Das Geheimnis erfolgreicher Seminare

Letzte Woche habe ich dir mit den Leitfragen für die Konzeption eines Seminars einige Ideen an die Hand gegeben, wie du dabei vorgehen kannst.

Wenn du die Fragen dort beantwortet hast, gehst es jetzt an die inhaltliche Ausgestaltung und die Dramaturgie des Seminars. Das hängt natürlich entscheidend von den zuvor definierten Zielen und Rahmenbedingungen ab.

Ganz wichtig: Du solltest von vornherein ausreichend Zeit einplanen für Organisatorisches und Pausen. Auch wenn ein Seminartag offiziell 8 Stunden dauert, bleiben meist maximal 6 Stunden Zeit für die Vermittlung deines Stoffs. Und denke daran, auch immer Pufferzeit vorzusehen für ungeplante, aber notwendige Fragen und Diskussionen.

Was du für eine sinnvolle Dramaturgie berücksichtigen musst

balance-244492_1280Als Teilnehmer hast du wahrscheinlich bisher auch bereits einige Seminare besucht. Welche haben dir wohl besonders viel gebracht? Ich vermute, das waren diejenigen, bei denen du dich nicht gelangweilt hast, wo du viel Spaß hattest und deshalb auch viel lernen und behalten konntest.

Eine sinnvolle Dramaturgie berücksichtigt daher zum einen die verschiedenen Lerntypen, zum anderen die Rolle der Emotionen, und sie folgt einem bewährten Ablauf.

1. Lerntypen

Hast du dich schon mal gefragt, warum du in der Schule bei Lehrerin Meyer immer begeistert mitgemacht und viel gelernt hast – und warum du während des Studiums in Professor Schneiders Vorlesungen große Schwierigkeiten hattest, dir die Inhalte zu merken?

Das könnte damit zusammenhängen, dass dir eine bestimmte Art des Lernens leichter fällt als die andere: etwa motorisches Lernen durch Mitmachen und Bewegung. Aber visuelles Lernen gehört vielleicht nicht unbedingt zu deinen Stärken.

In der Lernforschung unterscheidet man zwischen vier verschiedenen Lerntypen:

  • Der visuelle Typ lernt am besten durch das, was er sieht: Er liest meist gern und viel und findet Vorträge dann interessant, wenn sie durch eine gute Präsentation unterstützt werden. Handlungsabläufe beobachtet er aufmerksam und kann sie interpretieren. Grafiken und Bilder sind hilfreich, weil er sich so den Lernstoff vergegenwärtigen und behalten kann. Visuelle Lerntypen schreiben oft viel mit, weil sie das dabei unterstützt, sich Neues zu merken.

Als Trainer erleichterst du diesem Lerntyp das Lernen, indem du zum Beispiel ein Flipchart einsetzt und erklärende Grafiken zeichnest oder Stichworte aufschreibst – je bunter, desto besser. Auch für Mindmaps oder Lernposter ist der visuelle Lerntyp empfänglich. Und er ist derjenige, der deine Seminarunterlagen wahrscheinlich auch im Nachhinein noch mal ansieht.

  • Der auditive Typ hört zu, und zwar sehr genau. Er hat ein Ohr für die Zwischentöne und achtet auf Unstimmigkeiten. Meist kann er gut strukturierte Inhalte nach dem ersten Hören wiedergeben. Musik hilft ihm dabei, Inhalte zu memorieren – aber nicht als Nebengeräusch. Das empfindet er sogar schnell als störend.

Für den auditiven Lerner sind mündliche Vorträge wichtig, und es hilft ihm, wenn du deutlich und moduliert sprichst. Auch Aufzählungen nach dem Motto erstens, zweitens, drittens usw. unterstützen ihn dabei, sich an die Inhalte zu erinnern.

  • Der motorische Lerntyp ist ein klassischer Bewegungslerner. Immerzu wippt er herum oder spielt mit etwas, am liebsten möchte er alles anfassen und selbst ausprobieren. „Learning by doing“ ist garantiert von einem Motoriker erfunden worden, denn so kann er sich Abläufe einfach am besten einprägen. Auch Gruppenaktivitäten und generell Bewegung im Raum erleichtern ihm die Informationsaufnahme. Für den motorischen Lerntyp ist nichts schlimmer, als den ganzen Tag eingesperrt irgendwo zu sitzen und Präsentationen zu folgen ohne die Möglichkeit, selbst tätig zu werden.

