste Aufgabe sein, herauszufinden, welche dieser Kanäle für deine Zielgruppe besonders interessant sind: Facebook, Twitter, Google+, Instagram, Snapchat, Trello, XING, LinkedIn oder etwas ganz anderes?

Denn entscheidend ist dabei vor allem, dass du dich nicht verzettelst. Dein Tag hat nur 24 Stunden und die kannst und willst du nicht alle mit der Pflege von Social-Media-Profilen verbringen. Halbherzig gepflegte Accounts in nahezu allen Kanälen sind deutlich weniger wert als eine einzelne mit Interesse und Leidenschaft gepflegte und mit interessanten Themen gefüllte Präsenz in deinem Lieblingskanal – oder besser: dem Lieblingskanal deiner Zielgruppe.

Netzwerken im Netz

Dass du hier meinen Artikel liest, hat seinen Ursprung, wie du oben schon gelesen hast, im Netzwerken. Was könnte hierfür besser geeignet sein als das Netz der Netze? Digitales Netzwerken ist eine wunderbare Ergänzung für lokale Vor-Ort-Treffen und mit den sozialen Medien eng verknüpft. Manche Netzwerke pflegen aktive Facebook-Gruppen, andere organisieren sich über XING, viele haben auch ihre eigene Plattform. Gerade wer überregional arbeitet, lernt digitale Netzwerke schnell schätzen. Denn anders als das Treffen vor Ort lässt sich das Netzwerken anhand digitaler Medien auch direkt in den Arbeitsalltag integrieren. Mal eben eine Frage im Forum stellen oder eine Mail an einen Netzwerkpartner schicken hilft auch dabei, zwischen persönlichen Treffen den Kontakt zu halten.

Mit Inhalten überzeugen

Bleibt die Frage, womit man die ganzen Kanäle und Netzwerke eigentlich füllt? Katzenfotos? Nun ja, in einem sehr persönlich geführten Kanal dürfen die zur Not auch ab und zu mal sein, haben aber im beruflichen Umfeld nur selten eine Daseinsberechtigung. Es sei denn natürlich, du bist Katzensitterin oder Tierarzt. Und auch ein tolles Sonnenuntergangsfoto vom letzten Abendspaziergang kann die Atmosphäre auflockern und ist in Maßen ok. Wenn es dabei aber bleibt, dann fehlt es dem Ganzen an Substanz und an interessanten Inhalten, die auch auf die berufliche Schiene weiterleiten.

Wer im kreativen, wissensintensiven Bereich unterwegs ist und auch, wer sich gerne mit neuen Dingen beschäftigt, der ist an dieser Stelle deutlich im Vorteil, denn interessant ist, wer etwas zu erzählen hat. Das gilt nicht nur auf der Party oder beim Abendessen mit den ehemaligen Kollegen, das gilt auch und gerade im digitalen Bereich. Da heißt das „Content is King“ und bedeutet eigentlich nicht mehr als: Wer etwas Interessantes zu erzählen hat, dem hört man gerne zu. Und zu dem kommt man auch gerne wieder.

Wenn du also von interessanten Dingen zu berichten weißt – tu es! Wenn du Wissen zu teilen hast – tu es! Wenn du spannende Fragen stellen kannst – tu es! Am besten allerdings nicht nur in den sozialen Netzwerken, denn die Inhalte, die du dort einstellst, sind vergänglich. Spätestens nach einem Tag sind sie bei den meisten in den völlig überfüllten Streams und Timelines schon gar nicht mehr aufzufinden. Um zu zeigen, was du weißt, was du kannst, worüber du nachdenkst, womit du dich auskennst, eignet sich am besten deine eigene Website. In einer Blog-Sektion kannst du jede Menge Inhalte zu deinen Themen sammeln – und diese danach natürlich über die Sozialen Medien direkt an den Mann/die Frau bringen.

Regelmäßigkeit

Natürlich funktioniert all das nicht von alleine und man sollte sich keinen Illusionen hingeben: ein bisschen Zeit musst du dafür schon einplanen, vermutlich mehr als du vorher glaubst. Deshalb ist es wichtig, dass du dir vorher Gedanken darüber machst, wieviel Zeit du erübrigen kannst und wann. Wenn du deine Leser mit Inhalten überzeugen und an dich binden willst, ist es von entscheidender Bedeutung, eine gewisse Regelmäßigkeit einzuhalten. Gerade am Anfang empfiehlt es sich häufig, sich etwas zu zügeln: Wenn du nach dem Erstellen deines Facebook-Accounts voller Enthusiasmus alle 5 Minuten ein neues Thema in die Welt hinausrufst, kann das deine Kontakte zum einen schnell ermüden, zum anderen hast du dann jede Menge Pulver in kürzester Zeit verschossen. Teile das, was du zu sagen hast, lieber gut auf und versuche, einen Rhythmus zu finden, der zu dir und deiner Arbeit passt. Beispielsweise einmal pro Woche oder – wenn dir das zu viel ist – einmal im Monat. Soviel sollte es aber schon sein.

