Heide Liebmann, Potenzialdeteketvin für Multitalente, schaut mit einem Auge durch Kreis aus Daumen und Zeigefinger. Erst entscheiden, dann klar sehen.

Das Klarheits-Paradox: Erst entscheiden, dann klar sehen

Erst entscheiden, bevor du echte Klarheit fühlst? Klingt für viele Multitalente zunächst paradox. Weil sie permanent auf das richtige Gefühl, den perfekten Zeitpunkt warten, um eine wichtige Entscheidung zu treffen.

Aber was wäre, wenn genau diese Warterei dafür sorgt, dass du deine Entscheidungen immer weiter herauszögerst und dich nie so richtig committest? Und was, wenn ich diese Logik – erst mal abwarten und dann erst entscheiden – einfach mal umdrehe und dir zeigen kann, wie viel besser das für dich funktioniert?

„Ich kann mich erst dann entscheiden, wenn ich Klarheit fühle!“

Tja. Das ist der Glaubenssatz, den fast alle Scannerinnen mit sich herumtragen. Vielleicht denkst du das ja auch?

Ich kenne das gut aus meinem eigenen Leben. Vor einigen Jahren merkte ich, dass ich nicht mehr so zufrieden war mit meinem Leben in Düsseldorf. Fast 30 Jahre habe ich dort gelebt, aber mir ging die große Stadt mit den vielen Menschen zunehmend auf die Nerven. Es ist oft schwül im Sommer, die Luftqualität so lala, und ich hatte insgesamt irgendwie das Gefühl, auf der Stelle zu treten.

Ich brütete also vor mich hin, erwog dieses und jenes Szenario, wusste auch nicht so recht, was ich eigentlich konkret ändern sollte. Aber Klarheit fand ich auf diese Weise nicht.

Erst in dem Moment, als ich schließlich beschloss, meine Wohnung zu kündigen und nach Lübeck zu ziehen (und vorher noch 7 Wochen nach Neuseeland zu fliegen), fühlte ich mich innerlich ganz ruhig. Da war sie, die ersehnte Klarheit. Endlich fühlte ich diese innere Gewissheit: Genauso ist es richtig.

Das große Rauschen verhindert Klarheit

Für Multitalente ist es übrigens besonders schwer, aus der Vielzahl an Infos, Optionen und Meinungen die Punkte herauszufiltern, die uns eine Entscheidung ermöglichen. Stattdessen fühlen wir ein immer lauteres Rauschen und werden innerlich nur noch verwirrter statt klarer. 

Wir erleben die Warteschleife schon fast als Dauerzustand, sind total unglücklich mit der Situation, geißeln uns wegen unserer „Entscheidungsschwäche“ – und finden trotzdem immer wieder Gründe, warum wir uns jetzt gerade nicht entscheiden können.

Klarheit ist das Ergebnis, nicht der Startpunkt

Jetzt gibt es allerdings zwei ganz unterschiedliche Situationen, und die dürfen wir nicht verwechseln:

  • Mal weißt du wirklich nicht, was richtig ist. Dann hilft dir alles Grübeln nichts, weil die Klarheit erst dann kommt, wenn du dich festlegst.
  • Und mal weißt du tief drin längst, was jetzt dran ist. Dann fehlt dir gar nicht die Klarheit, sondern der Mut, sie dir einzugestehen.

Häufig gilt also: Klarheit stellt sich in dem Moment ein, wo du eine Entscheidung triffst – nicht vorher! Das trifft besonders auf wichtige Entscheidungen zu. Natürlich kannst du 1.001 Pro- und Contra-Argumente gegeneinander abwägen, Bücher lesen, mit Freund*innen diskutieren.

Meistens führt das aber nur dazu, dass du dich durch die vielen Meinungen, Ideen und Impulse noch mehr durcheinander fühlst – das Gegenteil von Klarheit.

