Zwitscherbilanz nach 3 Wochen

Wie ich Twitter erst missverstand und dann doch zu nutzen lernte

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Bildquelle: Re.Ko./pixelio

Seit nunmehr drei Wochen zwitschere ich fröhlich mit bei Twitter, anfangs noch sehr skeptisch und – ich gebe es zu – auch verständnislos. Die technische Seite ist ja anspruchslos, und ich entschied mich sehr schnell, mir den Twitterfox, ein Firefox-Add-on, herunterzuladen. Da kann ich immer sehen, wie viel neue Tweets meiner Follower eingetroffen sind.

Anders war es mit den eher informellen Spielregeln. In einem meiner ersten Tweets fragte ich nach dem scheinbar sinnlosen „stream-of-consciousness“-Twittern, worauf ich dann gleich mal erklären musste, was ich denn damit meinte. Ich hatte schlicht Schwierigkeiten zu verstehen, warum Menschen all ihre Follower und den Rest der Welt davon unterrichten müssen, dass sie jetzt endlich wissen, was sie morgen kochen werden, oder dass Kind 1 heute noch zum Fußballtraining muss und Kind 2 mit Heuschnupfen zu kämpfen hat. Auch die Guten-Morgen-gute-Nacht-Grüße ans versammelte Twittervolk wollten sich mir in ihrer Sinnhaftigkeit nicht auf Anhieb erschließen …

War Twitter denn nicht vor allem ein zusätzliches Instrument zur besseren Vermarktung der eigenen Person? Musste man da nicht ständig Tweets mit Mehrwert posten, um von der Twittergemeinde wohlwollend aufgenommen zu werden?

Geholfen hat mir vor allem die Antwort einer Kollegin auf die eingangs gestellte Frage: Sie nutzt Twitter quasi als virtuelles Großraumbüro. Wer schon mal in einem realen solchen gesessen hat, weiß sehr gut, dass man da auch nicht den lieben langen Tag pädagogisch wertvolle Konversation betreibt. Vielmehr wirft man sich Kommunikationshäppchen zu, lacht sich zusammen über eine witzige Bemerkung schlapp und spornt sich gegenseitig zu Höhenflügen von mehr oder weniger intellektueller Brisanz an. Man redet übers Wetter, die Kinder und den Gatten/die Gattin, schimpft über die Politik, schüttelt den Kopf über Kunden und Chefs – und ganz nebenbei arbeitet man einfach immer weiter.

Ich gestehe, genau das macht mir inzwischen einen Heidenspaß. Natürlich twittere ich auch meine Blogbeiträge bei Twitter oder andere Websites, die mir unterwegs auffallen. Ich mache mich beliebt, indem ich via das Kürzel „RT“ für „Re-tweet“ die Tweets anderer weitergebe und so für ihre Verbreitung sorge. Aber vor allem genieße ich es mehr und mehr, mich mit meinen Followern auszutauschen über ganz alltägliche Dinge. Es tut gut, eine Kaffeepause anzukündigen und bei der Rückkehr an den Schreibtisch direkt nett begrüßt zu werden. Es ist erheiternd, ab und zu ein bisschen hin- und herzusticheln. Es ist schlicht ein prima Mittel, um seiner Kommunikationslust zu frönen, wenn man eigentlich den ganzen Tag allein am Schreibtisch verbringen muss.

Es gibt immer noch Dinge, die ich nicht so recht verstehe: Warum mir zum Beispiel ständig irgendwelche Menschen aus den USA folgen wollen, obwohl ich definitiv nicht englisch twittere. Ich folge auch nicht automatisch „zurück“, sondern schaue mir schon an, wer da bei mir anklopft und ob mich dessen Tweets interessieren könnten.

Ich habe auch noch nicht herausgefunden, wieso sich das Verhältnis zwischen Folgern und Verfolgten bei mir immer auf max. eine Person mehr oder weniger einpendelt (aktuell 142:142). Das gehört für mich zu den Twittermysterien. Aber ich bin sicher, auch diese Fragen werden sich irgendwann lösen. Spätestens, wenn ich eine Umfrage über twtpoll poste, nur eins der unzähligen Tools, mit denen man sein Gezwitscher inzwischen aufwerten kann.

Werde ich also weiter mitzwitschern? Oh ja, ganz bestimmt! Und ich werde einfach beides tun: Tweets mit Mehrwert posten, wann immer sich das anbietet. Und zwischendurch einfach schwatzen, wenn gerade Zeit ist. Ganz wie im echten Leben 😉 .

PS: Wer mir folgen will, da geht’s lang:

https://twitter.com/nasenfaktor

4 Kommentare

  1. Mario Carla

    Hallo Heide,

    vielen Dank für Deine Zwischenbilanz. Ich erinnere mich noch an die Diskussionen im Marketing-Lab und wunderte mich als ich dann mitbekommen habe, das Du auch twitterst.

    Ja das mit den USA-Twitteren ist mir auch aufgefallen. Auf der anderen Seite ist es schon interssant, wie schnell du oder ich über dieses Medium Verbreitung finden – viel schneller beispielsweise als mit dem Blog.

    Das mit dem Großraumbüro hat natürlich Vor- und Nachteile. Genauso muss man aufpassen, dass man nicht süchtig wird.

    Aber und das ist auch mein Fazit ich werde ebenfalls weiterTWITTERN und ich glaube, dass wir noch viele spannende Erfahrungen mit Twitter machen werden.

    Schönes WE und LG

    Mario

  2. Zamyat M. Klein

    Ach, das kommt ja passend- ich zwitschere ja erst seit drei Tagen- habe aber immerhin vorher das halbe Buch zu Twitter durchgearbeitet und losgelegt.
    Durch meinen Türkei -Urlaub wird es sicher etwas ruhiger- aber wer weiß??
    Mir geht es vor allem so, dass ich einfach viele Beiträge überhaupt nicht verstehe und auch (noch) doof finde, dass kaum jemand einen ganzen Satz schreibt, obwohl das bei 140 Zeichen durchaus möglich ist. Nur irgendwelche Brocken und einen Link werweißwohin (zumindest ein Hinweis, wohin man verlinkt, fände ich hilfreich),

    aber ich bin ja noch in den Baby-Lernschuhen

    und Spaß machts.

  3. Alexander

    Gefällt mir gut, Dein Fazit. Genau das ist Twitter, genau deswegen ist es eine nette kleine Kommunikationsabwechslung mit Mehrwert während der Bürotage.

  4. Claudia Frey

    Hi Heide,
    klasse, Deine Zwischenbilanz. Großraumbüro, sehr nette Idee. Havi Brooks hatte die Analogie einer Bar, in die man geht, ein bisschen rumhängt und Nichtigkeiten austauscht. Zuweilen auch wichtiges. Großraumbüro trifft es für mich auch noch einen Tick besser. Genau die beiden von Dir angemerkten Mysterien finde ich auch irritierend: Was machen diese Amis mit meinen deutschen tweets? Und warum folge ich mehr Leuten als mir folgen, obwohl ich z.B. diese ganzen Amis nie auf meine Liste setze. Hm. Mit den ganzen Kürzeln und erweiterten Möglichkeiten habe ich mich noch nicht ausführlich befasst. Aber es macht echt Spaß zu twittern.

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