Checkliste für mehr Wertschätzung als Solo-Unternehmer

Wertschätzung ist für meine Arbeit als Potenzialdetektivin und Positionierungscoach ein ganz zentrales Thema, das mir in verschiedenen Facetten immer wieder begegnet.

Aus meiner Sicht gibt es vier Bereiche, die für das Dasein als Solo-Unternehmer wichtig sind. Sie ergänzen und verstärken sich gegenseitig, und wir sollten ab und zu kritisch hinterfragen, inwieweit wir in all diesen Aspekten Wertschätzung praktizieren. Dafür habe ich im Rahmen der Blogparade von Monika Birkner diese Checkliste mit Denkfragen erstellt:

Wertschätzung dir selbst gegenüber:

  • Wie sprichst du mit dir? Höre dir mal selbst zu, wie du innerlich mit dir sprichst, vor allem dann, wenn du einen Fehler gemacht hast oder dich antreiben willst. Sehr oft sprechen wir in einem Ton mit uns selbst, den wir gegenüber anderen Personen niemals anschlagen würden. Das erste Gebot der Wertschätzung lautet: Sprich liebevoll mit dir. Gönne dir ein Lob ab und zu. Du erlöst dich dadurch auf lange Sicht von der ständigen Suche nach Anerkennung im Außen.
  • Wie sorgst du für dich? Viele Solo-Unternehmer treiben Raubbau mit ihrer Gesundheit. Sie arbeiten zu viel, ernähren sich unregelmäßig und schlecht und bewegen sich zu wenig. Praktiziere Wertschätzung dir selbst gegenüber, indem du dich, deinen Körper und seine Gesundheit ernst nimmst und auf seine Bedürfnisse hörst.

Wertschätzung gegenüber deinen Leistungen

  • Was denkst du über dich? Ich kenne eine ganze Reihe von Solo-Unternehmerinnen, die Großartiges leisten. Aber zuweilen gestehen sie mir, dass sie insgeheim immer befürchten, dass eines Tages jemand merkt, dass sie ja „eigentlich“ gar nichts können. Man nennt diese Angst auch „Hochstapler-Syndrom“, und es fällt den Betroffenen extrem schwer, ihre eigenen Leistungen anzuerkennen. Du setzt dich damit sehr stark unter Druck und würdigst deine Leistung nicht in angemessener Form. Die gute Nachricht ist, dass du das lernen kannst – und es auch lernen solltest. Spätestens dann, wenn du dir auch von außen mehr Wertschätzung wünschst.
  • Verdienst du dein Honorar? Wer nicht wirklich an die Qualität seiner Leistungen glaubt, macht häufig schlechte Umsätze. Und wer der Meinung ist, dass er für Dinge, die ihm leicht fallen und sogar Spaß machen, kein Geld verdienen darf, zeigt gegenüber seinen Leistungen ebenfalls wenig Wertschätzung. Selbstwert und Geldwert hängen meist untrennbar miteinander zusammen. Gestehe dir zu, dass du wirklich gut bist in deinem Job, sei stolz auf das Erreichte, feiere deine Erfolge!