Das Spannende ist wirklich, dass du dieses Gefühl erst dann erlebst, wenn du dich entscheidest: Dann spürst du Klarheit, nicht vorher. Klingt unwahrscheinlich? Probier’s doch einfach mal aus 🙂.

Denn was wirklich passiert, wenn du dich festlegst, ist Folgendes: Der Nebel in deinem Kopf lichtet sich, deine Energie kommt ins Fließen, und du merkst durch dein Tun, ob deine Entscheidung wirklich stimmig ist.

Warten ist oft Angst in Verkleidung

Das ist der zweite Fall: Wenn du im Moment keine Entscheidung treffen kannst, ist der Satz „Ich brauche noch mehr Klarheit“ vielleicht nur eine Ausrede. In Wahrheit fehlt es dir vielleicht an Mut, und es wäre ehrlicher zu sagen: „Ich trau mich das gerade (noch) nicht.“ 

Das ist völlig in Ordnung. Manche Dinge brauchen ihre Zeit. Vielleicht spürst du die Klarheit bereits, aber es fehlt noch das letzte Quäntchen Mut.

Und wenn es die falsche Entscheidung war?

Ich glaube ja fest daran, dass es sowas wie eine falsche Entscheidung gar nicht gibt. Die wenigsten Entscheidungen sind unumkehrbar. Manche Entscheidungen haben allerdings wirklich Gewicht und verdienen mehr Zeit zum Reinspüren. Die Entscheidung für ein Kind lässt sich beispielsweise schlecht rückgängig machen …

In der Regel merkst du jedoch sehr schnell, ob du dich mit deiner Entscheidung wohlfühlst und innere Klarheit spürst. Die eine richtige Entscheidung gibt es selten, sondern du machst sie erst dazu, wenn du sie mit Leben füllst.

Ich habe mich vor vielen Jahren mal für ein Studium der Politikwissenschaft entschieden. Das war definitiv eine Entscheidung, die mir zunächst nicht gutgetan hat. Mit 19 oder 20 Jahren war ich aber leider noch nicht so schlau wie heute 😉. Im Grunde habe ich sehr schnell gewusst, dass dieses Fach einfach nicht meins war.

Das ist ein schönes Beispiel für den zweiten Fall: Die Klarheit war die ganze Zeit da, aber ich habe sie nicht wahrhaben wollen. Glaubenssatz: „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Blöd, ich weiß. Durchziehen um jeden Preis ist auch nicht immer die Lösung.

Trotzdem war es keine „falsche“ Entscheidung. Ich habe in diesen Jahren unfassbar viel gelernt, was mich bis heute auch beruflich trägt. Ich habe mich selbst besser kennengelernt und zunehmend reflektiert, was ich eigentlich will und brauche. Diese Zeit war nicht einfach für mich, aber ich möchte sie keinesfalls missen.

Wenn es mehrere Optionen gibt

Natürlich kann es nicht darum gehen, dass du deine Entscheidungen völlig willkürlich triffst – obwohl es ein interessantes Experiment sein kann, das mal einen Tag lang zu tun ☺️.

Ein kleiner erster Schritt kann es sein, deinen Körper als Kompass zu nutzen. Denn meist sendet unsere Intuition ziemlich klare körperliche Signale, wenn wir lernen darauf zu hören. Intuitives Schreiben kann da ein wunderbarer Weg sein, um sich selbst auf die Spur zu kommen. 

Nicht missverstehen: Dieses Reinspüren soll nur als kleiner Schubs hin zu deiner Entscheidung dienen. Denn es geht eben dabei nicht darum, in die nächste Runde Endlos-Analyse einzusteigen.

In meinem Gratis-LIVE-Webinar So triffst du Lebensentscheidungen mit einem guten Gefühl! stelle ich dir eine schöne Übung vor, die dir genau dann helfen kann, wenn es verschiedene, scheinbar gleichwertige Alternativen gibt. 

Den nächsten Termin erfährst du beim Klick auf den Link. Ich freu mich auf dich!

Verrätst du mir, bei welcher Entscheidung du dir gerade Klarheit wünschst?

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