Tschüss Social Media!

Ich blogge seit über 5 Jahren. Ich twittere gerne. Ich nutze Xing bereits seit 2003 und kenne mich sehr gut damit aus. Ich verfüge auch über Profile bei Facebook, LinkedIn, myOnId, yasni und diversen weiteren Diensten des Social Web. Es macht mir mal mehr und mal weniger Spaß, mich damit zu beschäftigen. Aber worauf ich so gar keine Lust mehr habe ist, mich ständig up to date zu halten, weil das von einer „Social Media Expertin“ so erwartet wird.

Deshalb verabschiede ich mich heute ganz offiziell von diesem Status. Ich werde Anfragen zu Vorträgen oder Workshops rund um die sozialen Medien in Zukunft ablehnen, höchstens noch für „Werkstatt-Gespräche“ zur Verfügung stehen. Ich werde natürlich auch meine Positionierungskunden weiter dabei unterstützen, Social Media zu nutzen. Aber ohne den Anspruch, ich wäre jederzeit auf dem neuesten Stand. Ohne die Idee, ich wüsste immer die „richtige“ Social Media Strategie. Den Job sollen andere machen, die Social Media atmen. Für mich ist das nichts mehr.

Ich verstehe mich als „fortgeschrittene Userin“, die gerne in diesen Medien unterwegs ist, sie aber auch durchaus kritisch sieht. Facebook zum Beispiel mag ja fürs Marketing spannend sein, ich habe aber schlicht keine Lust, mich intensiver damit zu befassen, um qualifizierte Empfehlungen abgeben zu können. Mich nervt das Ding ehrlich gesagt meistens, und den Umgang mit meinen Daten finde ich skandalös. Das kann ich guten Gewissens zurzeit nicht empfehlen.

Wer also einen Social Media Experten sucht, möge mich gerne ansprechen, damit ich ihm großartige Kollegen und Kolleginnen empfehlen kann, die all das tun, was ich nicht mehr möchte: sich jeden Tag voller Begeisterung informieren zu all den wichtigen Themen. Die sich auskennen und die verschiedenen Dienste gekonnt miteinander kombinieren.

So. Und ich konzentriere mich ab sofort wieder auf das, was ich einfach am besten kann, was mir am meisten Freude macht und wofür ich auch die meiste Anerkennung erhalte: Potenzial- und Positionierungs-Coaching. Das erschöpft mich nie, darauf habe ich immer Lust, dafür bin ich die Expertin.

Wollte ich euch einfach mal sagen.

Ach ja: Und natürlich verabschiede ich mich nicht aus dem Social Web. Nur vom Social Media Expertenstatus. 🙂

12 Kommentare

  1. Dagmar von Consolati

    Liebe Heide,
    sehr konsequent. Und sehr energiebewusst: Energie nur für das aufwänden, das auch Energie zurückgibt.
    Viel Freude und erfolg auf Deinem neuen (bewährten) Weg!

  2. Anke Patt

    Liebe Heide Liebmann,

    ich verstehe was Sie meinen. Ich verstehe Sie. Immer überall up to date zu sein was irgendwie mit Kommunikation zu tun hat, scheint in einer zunehmend virtuellen Welt fast unmöglich. Die Entwicklung überschlägt sich fast. Schneller, besser, höher, weiter. Wirklich?! Ganz ehrlich? Der persönliche Kontakt (ja fast sogar die Kontaktfähigkeit) geht dabei irgendwie zunehmend flöten. Denn irgendwie geht es schneller, sich mal eben per Knopfdruck zu verlinken oder rasch was bei XING und Co. (weil rund um die Uhr verfügbar) abzusetzen, als die Freundin zum Kaffee zu erwischen, die ebenfalls kopfüber in der Arbeit steckt (rund um die Uhr).

    Aber ist das noch Kommunikation s. https://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=Q70R3S? Ist Kommunikation nicht ureigentlich ganzheitlich d.h. sowohl verbal als auch nonverbal? Und unsere Botschaften erst wirksam durch unsere Haltung, Gestik, Mimik, Stimme? Gibt es vielleicht deshalb so viele oder zunehmend Missverständnisse? Weil wir glauben, ohne all das auskommen zu können? Oder weil uns die Zeit davon läuft?