Wertschätzung gegenüber deinen Kunden

  • Wie gut kennst du deine Kunden? Deine Kunden kannst du am besten beraten, wenn du sie und ihre Themen sehr genau erforscht hast und dich stets auf dem Laufenden hältst. Du drückst deine Wertschätzung ihnen gegenüber u.a. aus, indem du ständig daran feilst, mit welchen Angeboten du wirklich ihren Nerv triffst. Also unterhalte dich mit ihnen, frage ihnen Löcher in den Bauch, lese die entsprechenden Fachmedien. Erstelle ansprechende Unterlagen, versorge sie mit interessanten Infos oder biete ihnen gute Unterhaltung. Du wirst sehen, das wirkt sich aus.
  • Wie kann man dich erreichen und wie schnell reagierst du auf Anfragen? Meine Kunden dürfen von mir erwarten, dass ich in einem angemessenen Zeitraum auf ihre Anfragen reagiere und dass ich über mehrere Kanäle zu erreichen bin. Wertschätzung drückt sich auch darin aus, dass du deinen Kunden hier entgegen kommst und nicht allein deinen eigenen Vorlieben folgst.
  • Kannst du auch Nein sagen? Viele Solo-Unternehmer tun sich erstens schwer damit, einen Job abzulehnen und können zweitens ihren Kunden nichts abschlagen. Tatsächlich ist das kein wirklich wertschätzendes Verhalten. Denn wenn ich genau weiß, dass ich für bestimmte Anfragen einfach nicht die beste Dienstleisterin bin, dann empfehle ich meinen Kunden lieber an einen spezialisierten Kollegen weiter, weil der den Job besser erledigen kann. Und wenn ich absehen kann, dass ein Kundenwunsch kontraproduktiv für das definierte Ziel ist, dann rate ich davon ab – auch wenn das im Einzelfall bedeuten mag, weniger Umsatz zu machen. Wertschätzung bedeutet unter Umständen auch, einmal unbequem zu sein und mit den Konsequenzen zu leben.

Wertschätzung gegenüber der Welt

  • Inwieweit trägt das, was du tust, dazu bei, die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Eine Frage, die wir uns hin und wieder auch stellen sollten, weil die Antworten darauf unserem Tun womöglich noch einmal eine ganz andere Tiefe geben können. Indem du dich fragst, welchen Sinn dein unternehmerisches Handeln eigentlich hat, findest du Inspiration und Motivation auch in schwierigen Zeiten und machst dich unabhängiger von äußeren Bewertungen. Paradoxerweise folgt der Erfolg oft der inneren Ausrichtung. Es lohnt sich also auch unter diesem Aspekt, Wertschätzung gegenüber der Welt, in der wir leben, zu praktizieren.

Ich freue mich über Kommentare und Erfahrungen zu meinen Gedanken!

15 Kommentare

  1. Monika Birkner

    Liebe Frau Liebmann,

    herzlichen Dank für diesen Beitrag voller wertvoller Impulse. Ich habe bei jedem Punkt heftig genickt.

    Mit der Wertschätzung gegenüber sich selbst anzufangen, deckt sich ebenfalls mit meinen Erfahrungen. Ich sage gelegentlich zu meinen Klienten „Sie sind die wichtigste Person in Ihrem Business“. Wenn man nicht gut auf sich selbst achtet, hat das vielfältige negative Auswirkungen.

    Die Wertschätzung gegenüber den Leistungen finde ich ebenfalls wichtig. Man muss dazu nicht überschwänglich werden: einfach anerkennen, was ist, statt gute Leistungen unter den Scheffel zu stellen oder das Haar in der Suppe zu suchen.

    Wertschätzung gegenüber den Kunden zeigt sich in der Tat im Großen (der Hauptleistung) wie im Kleinen (Zugangswegen etc.).

    Ganz wichtig finde ich auch Ihren vierten Punkt. Auch als Einzelne können wir beitragen, die Welt zu verändern. Alles, was wir tun, hat einen Welleneffekt.

  2. Zamyat M. Klein

    Liebe Heide,

    das ist wunderbar- und ich gehe gleich alle Punkte beim Lesen durch, ob und wie das zutrifft.

    Zu Punkt 1)
    Da fällt mir ein, dass ich auch selbst schon öfter geschrieben habe, dass es mir sehr hilft zu fragen: Würde ich so mit einer Angestellten umgehen? Das hilft mir sehr, selbst beispielsweise regelmäßige Pausen einzuhalten und die Arbeitszeit zu reduzieren.

    Auch der Tipp einer Freundin hat mir geholfen, die es „Geschäftsvereinbarungen mit sich selbst“ nannte. Mein Hauptjuckelpunkt war ja lange genau der Punkt, mehr auf meine Gesundheit zu achten. Zum Beispiel regelmäßig zu walken als Ausgleich für das lange Sitzen am PC.

