„Ich muss unbedingt …“ oder „Ich muss echt mal …“ – das sind so typische Sätze, die häufig fallen, wenn Leute bei mir im Coaching über ihre Pläne sprechen. Und dabei oft gar nicht merken, welchen Druck sie sich damit aufbauen. Weniger müssen, mehr wollen – das wäre doch eigentlich ziemlich erstrebenswert, oder?
Eine liebe Freundin von mir sagt gerne „Einen Scheiß muss ich!“ Und sie hat so Recht damit. Zuweilen ist es hilfreich, sich mal klarzumachen, dass wir in diesem Leben nur sehr wenige Dinge wirklich tun müssen: Atmen. Essen. Schlafen. Verdauen.
Alles andere sind Entscheidungen.
- Musst du wirklich mehr für deine Sichtbarkeit tun, oder willst du es?
- Musst du tatsächlich heute noch diese wichtige Kundenpräsentation fertigstellen, oder reicht vielleicht auch morgen noch?
- Musst du jeden Morgen eine Stunde lang dein Workout durchziehen, oder freust du dich in Wahrheit sogar darauf?
Vielleicht merkst du bereits an diesen Beispielen, dass es einen enormen Unterschied macht, wie du selbst mit dir sprichst. Erkennst du, dass du jederzeit eine andere Entscheidung treffen kannst? Natürlich gibt es „Sachzwänge“, aber sehr viel häufiger sind diese vorgeschoben, weil du dich davor scheust, die Verantwortung für dein Handeln zu übernehmen.
Na, wird das Thema gerade leicht unangenehm? Daran merkst du, dass du dir das vielleicht mal etwas genauer anschauen könntest. Ich erzähle dir gleich, welche Erfahrungen ich gerade selbst wieder einmal gemacht habe mit weniger müssen, mehr wollen:
Lust auf Sichtbarkeit ohne Müssen
Ich bleibe mal bei dem Beispiel mit der Sichtbarkeit, weil mich das im Moment stark beschäftigt, wie du in meinem Artikel zu meinem Motto 2026 nachlesen kannst. Letztes Jahr habe ich es endlich geschafft, mich neu zu positionieren als Coach für Multitalente und Scannerinnen. Yay! Das fühlte sich so gut an!
Und dann kam die innere Stimme, die lauthals forderte: „Du musst unbedingt sichtbarer werden! Du musst auf LinkedIn viel präsenter werden! Du musst regelmäßig bloggen!“
Grausam! Die Kehrtwende für mich kam, als ich mir klarmachte: Nee, muss ich alles gar nicht. Aber ich will! Weil ich nämlich überzeugt davon bin, dass noch viel mehr Menschen und vor allem meine heißgeliebten Scannerinnen erfahren sollten, was ich für sie und mit ihnen tun kann.
Eine kleine Auswahl:
- Ich kann dir zu mehr Klarheit verhelfen über deinen beruflichen Weg oder deine Positionierung in der Selbstständigkeit – gerade dann, wenn du dir mit deiner Vielseitigkeit eher selbst im Weg stehst.
- Ich kann dir vermitteln, wie du deine kindliche Freude am Ausprobieren wieder neu entdecken und nutzen kannst.
- Ich zeige dir, wie viel mehr Leichtigkeit du in dein Leben bringen kannst, wenn du dich freimachst von äußeren Erwartungen.
- Ich bringe dir bei, wie intuitives Schreiben dich dir selbst wieder näher bringt und dein Vertrauen in dich und deinen Weg stärkt.
Und seitdem spüre ich eine geradezu unbändige Lust, wieder mehr zu bloggen und LinkedIn zu nutzen, um dich und andere Scannerinnen zu erreichen. Ich erlebe das nicht mehr als lästige Pflicht, die ich halt abhaken muss, sondern als bereichernde Aktivität, die mir echte Freude bereitet.
Verantwortung für dein Handeln
Sich und anderen zu erzählen, dass du Dinge tun „musst“, hat natürlich auch Vorteile:
- Du schiebst damit die Verantwortung von dir weg auf andere oder die Umstände.
