„Ich bin doch nix Besonderes!“

Kennst du diesen Satz von dir? Damit befindest du dich in Gesellschaft – allerdings nicht unbedingt in der besten, finde ich.

In einer Xing-Gruppe habe ich mich heute folgendermaßen dazu geäußert:

Dieses „Ich bin doch nix Besonderes“ bekomme ich in der ein oder anderen Form in meinen Coachings relativ oft zu hören. Ich gebe dann gerne zurück „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr!“ 😉

Frauen scheinen in meiner Wahrnehmung noch immer eher eine Tendenz zum Understatement zu haben. Bei Männern beobachte ich vielfach: Die lesen ein Fachbuch, und danach behaupten sie dann von sich, sie seien „Experte“ …

Ich glaube, es sollte für uns schon darum gehen, auch und gerade die Dinge, die uns leicht fallen, auch zu wertschätzen. Wir können die nämlich meist deshalb so gut, weil wir zum einen vielleicht ein Talent dafür haben, zum anderen aber auch, weil wir sie lange geübt und trainiert und uns immer weiter verbessert haben. Und weil es uns Freude macht, diese Dinge zu tun, wir identifizieren uns damit. Das ist auch gut so!

Ich habe allerdings das Gefühl, das viele Leute eine Leistung bei sich erst dann anerkennen, wenn sie mit viel Anstrengung und Mühe verknüpft ist, und das ist echt schade. Wenn ich daran denke, wie lange ich gebraucht habe um zu erkennen, dass ich tatsächlich sehr viel besser und schneller gute Texte fabrizieren kann als wahrscheinlich 90% der bundesdeutschen Bevölkerung … Und dass ich dafür dann auch gutes Geld verlangen „darf“. Gerade weil es mir leicht fällt, und nicht obwohl.

Sich selbstbewusst zu „verkaufen“ (was nur ein Synonym dafür ist, sein Angebot an die „Richtigen“, also seine Wunschkunden, zu kommunizieren), heißt ja nicht, dass man sich permanent an die Brust klopfen und arrogant durch die Gegend stolzieren muss. In meinem Verständnis bedeutet das zunächst mal: Ich kenne meinen Wert. Ich habe dafür gearbeitet und gelernt, damit ich das so gut kann und damit es mir so leicht fällt.

„Ich bin nix Besonderes“ würde ich nie von mir sagen. Stattdessen eher so etwas wie „Ich bin genauso einzigartig wie du … und du … und du auch.“ Jede von uns kann etwas ganz besonders gut und bietet es auf ihre ganz besondere Weise an. Wir sollten das mit hoch erhobenem Haupt tun, stolz und glücklich, dass wir das tun, was uns am meisten entspricht – denn sonst würde es uns nicht so leicht fallen.

Damit wir uns nicht missverstehen: Natürlich gibt es auch viele selbstbewusste Frauen – und auch einige Männer, die so ein „Bescheidenheits-Thema“ mit sich herumtragen und sich ebenfalls nicht trauen, in ihre Größe zu gehen. Aber es gibt meiner Wahrnehmung nach noch immer mehr Frauen als Männer, die einen zu geringen Selbstwert haben.

Wie siehst du das? Auch noch zu „bescheiden“?

Ich glaube ja, dass dahinter in den meisten Fällen eine unbewusste Angst steckt: Wer sich nämlich in seiner ganzen Größe zeigt, der macht sich damit sicht- und somit auch angreifbar. In unseren Köpfen passieren dann ganz komische Sachen, und wir stellen uns die schrecklichsten Dinge vor, die uns  geschehen könnten.

Das hat seine Wurzel sehr häufig in Dingen, die wir in der Kindheit vermittelt bekommen haben. Ich sage nur „Eigenlob stinkt!“ oder auch der beliebte Spruch, den ich selbst noch in meinem Poesiealbum gefunden habe:

Sei wie das Veilchen im Moose
Sittsam, bescheiden und rein
Und nicht wie die stolze Rose
Die immer bewundert will sein.

Krass, oder? Wer solche Sprüche in der Kindheit verinnerlicht hat, muss sich ja auch nicht wundern, wenn er oder sie heute Probleme mit seinem Selbstwert hat und gesundes Selbstbewusstsein bereits für Arroganz hält.

Im Positionierungscoaching kommen solche alten Überzeugungen sehr oft hoch, und das ist von mir auch so gewollt. Denn nur wenn wir die aus dem Weg räumen, ist Platz für neue Glaubenssätze, etwa „Ich bin jeden Cent wert!“ 🙂 Den eigenen Selbstwert erkennen und stützen, ist integraler Bestandteil einer erfolgreichen Positionierung – und das wird viel zu oft gar nicht berücksichtigt.

In meinem Buch habe ich zu diesem Thema den Fanclub-Baukasten entwickelt: Kurz gesagt stellst du dir einen großen Kinosaal vor. Und statt der üblichen Kleinmacher und Nörgler setzt du da lauter Leute rein, die dich mögen und dich unterstützen. Das können Freunde und Förderer aus dem echten Leben sein, aber auch Prominente oder sogar Fantasiefiguren. Einfach lauter Persönlichkeiten, die bedingungslos hinter dir stehen. In Situationen, in denen du dich klein fühlst, stell dir vor, wie dein Fanclub dich anfeuert und spüre, wie diese Unterstützung dich bestärkt.

5 Kommentare

  1. Christa Sima

    Danke für diese aufmunternten Worte! Jetzt bin ich 61 und denke ab und an noch immer ich bin nichts besonderes – dabei gibt es mich nur einmal – und das alleine ist ja was uns hervorhebt.

    Dieses Gedicht das du da aufgeschrieben hast, steht stand sehr oft in meinem Stammbuch – es wurde also ins Stammbuch geschrieben.
    LG

  2. Simone

    Na wenn das mal immer so einfach wäre, zu erkennen und anzunehmen, dass man vielleicht doch tatsächlich etwas können könnte …

  3. Heide

    Hallo Simone, wer hat gesagt, dass das einfach wäre? … 😉

    Im Gegenteil, ohne professionelle Unterstützung kommt man da oft nicht weiter. Ich habe mir selbst immer wieder Hilfe geholt, wenn ich an einen Punkt gekommen war, an dem ich merkte, dass ich das alleine nicht mehr stemmen konnte.

  4. Simone

    Ja, liebe Heide,

    das habe ich auch gerade gemerkt und bin dabei! 😉

  5. Heide

    Umso besser. Viel Erfolg!

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