Deshalb solltest du auch für diesen Lerntyp die ein oder andere Übung im Trainergepäck haben, weil er nämlich sonst gern mal aus lauter Langeweile zum Störer mutiert. Auch Requisiten, die du herumgehen lässt und die jeder anfassen kann, helfen ihm.

  • Schließlich gibt es noch den kommunikativen Lerntyp. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um Menschen, die den Austausch mit anderen brauchen, um das Gelernte zu verankern. Sie diskutieren gern, stellen Fragen und brauchen Aufmerksamkeit. Am besten lernen sie, indem sie anderen Menschen selbst etwas erklären.

Deshalb gibst du den Kommunikativen öfter mal die Gelegenheit, sich mit den anderen Teilnehmer/innen und dir auszutauschen. Baue Fragerunden ein und lass Raum für Diskussionen in der Gruppe. Oder bilde Kleingruppen, um bestimmte Aspekte des Lernstoffs im Austausch zu vertiefen. Damit tust du dem kommunikativen Lerntyp einen großen Gefallen.

2. Emotionen

Neben dem Wissen um die Lerntypen ist noch ein weiteres Element extrem wichtig für den Lernerfolg deiner Teilnehmer/innen: Wenn es dir gelingt, den Lernstoff mit Gefühlen zu verknüpfen, werden sich deine Teilnehmer/innen länger daran erinnern und das Gelernte auch besser umsetzen können. Humor und eine gewisse Portion Selbstironie sind dabei eine wundervolle Ressource. Du bist nicht besonders schlagfertig? Macht nichts. Dann bereite einfach ein oder zwei nette Geschichten vor, vielleicht zeigst du auch einen Cartoon oder ein witziges Video, das du an der richtigen Stelle platzieren kannst.

Emotion muss auch nicht immer Schenkelklopfer-Humor bedeuten. In manchen Kontexten passt es auch, bei den Teilnehmer/innen Mitgefühl, Erstaunen, Nachdenklichkeit, sogar Abscheu oder Zorn zu erregen. Ja, selbst „negative“ Emotionen helfen zuweilen beim Lernen – denke nur an die Hand auf der heißen Herdplatte …

Auf der sicheren Seite bist du immer dann, wenn du Überraschung erzeugst, also einen Effekt nutzt, mit dem die Teilnehmer/innen nicht gerechnet haben. Du kannst zum Beispiel mit optischen Täuschungen arbeiten, ein ungewöhnliches Requisit auspacken, einen Überraschungsgast mitbringen oder eine alberne Übung anleiten – Hauptsache, du verfolgst damit auch einen didaktischen Zweck und verknüpfst das Ganze mit einem Aspekt des Lernstoffs. Dann erinnern sich deine Teilnehmer/innen nämlich gerne an das Gelernte zurück, weil sie dabei Spaß hatten und gelacht haben.

3. Dramaturgie

Methodische Abwechslung ist nötig, damit bei deinen Teilnehmer/innen keine Langeweile aufkommt. Aber wie baut man ein Training so auf, dass eine sinnvolle Dramaturgie entsteht? Im Grunde folgt ein Training ähnlichen Gesetzen wie ein klassisches Theaterstück:

Einleitung

Darunter fällt die Vorstellungsrunde, und falls die Teilnehmer/innen dich noch nicht kennen, natürlich auch ein paar Worte zu deiner Person. Außerdem erläuterst du das Ziel des Trainings, fragst die Erwartungen der Teilnehmer/innen ab und klärst das Organisatorische sowie eventuell offene Fragen.

Du kannst gleich zu Beginn einen kleinen psychologischen Trick nutzen, um deine Teilnehmer/innen positiv einzustimmen, das so genannte „Yes-Set“. Studien haben nämlich gezeigt, dass es uns schwer fällt, nein zu sagen, wenn wir zuvor drei Aussagen bereits innerlich bejaht haben.