    Dann ist es höchste Zeit für ein Anhalten. Durchatmen. Das Gegenüber anschauen, zuhören, wieder mal ins Gespräch kommen. Aktiv kommunizieren. Social Media, oft praktisch, nützlich, hilfreich. Als solches möchte ich die virtuellen Vernetzungsmöglichkeiten nicht missen. Aber als Ersatz für manch persönliches Gespräch? Never ever.

    Fazit: Ich schliesse mich Ihnen an. Social-Media-Expertin? Nein, danke. Nutzerin? Wo es passt, na klar. Aber im Rahmen eines Tools. Ansonsten suche ich immer öfter wieder das Gespräch: mit Fachkollegen oder im Café, mit einer Freundin.

    Herzliche Grüße

    Anke Patt

  3. Heide

    Liebe Frau Patt,

    schön, wieder einmal von Ihnen zu hören!

    Ich finde es interessant, wie viel positive Resonanz ich zu diesem Artikel erhalte, auch über private Nachrichten, bei Twitter und Xing. Offenbar decken sich die Erfahrungen vieler anderer mit meinen eigenen. Wobei ich Social Media übrigens von Anfang als Ergänzung meiner kommunikativen Möglichkeiten verstanden habe, niemals als Ersatz. Als solche werde ich sie natürlich auch weiterhin nutzen. Und ich finde, sie schulen sogar das Kommunikationsverhalten, gerade weil sie dazu zwingen, die „ausgeblendeten“ nonverbalen Fähigkeiten zu ersetzen, wenn man Missverständnisse soweit wie möglich ausschließen möchte.

    Deshalb steige ich ja auch nicht aus dem Thema aus. Ich möchte nur nicht länger für mich in Anspruch nehmen, „Expertin“ für Social Media zu sein, weil ich denke, dass so ein Ruf verpflichtet. Und diesen Ansprüchen will ich nicht (mehr) genügen. Das kollidiert einfach zunehmend mit meinem professionellen Selbstverständnis.

  4. Anke Patt

    Liebe Heide Liebmann,

    „Wobei ich Social Media übrigens von Anfang als Ergänzung meiner kommunikativen Möglichkeiten verstanden habe, niemals als Ersatz.“ Ja, klar. Wir sprechen die gleiche Sprache. 🙂

    Virtuelle Kommunikation ist aufwändig und kostet Zeit. Und wenn man einmal dran oder drin ist ist ruckzuck die Zeit rum. Und wie viele „leben“ inzwischen im Netz und „verlieren“ sich?! Das zeigt natürlich Wirkung. Auf die Kommunikation und die Gesellschaft. Das erleben wir an vielen Stellen. Natürlich auch positiv. Aber strategisches Vorgehen scheint mir wie Ihnen an dieser Stelle ob der unzähligen Möglichkeiten fast nicht (mehr) machbar. Daher ein zunehmendes den-virtuellen-Ball-flach-halten und Web 2.0 nicht als Allheilmittel zu betrachten. Es ist wie immer: Die Mischung macht’s!

    Da bleiben wir gemeinsam dran, gell?!

    By the way: Wie wär’s mal mit nem Kaffee? Unlängst noch auf unserer Liste.

    Liebe Grüße

    Anke Patt

  5. Xaver Inglin

    Ich denke, dass Social Media in der derzeitigen Form tatsächlich überfordern kann. Gleichzeitig bleiben dabei viele Aspekte der Kommunikation auf der Strecke. Vielleicht wäre aber ein vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema richtiger, als zum Rückzug blasen. Was, wenn sich nicht mal mehr Experten getrauen?!

  6. Heide

    Hallo Herr Inglin, danke für Ihren Einwurf. Ich denke aber, es gibt keinen Anlass zu befürchten, dass es bald keine Social Media-Experten mehr geben wird und alle meinem Beispiel folgen werden 😉 . Ich fühle mich auch von den sozialen Medien nicht grundsätzlich überfordert, nur um hier ein mögliches Missverständnis auszuschließen. Ich will nur eben nicht mehr als Expertin in diesem Kontext wahrgenommen werden, weil es zu viel Zeit frisst, sich ständig über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Das ist sicher eine Aufgabe für Leute, die das Thema Social Media ausschließlich beackern.

    Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Social Media finde ich übrigens nach wie vor wichtig, und ich werde auch weiterhin klar Position beziehen. Allerdings geht es mir ganz persönlich darum, mich wieder stärker auf meinen Kern zu fokussieren. Und das ist nun mal das Potenzial- und Positionierungs-Coaching. Social Media kamen bei mir immer an zweiter Stelle. Insofern ist es für mich eine logische Konsequenz und Befolgung meiner eigenen, immer wieder gepredigten Grundsätze, sich wirklich auf das zu konzentrieren, was man am besten kann, weil es einem die größte Freude bereitet.

  7. Ulrich Börst

    Hallo Frau Liebmann,

    mir imponiert Ihr mutiger und konsequenter Schritt! So ganz gegen den „Mainstream“ – Schließlich will ja heute jeder Experte sein …. Sie sind für mich die Erste, die sich freiwillig von einem „Expertenstatus“ verabschiedet.

    Ich schätze dennoch, dass Sie damit gewinnen: Ihre eigentliche Positionierung als Positionierungs-Expertin wird fokussierter. Lässt da EKS oder Sawtschenko grüßen?

    Beste Grüße aus dem Tor
    Ulrich Börst

  8. Heide

    Hallo Herr Börst,

    danke für Ihre Anerkennung, ich freue mich darüber. Und natürlich sind mir sowohl die EKS als auch Sawtschenko ein Begriff, von beiden habe ich anfangs viel gelernt. Inzwischen habe ich aber mein eigenes System, das sich ständig weiter entwickelt, da muss ich niemand anders mehr bemühen 😉 . Und wenn ich an verschiedenen Dingen ganz deutlich merke, dass „Fokussierung“ mal wieder dran ist – dann tu ich das eben. Weil es mir damit einfach besser geht.

  9. Stefanie Gnörich

    Liebe Heide,

    Glückwunsch zu dieser Entscheidung!
    Ich habe selber auch schon oft genug gemerkt, dass man sich nicht auf dutzende „Baustellen“ gleichzeitig konzentrieren kann. Auch wenn alle drum herum nicht müde werden, mir immer wieder neue Standbeine anzubieten 😉
    Ganz viel Erfolg weiterhin mit deinem Nasenfaktor! 🙂

    Liebe Grüße
    Stefanie

  10. Volkert Brammer

    Hallo Frau Liebmann,

    Glückwunsch zur Klarheit. Das ist für mich gelebte Positionierung. Für Social Media gibt es genügend Experten, die all die Trends beobachten und für ihre Zielgruppen aufbereiten. Warum müssen Trainer und Coaches das auch noch im Gepäck haben, wenn sie doch andere Leidenschaften haben und diese viel, viel besser umsetzen können?

    Wann sind Sie denn mal wieder im Norden mit dem Nasenfaktor?

    Liebe Grüße
    Volkert Brammer

  11. Sabine Faltmann

    Hallo Heide,

    kann ich voll nachvollziehen! Vor allem die Sache mit Facebook, das geht mir genauso auf den Geist.

    Viel Erfolg mit Deiner neuen alten Strategie,
    Sabine

  12. Barbara Steldinger

    Liebe Heide,

    das ist ein klares konsequentes Statement, herzlichen Glückwunsch. Auch aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, einer sich im Tempo überschlagenden technisierten Kommunikation hinterher zu rennen.Viel zu flach kommt inzwischen vieles rüber.

    Und wer hunderte „Freunde“ in facebook hat tut mir irgendwie leid. Nein, hier ist es wichtig, sich für Klasse statt Masse zu entscheiden und wider allem Mainstream bin ich der Meinung, dass es immer wichtiger werden wird, persönliche Kontakte gut zu pflegen. Es gibt sehr viele Menschen, die schon garnicht mehr wissen wie das geht, eine Freundschaft zu pflegen, gute Beziehungen zu leben.

    Ich habe mich über deinen Newsletter gefreut und mal wieder was von dir zu hören, weiter so

    alles Liebe
    Barbara

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