Information Overkill

Von der Verführung durch zu viel Wissen – und wie ich mich davon entlaste

In diesem Artikel beschäftige ich mich mit der Frage, wie ich für mich den Stress durch zu viel Informationsaufnahme reduzieren kann. Lies weiter, wenn du auch manchmal das Gefühl hast, all den spannenden Informationen nur noch hinterher zu hecheln und dich kaum noch intensiv mit einem Thema beschäftigen kannst.

Seit ein paar Wochen nutze ich sehr konsequent ein tolles kleines Tool (mite), das mir dabei hilft zu sehen, wie viel Zeit ich insgesamt für welche Aufgaben aufwende. Durchschnittlich zehn Stunden pro Monat verwende ich darauf, all die interessanten, anregenden und informativen Beiträge anderer Blogger zu durchforsten. Natürlich lese ich nicht alle Artikel, die mir mein Feedreader als „neu“ anzeigt. Aber bei derzeit genau 101 Feeds, die ich beobachte, kommen täglich schon einige Texte zusammen, die ich alle erst einmal auf Relevanz scanne.

Daneben lese ich noch meine Tageszeitung, einige Fachmagazine und natürlich auch regelmäßig Fachbücher. Und nicht zu vergessen die zahlreichen Newsletter, die ich auch noch abonniert habe, um nur ja nichts zu verpassen …

„Mehr,“ rief der kleine Hävelmann, „mehr, mehr, mehr!“
In letzter Zeit stelle ich nun eine gewisse Unzufriedenheit fest. Es war ja noch nie so einfach, an Informationen zu beinahe jedem denkbaren Thema zu kommen. Und es gibt so viel, was mich grundsätzlich interessiert: Marketing, Karriere, Glück, Hirnforschung, SEO, Bloggen, Web 2.0, Qi Gong, Spiritualität, Tango … Also lese ich zu jeden Thema mal hier, mal da etwas. Sehr oft überfliege ich Texte nur noch und nehme quasi im Vorbeigehen Informationshäppchen auf. Und wie der kleine Hävelmann am leckeren Brei, so ersticke ich allmählich an der Informationsflut.

Zudem stelle ich die Tendenz fest, dass ich eigentlich kaum noch wirklich in die Tiefe gehe. Das stört mich allmählich sehr. Zwar verfüge ich über das, was man früher mal eine gesunde Halbbildung nannte und kann überall ein bisschen mitreden. Und natürlich kann ich mir schmeicheln, einen lebendigen Geist zu haben, der Abwechslung braucht. Aber ist es nicht ungleich befriedigender, sich in ein Thema wirklich hineinzuknien und all seine Aspekte kennen zu lernen?

Weniger ist manchmal mehr: Ballast abwerfen
Jetzt habe ich mir vorgenommen, zunächst einmal die Anzahl meiner abonnierten Feeds zu halbieren. Diese ganze Informationslast erzeugt nämlich Stress – irgendein Teil von mir hat ja Angst, ich könnte etwas verpassen. Aber tatsächlich wird doch in vielen Blog nur das wiedergekäut, was man anderswo gelesen hat. Vielleicht aus einer etwas anderen Perspektive, mit ein, zwei neuen Aspekten, aber nicht wirklich neu. Und dann gibt es Blogger, die wirklich zu allem und jeden was zu sagen haben. Manchmal finden sich dabei Perlen, aber muss ich mich deshalb jeden Tag durch 5 bis 10 Beiträge wühlen? Und natürlich verfolge ich auch Blogs mit Themen, die ich nicht so extrem spannend finde, von denen ich aber dennoch meine, ich sollte darüber informiert bleiben. Letztere sind wohl die, auf die ich am leichtesten verzichten kann.

Fokussierung: Was ist mir wirklich wichtig?
Im zweiten Schritt treffe ich Entscheidungen darüber, mit welchen Themen ich mich in den nächsten drei bis vier Monaten wirklich intensiv beschäftigen will. Weil ich ja schon das nächste Buch im Kopf habe, weiß ich auch schon, welche Themen das sein werden.

Aufatmen!
Und tatsächlich: Schon während ich dies schreibe, spüre ich mich aufatmen. Mein Geist freut sich auf die neuen Räume, die ich ihm gerade frei schaufele. Er braucht Platz, um sich zu weiten.

Porentiefe Reinigung
All die Blogs, die ich abonniert habe, sollen mich ja informieren, unterhalten und vor allem auch inspirieren. Aber so wie zu viel Pflege die Poren der Haut verstopft, verkleben zu viele Informationen auch die eigene Kreativität. Nicht Quantität ist entscheidend, sondern Qualität. Und zum Glück kann ich ja selbst über meinen Qualitätsbegriff entscheiden.

Und welche Strategien entwickelt ihr, um die Informationsflut sinnvoll zu verwalten?

