„Newsletter“-Spam

Gerade eben erhielt ich die sehr beleidigte Mail eines (inzwischen wahrscheinlich ehemaligen) Xing-Kontaktes. Der gute Mann hatte mir Anfang der Woche seinen so genannten „Newsletter“ zugesandt, der für Versicherungsleistungen warb.

Ich reagierte darauf ziemlich harsch, nämlich so:

Sehr geehrter Herr XY,

verraten Sie mir doch mal unauffällig, wie Sie an meine Kontaktdaten gekommen sind. Und dann entfernen Sie diese sofort wieder aus Ihrer Datenbank. Ich habe nämlich keinerlei Interesse an Ihren „Informationen“ und betrachte jede weitere Nachricht – außer Ihrer Löschbestätigung – als Spam.

Nun schickte mir Herr XY einen Screenshot unserer einstmals recht netten Korrespondenz via Xing und findet,  „dass unser XING-Kontakt nicht dazu dient, dass Sie mir gegenüber so schwere Geschütze auffahren. Auch die Korrespondenz ließ dies nicht vermuten.“

Ich habe den Herrn XY dann darüber aufgeklärt, dass er mir seinen Newsletter erstens unaufgefordert zugeschickt hat – was tatsächlich unter den „Tatbestand Spam“ fällt, denn ich habe nirgendwo eingewilligt, den Newsletter zu beziehen. Und dass es zweitens ja wohl nicht in seinem Sinn sein kann, wohlmeinende Kontakte durch so ein Vorgehen zu vergrätzen.

Leider scheint die Praxis, sämtliche Xing-Kontakte unaufgefordert mit seinen „Informationen“ zu beglücken, immer weiter um sich zu greifen, was vielleicht zum Teil auch meine genervte Reaktion erklärt. Ich habe bei Xing inzwischen über 750 Kontakte, von denen ich ca. ein Drittel gar nicht kenne. Deshalb kann ich bei solchen Newslettern gar nicht erkennen, dass der Absender meine Daten aus Xing entnommen hat. Erst recht nicht, wenn eine web.de-Adresse benutzt wird, wie in diesem Fall, Was ja auch nicht gerade ein Qualitätsindiz ist, aber das nur am Rande.

Wenn auch nur 1 Prozent dieser 750 Leute mir seinen Newsletter unverlangt zuschickt, landen jede Woche 7 Newsletter in meinem Postfach. Bin ich zu empfindlich, wenn ich das als Zumutung erlebe? Ich finde nicht. Ich möchte wenigstens gefragt werden, und zwar höflich – und die Möglichkeit haben abzulehnen, ohne dass da jemand beleidigt ist. Oder ich möchte ganz freiwillig einen Newsletter bestellen, weil ich die Informationen tatsächlich erhalten will – und nicht, weil der Absender glaubt, er hat mir da was ganz Tolles mitzuteilen. Hat er nämlich meistens nicht.

Wenn dann mein Postfach von Werbemails verstopft wird, die mir keinerlei Mehrwert bieten und auch den persönlichen Bezug nicht herstellen – dann hat da jemand offensichtlich nicht verstanden, wie man soziale Medien sinnvoll nutzt.

Wahllos seine Inhalte in die Gegend zu schicken, ist nämlich wahrlich keine gute Kommunikation – und eigentlich sollte mir der Bursche noch dankbar dafür sein, dass ich ihm eine kostenlose Lektion darüber erteilt habe, wie Newsletter-Marketing eben nicht funktioniert. So. Noch Fragen?

Oder wie seht ihr das?