- Du kannst dich beschweren, weil du ja so unendlich viel zu erledigen hast – und dafür Anerkennung einfordern oder einheimsen.
- Du bestätigst dir selbst, wie wichtig du bist …
Manchmal sind diese Gründe dir vielleicht gar nicht bewusst, und es mag sogar schmerzhaft sein, wenn du dir das mal klarmachst. Denn eigentlich überlässt du damit deinem inneren Antreiber das Steuer deines Lebens. Willst du das wirklich?
Gerade Scannerinnen legen meist sehr viel Wert darauf, selbstbestimmt leben zu wollen. Wäre es da nicht förderlicher für deinen Selbstwert, wenn du voll und ganz die Verantwortung für dein Handeln übernimmst, auch im Kleinen? Langfristig fühlt sich das deutlich besser an als das fremdbestimmte „Ich muss“. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.
Umsetzung in die Praxis: Weniger müssen, mehr wollen, können, dürfen
Wenn du von diesem Artikel wirklich profitieren möchtest, nutze doch jetzt gleich mal die nächsten 10 Minuten. Nimm Papier und Stift, falls möglich, weil du damit einen besseren Zugang bekommst zu deinem unbewussten Wissen, als wenn du tippst.
Schreibe jetzt eine Liste mit all den Dingen, die du heute noch erledigen „musst“:
- Ich muss noch einkaufen …
- Ich muss daran denken, dass …
- Ich muss noch XY anrufen …
- …
Vielleicht wird dir schon beim Schreiben klar, was für ein innerer Druck entsteht, wenn du all das tun MUSST. Wäre es nicht schön, wenn du deine Pläne für den heutigen Tag mal anders erleben würdest, freudvoller und selbstbestimmter?
Das geht ganz einfach: Ersetze jetzt im nächsten Schritt jedes „Ich muss“ durch ein „Ich will“, „Ich kann“ oder „Ich darf“. Alternativ kannst du auch „Ich werde“ nutzen. Spüre ruhig mal rein, was sich jeweils besser oder „richtiger“ anfühlt.
- „Ich will“ ist eine eindeutige Entscheidung für etwas.
- „Ich kann“ lässt mehr Freiraum: Es ist eine Möglichkeit, aber keine Pflicht
- „Ich darf“ signalisiert deiner Seele eine innere Erlaubnis, und es hat auch eine gewisse demütige Komponente. Wenn du zum Beispiel schreibst „Ich darf gleich lauter leckere Sachen einkaufen“ schwingt dabei mit, dass das im Grunde für viele Menschen gar nicht so selbstverständlich ist wie für uns hierzulande.
- „Ich werde“ zeigt deine klare Absicht und ist vergleichbar mit „Ich will“.
Das einmal zu machen, bringt dir hoffentlich Entlastung für den heutigen Tag. Um dauerhaft Druck aus deinem System zu nehmen, ist Üben wichtig: Achte darauf, wann du dich selbst dabei ertappst, „Ich muss“ zu denken oder auszusprechen. Ändere den Satz dann möglichst sofort, je häufiger, desto besser. Das wird dir nach und nach immer öfter gelingen, und du wirst außerdem auch darauf aufmerksam, wie oft auch andere Menschen Dinge tun „müssen“.
Tipp: Ich habe vor ein paar Jahren damit begonnen, mir jeden Morgen ein paar Minuten Zeit zu nehmen und aufzuschreiben, was ich alles erledigen möchte – nicht MUSS. Nicht als To-Do-Liste, sondern eher als eine Art Drehbuch für den Tag. Damit stimme ich mich ein und mache mir klar, was tatsächlich auf dem Plan steht. Und ganz nebenbei übe ich weniger müssen, mehr wollen.
Teile gern deine Erfahrungen mit der Übung oder mit deiner bisherigen Praxis in den Kommentaren, ich bin echt gespannt!