    Zu Punkt 2)
    Das Problem haben wohl wirklich viele, dass sie meinen, wenn ihnen die Arbeit Spaß macht, dürfen sie dafür nicht noch Geld nehmen. Ich erinnere mich da auch an Kommentare von Seminarteilnehmern: „So wie du arbeitst möchte ich gerne Urlaub machen.“ Ich habe das als Kompliment genommen.

    Und in der Tat mache ich ja nächste Woche ein Seminar hier in der Türlei an meinem Lieblingsort. Das mir rundum sicher wieder nur Freude machen wird. Die Arbeit immer an der frischen Luft, an so einem sehr speziellen Ort und vor allem mal mit genug Zeit, mit den Teilnehmern wirklich in die Tiefe zu gehen.
    Gott sei Dank habe ich mich von der Vorstellung befreit, dass das keine Arbeit ist, die auch ihren Wert hat.
    Im Gegenteil, für mich ist es ein Zeichen von Erfolg und der eigenen Entwicklung, sein Business so zu gestalten, dass es den eigenen Visonen und Träumen weitmöglichst entspricht. So kann man ja sogar ein gutes Vorbild für andere sein, zeigen, dass viel mehr möglich ist, als man oft meint. Wenn man es überhaupt einmal wagt zu träumen.

    Zu Punkt 3)
    Auch da kann ich dir nur zustimmen! Und so verrückt das vielleicht klingt, auch Absagen sind in der Tat Wertschätzung. Dem Kunden gegenüber, wenn ich den Auftrag nicht mit vollem Herzen annehmen würde und auch wiederum mir gegenüber. Denn genau das habe ich letztes Jahr einige Male ein wenig zittrig praktiziert. Genau zu überlegen: Der Job würde mir zwar gutes Geld bringen, aber mich zeitlich so einspannen, dass diese Zeit mir für meine Herzensprojekte fehlt, die ich dieses Jahr installieren möchte. Das bedarf Mut- und ich finde es schön, durch dich diesen Aspekt noch dazu zu erkennen, dass es auch mit Wertschätzung mir gegenüber zu tun hat.

    Punt 4)
    Ist natürlich großartig, das fällt mir nur am schwersten. Ist das nicht vermessen zu meinen, dass ich „die Welt verändere“? Aber so ist es natürlich nicht gemeint.
    Sicher helfe ich meinen Teilnehmerinnen und Coachees, ihre Arbeit und ihr Leben bewusster und mit mehr Freude zu erledigen, wovon dann wiederum ihre Kunden und Freunde und Familie profitieren. Oder konkret bringe ich neue Kunden hier in das schöne Dorf und ermögliche damit einigen Familien etwas Geld zu verdienen :-). Ist natürlich Minimal, aber…

    Danke für die Impulse!

  3. Heide

    Liebe Zamyat,

    es ist richtig toll, dir quasi beim Denken zuzugucken — danke dir für die schönen Beispiele aus deinem Leben.

  4. Ute Kayser

    insbesondere Frauen neigen zum beschriebenen Hochstaplersyndrom. Männer haben meiner Erfahrung nach selten Probleme damit, sich und Ihr „Können“ in den schillerndsten Farben zu malen.

    Nein sagen fällt tatsächlich schwer, weil gerade Einzelunternehmer oft sehr um ihre Existenz kämpfen müssen. Aber wenn man absehen kann, dass es nur unnötige Zeit und vor allem Nerven kosten würde, sollte man wirklich vom Auftrag Abstand nehmen.

  5. Beate Knappe

    Liebe Heide, gerne teile ich den Link zu dieser Seite, weil du mal wieder mitten ins Schwarze des Problems triffst.
    Ich werde es mir zu Herzen nehmen und danke Dr und bitte, versorge mich weiterhin mit so etwas, danke.

    Beate

  6. Heide

    Hallo Ute,

    tatsächlich beobachte ich diesen fatalen Hang zur Selbstunterschätzung auch überwiegend bei Frauen — ein Grund mehr, dass wir uns gegenseitig unterstützen und stärken.