10 Kommentare

  1. Anke

    Liebe Heide,
    das spricht mir aus dem Herzen, auch wenn ich vielleicht nicht nicht die gleichen Worte dafür gewählt hätte. Ein Thema unserer Zeit.
    Danke für den Beitrag, liebe Grüße
    Anke

  2. Stefanie Gnörich

    Hallo liebe Heide,

    diese Vorgehensweise greift wirklich verstärkt um sich. Ich habe gerade mal knapp 300 Kontakte und bin schon „im Besitz“ von ca. 3-4 Newslettern von XING-Kontakten.
    Manche gestalten es dann so clever, dass Sie auf Ihre „Über mich“-Seite verweisen, wo mitgeteilt wird, dass man mit dem akzeptieren des Kontaktes auch den NL mitbestellt.
    Da ich selber für Kunden oft mit deren Newslettern etc. zu tun habe bin auch ich recht gut informiert, was man darf und was nicht. Ja, ok, man will leben und via NL Geschäft generieren. Aber wenn ich auf den Keks gehe, erreiche ich genau das Gegenteil. Gratwanderung.
    Ich persönlich habe mir beim Erhalt von NL-Abmeldungen (im Auftrag meiner Kunden) einen sehr freundlichen, höflichen Response-Ton angewöhnt. Kam bisher immer sehr positiv an 🙂
    So als „es geht auch anders“ 🙂

    Liebe Grüße
    Stefanie

  3. AbidiText

    Liebe Heide,

    Xing-Kontakte, die mir so kommen, werden umgehend gelöscht. Die Krönung war jemand, der zunächst so tat, als sei er an meinen Textleistungen interessiert, der mir dann aber in Wahrheit seine Produkte verkaufen wollte und mich sogar anrief, um mich zu einer Produktvorführung „einzuladen“.

    Lieber weniger, aber gute Kontakte als solche Typen, die Social Network mit Nervmarketing verwechseln …

    Liebe Grüße von Heike

  4. Elisabeth Mardorf

    Liebe Heide,
    es geht sogar noch schlimmer: Ich bekam über das Kontaktformular meiner Website die wütende Nachricht eines mir unbekannten Menschen, ich möge bitte aufhören, ihm ungefragt unqualifizierte Newsletter zu schicken. Ich fragte nach- er war so nett, mir den Newsletter samt Absender-Adresse zu schicken. Und siehe da: Da hatte jemand tatsächlich seinen Newsletter- Verteiler so eingerichtet, dass eine andere Website von mir als Absender erschien. Freut mich, dass er mich für so wichtig hält- aber wenn er meint, dadurch wirke sein Schmarrn seriöser, ist das reichlich naiv.(Wie das alles technisch geht, kann ich Dir nicht erklären. Jedenfalls denke ich, es kostet Mühe und passiert nicht versehentlich).
    Auf sehr komplizierten Wegen über seine IP-Adresse und den Server- Anbieter fand ich diesen Newsletter- Absender heraus. Sein Anbieter wollte ihn sperren. Er bat dann per mail um Entschuldigung, er habe „aus Versehen“ eine mail- Adresse mit meiner Website als Absender benutzt. Ich hatte keine Lust, diesem Kerl so viel Aufmerksamkeit zu widmen.
    Ich kann Dir nur beistimmen- Wenn man Newsletter bekommt, die man nicht bestellt hat, sollte man umgehend an den Absender schreiben. Ich bin jedenfalls dem wütenden Adressaten, der mich aufforderte, ihm keine Newsletter zu schreiben, sehr dankbar. Ich hätte ja sonst nicht mal gemerkt, dass da einer in meinem Namen Schmarrn in die Welt schickt!

  5. Heide

    Danke für eure Kommentare, die mir zeigen (und allen Spam-Versendern zeigen sollten), dass es sinnvollere Wege gibt, neue Abonnenten zu gewinnen als Xing-Kontakte zu nerven. Ich habe mal kurz recherchiert und hier eine gute Anleitung gefunden, wie man das zum Beispiel anstellen kann.