5 Kommentare

  1. Det Mueller

    Dein Beitrag gefällt mir, liebe Heide, er macht nachdenklich – in vielerlei Richtungen. Ich selbst verwende 2-4 Stunden täglich für alle Tätigkeiten rund ums Bloggen, wobei mir die Recherche die meiste Zeit nimmt! Die Sache mit dem gesunden Halbwissen bzw. dem Mangel an Tiefe in diesem Zusammenhang kommt mir dabei sehr bekannt vor. Auch bei mir selbst, aber sicherlich ist das abhängig vom Blog-Thema und der Zielgruppe. Unzufriedenheit kommt dann auf, wenn man selbst vergessen hat, warum man bloggt. Ich nutze bloggen in allererster Linie als Kommunikation, als Ersatz für persönliche Gespräche. Ich baue mir einen virtuellen – manchmal auch realen – Bekanntenkreis auf und wir tauschen Informationen, Meinungen und Tipps. Ohne das Blog hätte ich Dich z.B. nie persönlich kennengelernt und das wär doch schade! Insofern ist meine Zeit gut investiert…

  2. Ulrike Sennhenn

    Hallo Heide,

    seit längerer Zeit mal wieder hier 😉 – was kein mangelndes Interesse ist, sondern genau das von Dir angesprochene Problem: die Überflut an Informationen. Es gibt so viele spannende Blogs und Foren, täglich so viel Neues … und ich erlebe in letzter Zeit auch häufiger, dass ich „aufgedreht“ bin und „Angst“ habe, was Interessantes zu verpassen. Und dann will das Gefundene ja auch noch verarbeitet werden …

    Was ich „darunter“ entdeckt habe, ist der Glaube: ich muss was tun! Ich muss was tun = ich muss spannende Beiträge schreiben, ich muss in meinen Foren aktiv sein, gute Kommentare hinterlassen – damit auch Besucher den Weg ins Glückshaus finden und sie es dort schön finden.

    Und was passiert nun? Immer dann, wenn ich GAR NICHTS tue, sind besonders viele Besucher da … wie am Samstag (603 Leute, muss ich mal voller Stolz kundtun 🙂 ). KEINE AHNUNG, wo die herkamen in der Menge … aber ich lerne nun … mehr SEIN als TUN scheint angesagt.

    Entspannte Grüße,

    Ulli

  3. heide

    @ Det: Soo viel Zeit wendest du fürs Bloggen auf??? Das kann ich wirklich nur ausnahmsweise tun. Heute ist allerdings auch schon wieder eine Menge Zeit dafür draufgegangen, weil ich eine neue Aktion plane, und die will natürlich vorbereitet sein … 😉 Mehr davon demnächst hier!

    Ich rede ja auch nicht nur vom Bloggen, sondern auch von den anderen „Zeitfressern“. Dass ich das alles gerne tue, ändert ja nichts daran, dass Prioritäten manchmal schon hilfreich sind. Und Bloggen ist für mich kein Ersatz, nur eine – wenn auch sehr geschätzte – Ergänzung meiner anderen Kontaktformen.

    @ Ulli: Ja, du hast sicher Recht! Dieses „Müssen“, damit stellen wir uns manchmal wirklich selbst ein Bein, und das „muss“ gar nicht sein :). Also weiter entspannen. Das entlastet ungemein.

  4. Barbara Steldinger

    Liebe Heide,

    kannst du hellsehen, gutes Thema? Ich frage mich nämlich schon länger, wie machen es eigentlich Andere? Der Tag hat doch nur 24 Stunden. Das Thema treibt mich schon eine ganze Weile um, denn auch ich habe immer öfter das Gefühl, in den ganzen spannenden Sachen „zu ersaufen“. Dazu kommt das Gefühl, trotz Übersättigung an Information irgendetwas, den zündenden Impuls, die geniale Idee zu verpassen, quasi „zu verhungern“. Buridans Esel lässt grüßen. Zwischen zwei Heuhafen verhungern…Und da stehe ich dann und habe so eine vage Idee davon, dass ich zu diesem Thema da unlängst was gelesen habe, wo war das bloß? Mehrere Bücher gleichzeitig habe ich schon immer gelesen und mein Gehirn war gut in der Lage zu unterscheiden, wo was stand. Im Internetzeitalter wird das für mich nicht mehr beherrschbar, also drucke ich aus, was ich spannend finde. Gelesen wird später, achja.

    Irgendwann ging mir dann mal auf, dass ich mich wieder mehr auf meine Intuition verlassen sollte. Die kann nämlich ganz gut unterscheiden, was wichtig ist und was nicht. Und so bin ich grade dabei zu lernen von der Illusion loszulassen , immer auf dem Laufenden zu sein und immer wieder Neues in meinen Fokus holen zu müssen um nichts zu verpassen.

    Praktisch sieht das so aus, dass ich wieder mehr meine Schwerpunkte festlege und nur noch die für mich wirklich wichtigen Blogs und Plattformen verfolge. Lieber eine exquisite Auswahl richtig lesen als inflationär drüberhuscheln. Meine Bücherstapel kritisch angucken und ausgedruckte Artikel konsequent ausmisten sind die nächsten Schritte. Aber ich über ja noch.

    In diesem Sinne herzliche Grüße von Barbara

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  1. muellersBlog » Blog Archive » Verändern Blogs Dein Leben? - [...] möchte jetzt ihr Thema nicht wiederholen (hier nachlesen), sondern abwandeln, für meine Umstände. Ich selbst arbeite und lebe allein…

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