    Wenn wir uns wirklich ernst nehmen, fällt es auch leichter, nein zu sagen und sich rechtzeitig abzugrenzen. Diese Wahl haben wir immer, auch wenn es sicher manchmal schwierig ist. Aber hey, wir sind Unternehmerinnen! Wenn wir es bequem haben wollten, sollten wir uns einen anderen Job suchen.

  7. Heide

    Hallo Beate,

    schön, dass du mit meinen Impulsen etwas anfangen kannst, das freut mich! Danke fürs Teilen!

    LG
    Heide

  8. Ute

    Liebe Heide, genau das denke ich auch. Statt Zickenkrieg wird Unterstützung immer wichtiger, denn man bekommt nur das zurück, was man gibt. Schmarotzer können langfristig nicht bestehen, auch wenn sie zunächst glauben, anderen voraus zu sein. Du gibst hier wirklich positive Impulse, danke!

  9. Monika Birkner

    Liebe Frau Klein,

    das spricht mir voll aus dem Herzen: „Im Gegenteil, für mich ist es ein Zeichen von Erfolg und der eigenen Entwicklung, sein Business so zu gestalten, dass es den eigenen Visonen und Träumen weitmöglichst entspricht. So kann man ja sogar ein gutes Vorbild für andere sein, zeigen, dass viel mehr möglich ist, als man oft meint.“

  10. Christine Meisner

    Liebe Heide,

    herzlichen Dank für diesen Beitrag. Du sprichst mir hier aus vollem Herzen und ich kann zu jedem deiner Punkte JA sagen. Denn das zeigt sich auch in meiner eigenen Erfahrung. Zum einen mit mir selbst und meinem Umgang mit mir, meinen Kunden… Und genauso zeigt sich das Thema Wertschätzung in der Arbeit mit meinen Kunden, denn daran hapert es ganz häufig – und genauso oft gibt es hier schöne Aha-Erlebnisse.

    Ich werde den Beitrag gleich teilen.

    Liebe Grüße
    Christine

  11. Heide

    Danke dir, Christine, freut mich sehr!

  12. Bianca

    Liebe Heide,

    herzlichen Dank für den anregenden Artikel! Ich sehe auch Bedarf dabei, Wertschätzung mehr wertzuschätzen – uns selbst und unserer Umwelt gegenüber. Wann sagen wir unserem Partner, der den Abwasch gemacht hat, denn, dass wir das toll finden? Wann haben wir unsere Kinder zuletzt gelobt, obwohl sie einen als durchschnittlich empfundenen Zweier nach Hause gebracht haben? Wann haben wir unseren Kollegen zuletzt auf die Schulter geklopft? Wann unseren Kunden und Dienstleistern?

    Es tut gut, sich hin und wieder daran zu erinnern, wertzuschätzen – echt wertzuschätzen, ohne etwas dafür zurückzuverlangen, denn diese Authentizität muss schon sein.

    Wertschätzende Grüße,
    Bianca

  13. Heide

    Hallo Bianca,

    danke für deinen Kommentar. Natürlich ist Wertschätzung in allen Lebensbereichen wichtig, und ich glaube auch, dass es uns insgesamt gut ansteht, einander mehr Wertschätzung zukommen zu lassen. In diesem Artikel habe ich mich auf den Aspekt der Wertschätzung von Solo-Unternehmern konzentriert, weil das die „Aufgabenstellung“ für die Blogparade von Monika Birkner war.

  14. Klaus

    Wie sorgst du für dich? bei dieser Frage musste ich doch mal ganz schnell an meinen Kaffeekonsum denken !

    Andere Menschen trinken Kaffee und ich habe mir eine Industriekaffeemaschine hin gestellt die 1,8 l Kaffee produziert am frühen Morgen.

    Kann das gesund sein – nicht wirklich. Daher habe ich vor 1 Monat begonnen wieder normalen Kaffee im Espressokocher zu machen. Dauert länger, aber diese Minuten nutzen ich dann noch für eine kleine Pause.

    Kleine Schritte für die Menschheit, aber ein Großer für Mich.

    Klaus

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