  6. Frank

    Ich verstehe nicht, warum Sie Xing-Kontakte haben, die Sie „gar nicht kennen“. Was macht es für einen Sinn, „Kontakte“ zu haben, die man gar nicht kennt? Bei einem so inflationären Umgang mit Kontakten liegt doch ein Newsletter nahe. Ich habe nur Xing-Kontakte, die ich persönlich kenne. Die können mir so viel Werbung schicken, wie sie wollen, was sie nicht tun, weil sie mir auch wieder ins Gesicht schauen müssen.

  7. Heide

    Ich denke, es kommt schon immer darauf an, was man mit Xing erreichen möchte. Anfangs habe ich mich dort auch nur mit Menschen vernetzt, die ich persönlich kannte. Inzwischen schätze ich aber auch die Möglichkeit. über Xing auf Menschen zu stoßen, die ich (noch) nicht persönlich kenne, für die jedoch mein Angebot interessant sein könnte – oder umgekehrt. Dafür ist die Plattform meiner Ansicht auch da und sehr nützlich. Das ist in meinen Augen nicht inflationär. Ich verstehe Xing aber auch als „Türöffner“, und das hat sich schon oft bewährt. Von Kontaktesammlern, die wirklich gar keine Berührungspunkte zu mir und meinem Angebot aufweisen, halte ich mich jedoch fern und akzeptiere deren Kontaktanfragen auch grundsätzlich nicht.

  8. Barbara Steldinger

    Liebe Heide,

    ich finde, du hast sehr angemessen reagiert. Mich nervt dieses sinnlose Kontakte sammeln wie es in Xing ganz oft passiert, schon lange.

    Ich hatte mich vor einiger Zeit ganz neugierig in der Gruppe Contacteliteclub angemeldet. Da wird vielleicht inflationär gesammelt! Du bekommst schon beim ersten Erscheinen in der Gruppe eine dringende Empfehlung so und soviel neue Kontakte mitzubringen, sonst sollst du dir überlegen, ob du in der Gruppe richtig bist.Da war ich sprachlos.

    Und man wird sofort von unzähligen Kontaktesammlern kontaktiert. Mir ist der tiefere Sinn leider verborgen geblieben und die Gruppe war sofort uninteressant für mich.

    Zum anschreiben per Email habe ich eine neue miese Masche entdeckt. Da schreibt einem jemand sein Angebot und setzt in die Betreffzeile einfach ganz frech ein Re: ein. Das wirkt, als ob ich eine Antwort auf meine Anfrage bekomme.Und das ist ja dann kein Spam. Ohne dies wäre die Mail wahrscheinlich gleich ohne öffnen gelöscht worden. Kam in letzter Zeit mehrfach vor und wird gnadenlos gelöscht.

  9. Lack Robi

    Jemanden auf XING „kontaktet“ zu haben berechtigt einem natürlich keineswegs dazu diese Adresse auch gleich in den Newsletterverteiler zu nehmen. Da hätte ich wahrscheinlich ähnlich reagiert.

    Allerdings habe ich schon Kontaktanfragen erhalten, bei denen freundlicherweise darauf hingewiesen wurde, dass ich dann auch in Zukunft noch weitere, interessante Informationen dieser Person und seiner Unternehmung erhalten würde. Diese Kontaktanfrage habe ich dann aber auch „freundlicherweise“ abgelehnt.

    @Frank:
    Die Idee von XING ist dass man sich vernetzt. Und da gibt es (zum Glück) keine allgemein gültige Regeln. Einige „sammeln“ Kontakte, andere möchten nur mit Personen vernetzt sein, die sie auch persönlich kennen. Das ist Ansichtssache. Der Angefragte bestimmt selber ob er zusagen will oder nicht. Ich habe auch einige Kontakte die ich gar nicht näher kenne. Viele fragen einfach an, weil Sie von mir einen Beitrag in einer XING-Gruppe interessant gefunden haben oder weil Ihnen mein Profil/Tätigkeit zusagt. Ist eine kurze Begründung in der Kontaktanfrage, so nehme ich die in der Regel auch gerne an, man weiss ja nie wenn man wieder einmal darauf zurückgreifen kann.

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