Warum Mut zu Klarheit führt

Warum Mut zu Klarheit führt, ist ein richtig wichtiges Thema für Multitalente. Denn viele vielseitige Persönlichkeiten wünschen sich nichts mehr als Klarheit in ihrem Kopf, der meist überzufließen scheint vor lauter Ideen. Dass es zuweilen Mut braucht, um zu Klarheit zu finden, ist jedoch oft nicht so offensichtlich.

In diesem Artikel erfährst du daher, wieso Mut und Klarheit so eng zusammenhängen, welche Rolle Angst und Perfektionismus bei diesem Thema spielen, und wieso es sich gerade für Multitalente immer lohnt, seinen Mut zu trainieren.

Zusammenfassung für Eilige:

  • Klarheit entsteht durch deine Entscheidung, nicht davor: Das Warten auf Sicherheit hält Multitalente in der Endlosschleife.
  • Vom Angsthasen zum Löwenherzen: meine Geschichte 
  • Angst, Perfektion und Sicherheit sind Illusionen und halten uns klein
  • Perfektionismus ist häufig eine getarnte Angst vor Fehlern. Endloses Abwägen ist selbst die eigentliche Fehlentscheidung („better done than perfect“).
  • Innere Widerstände können eine Einladung zum nächsten Entwicklungsschritt sein, denn Wachstum entsteht beim Hindurchgehen.
  • Der Mut-Muskel lässt sich trainieren, indem du klein anfängst mit risikoarmen Mutproben 
  • Nichts ist für die Ewigkeit: Du kannst Entscheidungen auf Zeit treffen und nach einem definiertem Zeitraum neu bewerten. Das stärkt Mut und Selbstwirksamkeit.
  • Konkreten ersten Schritt aufschreiben und sofort loslegen: „Sei schneller als deine Angst!“

Abwarten und Tee trinken?

Vielleicht kennst du das ja auch: Eine wichtige Entscheidung steht an. Du bewegst die Argumente in deinem Kopf zigmal hin und her, vor und zurück, und wieder von vorn. Etwas zieht dich in die eine Richtung, etwas anderes in die andere. Du kommst dir vor wie der berühmte Esel, der zwischen den beiden Heuhaufen verhungert, weil er sich nicht entscheiden kann.

In diesem Zustand auszuharren, kostet dich also eine Menge: 

  • Energie: Weil du diesen gedanklichen Ballast die ganze Zeit mit dir herumträgst und dich daher anderen Dingen nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit widmen kannst.
  • SelbstwirksamkeitWeil du die Umstände oder andere Personen für dich entscheiden lässt. Das passive Verharren im Status Quo und die Hoffnung darauf, dass sich das Problem „irgendwie“ in Luft auflöst, kostet dich auf Dauer deinen Selbstrespekt.
  • Potenzial: Weil dein Zögern und deine Angst dich kleiner fühlen lassen, als du bist. Deine Angst vor deiner eigenen Größe bremst dich dabei, dein Potenzial wirklich auszuloten und zu leben.

Das fühlt sich nicht so richtig gut an, oder? Lass mich dir eine Geschichte erzählen:

Vom Angsthasen zum Löwenherz

Mit Mitte 30 unternahm ich meine erste Fernreise. Ich setze mich allein in den Flieger nach Venezuela zu meinem Bruder, der damals dort lebte. 1999 war das noch ein wunderbares Reiseland. Aber ich hatte so diffuse Bilder im Kopf: Südamerika, da war’s doch gefährlich, oder?

In den 3 Monaten meines Aufenthalts dort entdeckte ich dann meinen Mut. Ich, die sich immer als ängstlich wahrgenommen hatte, setzte sich in der weiten Ebene der Llanos trotz Allergie auf ein Pferd, berührte eine vier Meter lange Anaconda, hatte am Rio Caura eine Begegnung mit einer Vogelspinne und badete im Urwaldfluss. 

Ich wagte sogar einen Tandemflug mit dem Gleitschirm – einfach unvergesslich! Schließlich fuhr ich auf eigene Faust mit Bussen durch das Land, hikte allein mit einem einheimischen Guide durch den Urwald und fand heraus, dass ich viel, viel mutiger war als ich zuvor angenommen hatte.

Ohne diese Erfahrung wäre ich auch in späteren Jahren nicht allein verreist, hätte keine Workations in der Türkei und in Spanien gemacht, wäre nie allein mit dem Campervan durch Neuseeland gecruist. Und ich hätte mich ganz sicher niemals selbstständig gemacht, denn das war für mich die ultimative Herausforderung.

Dass ich mich damals trotz meiner Ängste für diese Reise entschieden habe, war ein Wendepunkt in meinem Leben. Weil ich meiner Angst nicht mehr erlaubte, am Steuer meines Lebens zu sitzen.

Angst, Perfektion und Sicherheit: drei Illusionen

Angst ist doch keine Illusion!, höre ich dich jetzt widersprechen. 

Und natürlich hast du einerseits recht: Es gibt die berechtigte Angst, die dich vor einer real bedrohlichen Situation warnt, und genau dafür ist die Angst evolutionär auch gedacht. Wenn wir Angst spüren, wird unser ganzes System in Alarmbereitschaft versetzt, wir können schnell reagieren und möglicherweise aus der Gefahr flüchten.

Sehr häufig spielen sich unsere Ängste andererseits jedoch mehr in unserem Kopf ab als in der Realität. Wir malen uns den schlimmstmöglichen Ausgang in allen Farben aus und hindern uns damit selbst daran, ein Risiko einzugehen, selbst wenn dieses objektiv gesehen gar nicht so besonders groß ist.