Gut geplant ist halb gewonnen

Und worüber schreibst du nun? Auf aktuelle Themen zu reagieren, kann ein guter Aufhänger sein, es ist aber auch nicht verkehrt, sich auch etwas längerfristig Gedanken über den Themenplan des eigenen Blogs zu machen. Vielleicht gibt es Themen, die saisonal besonders interessant sind, die sich thematisch an eine Konferenz oder ein anderes Branchenereignis andocken lassen? Wenn du wirklich regelmäßig veröffentlichen möchtest, ist es auch nie verkehrt, ein oder zwei Artikel in der Hinterhand zu haben. Die wenigsten schaffen das, aber wenn du plötzlich krank wirst oder einen unerwartet großen Auftrag auf den Schreibtisch bekommst, freust du dich, wenn du einfach einen vorbereiteten Artikel aus der Tasche ziehen und auch in hoch beanspruchten Zeiten deine Regelmäßigkeit beibehalten kannst.

Übrigens: Um deine Artikel an den Mann/die Frau zu bringen, ist auch ein schon lange totgesagtes, dafür aber immer noch ziemlich lebendiges Tool durchaus empfehlenswert: Der Newsletter. Das muss noch nicht mal viel Arbeit sein – viele Content-Management-Systeme ermöglichen es inzwischen, alle neuen Beiträge entweder direkt nach der Veröffentlichung oder in regelmäßigen Abständen (einmal pro Woche/einmal pro Monat) automatisch an den Verteiler zu versenden.

Für Menschen schreiben

Hast du Lust bekommen, in den digitalen Ozeanen zu fischen? Dann los! Einen Hinweis möchte ich dir aber noch mit auf den Weg geben, denn meiner Erfahrung nach machen sich gerade Menschen, denen die digitale Welt nicht so naheliegt, mit diesem Thema viel zu viel Stress: der Suchmaschinenoptimierung (SEO). Früher gab es ganze Abhandlungen darüber, in denen genau ausgerechnet wurde, wie viele Wörter auf einer Seite stehen, wie viele davon das zu optimierende Keyword sein müssen und wie viele Links man auf welche Seiten setzen darf. Auch heute finden sich immer wieder solche Zahlenangaben und in einem gewissen Rahmen mögen sie auch ihre Berechtigung haben. Wenn dir aber jemand, der vermeintlich Ahnung hat, eine Zahl nach der anderen an den Kopf wirft und dir sagt, du dürftest auf gar keinen Fall eine Web-Seite mit weniger als 500 Wörtern und unter keinen Umständen einen Artikel mit mehr als 10.000 Zeichen verfassen – hör am besten gar nicht hin. Denn du hast es im Netz, so wie überall sonst auch, mit Menschen zu tun. Das haben sogar die großen Suchmaschinen begriffen und auch dort sind die wichtigsten Kriterien inzwischen die, die ein besonders gutes Nutzer- und Leseerlebnis versprechen. Schreib also für Menschen, so wie du auch außerhalb der digitalen Sphäre für Menschen und mit Menschen kommunizierst. Dann kannst du so viel gar nicht verkehrt machen.

katjaflinzer_600x600Dr. Katja Flinzner versorgt digitale Unternehmen mit grenzenlos guten Inhalten. Als Fachautorin schreibt sie über Themen aus den Bereichen Web, IT, eCommerce und digitale Bildung, als Lektorin optimiert sie Inhalte für Web und Print und als Übersetzerin (Englisch/Französisch/Spanisch) sorgt sie für die Verfügbarkeit dieser Inhalte auch über Länder- und Sprachgrenzen hinweg.

4 Kommentare

  1. Simone

    Schön geschrieben, liebe Katja. Und by the way: Alles Gute für 2017! Natürlich auch für dich, liebe Heide, und all die lieben NetzwerkerInnen around the world 🙂
    LG, Simone

    P.S. Kann jeder im TT beim Blogwichteln mitmachen? Wenn ja, wie geht´s?

  2. Heide

    Liebe Simone, das Blogwichteln wird immer im Dezember gestartet, und natürlich kann jede Textine mitmachen, die ein eigenes Blog hat. Ich glaube, das läuft über die debatte-Liste.

  3. Katja

    Liebe Simone,
    danke für das nette Feedback und auch Dir alles Gute für das neue Jahr!
    Liebe Grüße
    Katja

  4. Sabine

    Ein schöner Artikel! Gut finde ich vor allem den Hinweis, dass „regelmäßig“ nicht unbedingt „ständig“ heißen muss. Das entlastet doch ganz gewaltig.

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