Rezension: Salutogenese durch Selbstverwirklichung

 

Die meisten Fachbücher, die ich lese, drehen sich um verschiedene Aspekte des Marketings. Simone Mellers Buch ist da eine Ausnahme: Salutogenese durch Selbstverwirklichung: Eine integrative und ganzheitliche Perspektive für die Gesundheitspsychologie beschäftigt sich mit den Wurzeln von Gesundheit. Das interessiert mich einerseits aus persönlichen Gründen sehr, weil ich Neurodermitis habe und Allergikerin bin. Und weil ich schon lange davon überzeugt bin, dass wir uns Krankheiten selbst „kreieren“ und sie entsprechend auch wieder heilen können – wenn wir denn den richtigen Ansatz dafür finden.

Andererseits finde ich das Buch auch spannend, weil ich mit vielen Beratern aus dem Gesundheitsbereich zusammenarbeite, die zwar aus Erfahrung um die Zusammenhänge zwischen Krankheit und Selbstentfremdung wissen. Doch bisher gerieten sie gegenüber den Vertretern der Schulmedizin häufig ins Hintertreffen, wenn es um die so genannte „Wissenschaftlichkeit“, also die „objektive“ Nachweisbarkeit von Heilmethoden ging.

Mellers Buch hat – weil es eine Doktorarbeit ist – den Anspruch, wissenschaftliche Belege dafür zu liefern, dass wirklich jede Krankheit psychosomatisch ist. Und sie zeigt, dass die Gesundheitspsychologie selbst einem Glaubenssatz verfallen ist, der nicht wirklich wissenschaftlich ist, nämlich dem Leib-Seele-Dualismus.

Folgerichtig entwickelt sie ein Modell, um Menschen dabei zu unterstützen, wahrhaft ganzheitlich zu gesunden – durch Selbstverwirklichung, verstanden als Selbstbestimmung in sozialer Verantwortung. Es geht um die Entdeckung oder Wiederaufspürung des wahren Selbst.

Ich glaube, dieser Ansatz könnte vielen Beratern, Heilpraktikern und Coaches, denen die Heilung ihrer Patienten wirklich am Herzen liegt, eine ganz neue Grundlage für ihre Arbeit bieten und damit vielleicht auch ein besseres Selbstbewusstsein. Raus aus der „esoterischen Schmuddelecke“, vor der ja manche geradezu reflexhafte Berührungsängste zeigen.

Die Salutogenese (von salus = Unverletzlichkeit, Heilung, Glück und „genos“ = Entstehung) orientiert sich an den statistischen Ausnahmen. Sie fragt, wie es Menschen gelingt, sich von schwersten Traumata zu erholen oder tödlichen Krankheiten ein Schnippchen zu schlagen. „Es sind die Einzelfälle, die darauf verweisen, dass die Grenzen des Möglichen nur in unserem Kopf existieren.“ Die Autorin plädiert dafür, sich gerade von diesen „Ausnahmen“ konstruktiv erschüttern zu lassen und sein bisheriges Weltbild und seine Denkmuster zu hinterfragen. Die Salutogenese interessiert sich konsequent für alles, was zum Gelingen von Gesundheit beiträgt. Mich erinnert das an den gern zitierten Satz: „Wer heilt, hat recht.“

In der Praxis bedeutet das, dass man eher auf ressourcenerhaltende Dinge achtet als auf krankmachende oder stressende Faktoren, also weg von den Defiziten hin zu dem, was an Selbstheilungskräften da ist. Da rückt dann der Patient wieder in den Fokus, der selbst etwas für seine Gesundung tun kann, auch wenn das nicht immer gleichbedeutend mit vollständiger Genesung ist.

Ohne jetzt die komplexen Argumentationen hier im Einzelnen nachvollziehen zu können – so viel lässt sich nach meiner mäandernden Lektüre sagen: Wer ernsthaft an Heilung interessiert ist und nicht auf Louise-Hay-Niveau bleiben möchte (ohne deren Verdienste schmälern zu wollen), dem kann ich Simone Mellers Werk wirklich empfehlen. Man spürt, dass sie hier ein Thema gefunden hat (oder fand es sie?), dass wirklich „ihrs“ ist – sicher keine bequeme Entscheidung im herrschenden Wissenschaftsbetrieb.

Ich wünsche ihr viele Leser, Anwender, auch konstruktive Kritiker, damit das Modell sich weiter entwickeln kann. Ich wünsche ihr, dass ihr Konzept wahrgenommen und als wahr erkannt wird.

Übrigens:  Die Autorin schreibt auch ein sehr lesenswertes Blog, wo ihr noch mehr über ihr Konzept der Salutogenese erfahren könnt.

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