Denn ein Risiko einzugehen, bedeutet, die Sicherheit des Gewohnten aufzugeben, sich zumindest einen kleinen Schritt hinauszuwagen aus der Komfortzone. Wäääh!

Absolute Sicherheit gibt es nicht

Das Ding ist allerdings: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Der sichere Job? Kann morgen gekündigt werden. Sicherheit in deiner Beziehung? Wenn ihr nicht gemeinsam daran arbeitet, kann sie schneller vorbei sein als du „bis dass der Tod uns scheidet“ sagen kannst. Gesundheit? Ist ebenfalls nicht gegeben und kann sich von heute auf morgen ändern.

Perfektion hilft nicht bei der Fehlervermeidung

Viele Multitalente bezeichnen sich als Perfektionist*innen, weil sich das ja doch noch irgendwie ganz gut anfühlt, einen hohen Anspruch zu haben, oder?

In Wahrheit ist dein Perfektionismus aber auch oft nur eine gut getarnte Angst davor, einen Fehler zu machen. Solange du endlos abwägst, kannst du vermeiden, ins Tun zu kommen und damit eventuell auch einen Fehler ausschließen. Dich nicht zu entscheiden, ist also die tatsächliche Fehlentscheidung.

Es gibt keine perfekte Entscheidung. Aber es gibt die ungenutzte Chance, dich zu entscheiden und damit einen Schritt weiterzukommen. „Better done than perfect“ könnte hier die bessere Wahl sein, meinst du nicht?

Willst du also weiter zulassen, dass dein Leben von diesen drei Illusionen bestimmt wird? Während du dich gleichzeitig latent oder auch offen unzufrieden mit deinem Leben fühlst?

So wie dir geht es vielen Multitalenten. Für uns ist es häufig noch viel schwerer als für andere Menschen, wichtige (Lebens-)Entscheidungen zu treffen. Und wir denken immer, dass wir erst eine innere Klarheit finden müssen, bevor wir uns endgültig festlegen. Also drehen wir die nächste Schleife … und die nächste … und die nächste.

Das ist ein Denkfehler. Warum? Darum:

Klarheit entsteht durch deine Entscheidung – und nicht davor

Du darfst dir klarmachen, dass es gerade bei wichtigen Themen immer innere Widerstände geben wird: Du fühlst dich unsicher, (noch) nicht bereit, hast Angst vor Fehlern und dem Scheitern, vergleichst dich mit anderen … Die Liste ließe sich noch länger fortführen.

Innere Widerstände sind also da. Die Frage ist, wie du damit umgehst: Lässt du dich ausbremsen, oder verstehst du sie als Signal? Als Einladung, den nächsten Schritt in deiner Persönlichkeits- und Bewusstseinsentwicklung zu gehen?

Denn ja, viele Entscheidungen fühlen sich erst einmal unbequem an. Wir wachsen nämlich durch Herausforderungen. Widerstände und Ängste zu spüren, ist wichtig. Entwicklung wird aber erst möglich, wenn dir durch diese Gefühle hindurch gehen und eine Entscheidung treffen.

Das erfordert tatsächlich Mut, denn wir wissen im Voraus nicht, ob das Risiko sich lohnen wird. Wenn wir aber darauf warten, dass sich Sicherheit und Klarheit einstellen, bevor wir uns entscheiden – dann können wir wahrscheinlich lange warten.

Merke: Klarheit entsteht durch deine Entscheidung und nicht davor. Du kannst durch intuitives Schreiben deine Intuition trainieren, um ein Gefühl zu bekommen, wohin es dich wirklich zieht. Aber echte Klarheit wirst du wahrscheinlich erst erfahren, wenn du ins sprichwörtliche kalte Wasser gesprungen bist. Denn dann zeigt sich der Weg. Nicht vorher.

Den Mut-Muskel trainieren

Damals in Venezuela war mein erster kleiner Mut-Schritt, allein in die Stadt zu gehen und mich umzuschauen. Mit dem Gleitschirm bin ich erst Wochen später geflogen.

Deinen Mut-Muskel zu trainieren, bedeutet also, möglichst oft etwas zu tun, was vielleicht etwas unbequem ist, aber noch nicht das ganz große Risiko bedeutet. Vielleicht meldest du dich zu einem Kurs zu einem Thema an, das dich schon lange interessiert? Oder du lächelst die obdachlose Frau vor dem Supermarkt an, statt grußlos an ihr vorbeizugehen?

Es muss nicht gleich die ganz große Lebensentscheidung sein, aber je öfter du dich etwas traust, umso stärker wird dein Mut-Muskel.

Nichts ist für die Ewigkeit

Mach dir außerdem klar, dass die meisten Entscheidungen nicht für die Ewigkeit getroffen werden: Du kannst nach einem von dir definierten Zeitraum neu entscheiden. 

Am besten überprüfst du dann auch, was jetzt anders ist: Bist du mutiger geworden, hat sich dein Gefühl zu dir selbst verändert, und falls ja, in welcher Weise? Damit wird dir bewusster, was du selbst möglich machen kannst. Das trainiert neben deinem Mut auch deine Selbstwirksamkeit.

Los geht’s!

Vielleicht schreibst du jetzt sofort einmal auf, was du als nächstes unternehmen willst, und was ein ganz konkreter erster kleiner Schritt sein könnte. Und dann: Geh diesen Schritt! Denn je länger du damit wartest, desto mehr setzen die inneren Widerstände dir zu. Sei einfach schneller als deine Angst! 😉

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