Du könntest also etwa so beginnen:

„Wir sind heute zu zwölft, was ja eine schöne runde Zahl ist (YES!), noch dazu scheint die Sonne, was die Laune bekanntlich hebt (YES!) und alle sind mit Getränken versorgt (YES!). Wir haben also beste Voraussetzungen, um heute einen interessanten Tag zum Thema XY miteinander zu verbringen!“

Nach den drei vorhergehenden unkritischen Aussagen werden deine Teilnehmer/innen eher geneigt sein, auch dem letzten Satz innerlich beizupflichten – selbst wenn sie den ein oder anderen Vorbehalt haben sollten.

Ausarbeitung des Themas

Nun steigst du richtig ein, vielleicht mit einem Kurzvortrag, einem Überblick und einigen Beispielen. Damit weckst du das Interesse bei deinen Teilnehmer/innen. Um ein bisschen Leben in das Ganze zu bringen, bringst du nach der Einführung eine provokante These und lässt diese diskutieren. Oder du teilst die Teilnehmer/innen in Gruppen ein und lässt sie selbst etwas erarbeiten.

Klimax

Vor der Mittagspause ist es auf jeden Fall sinnvoll, ein Highlight zu setzen, das die Teilnehmer/innen mitnehmen und untereinander diskutieren können. Oder du lässt bewusst eine Frage offen, deren Antwort die Teilnehmer/innen bestimmt gerne wüssten. Im Film nennt man das auch „Cliffhanger“: Der Hauptdarsteller hängt nur noch mit den Fingerspitzen über dem tiefen Abgrund – und dann folgt die Werbepause.
So stellst du sicher, dass deine Teilnehmer/innen auch Lust haben, nach der Pause weiter zu arbeiten. Denn sie wollen schließlich wissen, was die Auflösung ist: fällt er – oder nicht?

„Durchhänger“

Erfahrungsgemäß ist es nach der Mittagspause immer nötig, die Teilnehmer/innen aus dem „Suppenkoma“ zu holen. Dazu empfehle ich, eine Aktivierungsübung durchzuführen – verbunden mit dem Versprechen, danach die Frage von vor der Pause aufzulösen.

In dieser Phase ist es besonders wichtig, den Energielevel in der Gruppe wieder nach oben zu bringen. Entscheide dich daher möglichst für eine Gruppenübung mit Bewegung und gegen einen Vortrag. Jetzt sollten deine Teilnehmer/innen schon erste Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit erkennen können. Weise darauf hin und wiederhole ruhig noch einmal einige Themen des Vormittags, um das neue Wissen zu festigen.

Dann biegst du langsam auf die Zielgerade ein:

Schlussphase

Fasse das Gelernte noch einmal zusammen oder frage deine Teilnehmer/innen, was sie gelernt haben. Das lässt sich auch gut mit einer Feedbackrunde verbinden.

Stelle dazu folgende Fragen:

  • Was habt ihr heute gelernt?
  • Was hat euch besonders gut gefallen?
  • Was habt ihr vermisst?
  • Was braucht ihr jetzt noch, damit der Tag für euch erfolgreich endet?

Gib allen Teilnehmer/innen je zwei Minuten Zeit für ihre Antworten. Schreibe die noch offenen Fragen ans Flipchart oder an die Tafel und geh nach Abschluss der Feedbackrunde noch mal darauf ein, indem du sie direkt beantwortest oder zusicherst, entsprechende Unterlagen nachzuliefern. Frage abschließend noch einmal, ob jetzt alles geklärt ist.

Auf diese Weise sorgst du dafür, dass du erfährst, was die Teilnehmer/innen mitnehmen und ob du dein Trainingsziel erreicht hast. Du hast außerdem die Chance, direkt auf mögliche Kritik einzugehen und vielleicht noch ein paar Kohlen noch aus dem Feuer zu holen.

Wenn du diese Überlegungen beherzigst, deckst du die wesentlichen Aspekte für ein erfolgreiches Seminar ab und schaffst außerdem die Grundlagen, um es auch gezielt vermarkten zu können. Denn je genauer du dich mit deinen Wunschteilnehmer/innen beschäftigt hast, umso klarer ist dir dann auch, welches Thema du mit deinem Marketing adressieren solltest.

Viel Erfolg!

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