Akquise-Alphabet: A wie Ausprobieren

Ausprobieren: Die Macht von Trial & Error

Als typische Kreative bin ich ja ständig auf der Suche nach neuem Input und brüte täglich mindestens ein Dutzend neuer Ideen aus. Das ist eine hilfreiche Ressource, einerseits. Manchmal sorgt sie aber auch für heillose Ver(w)irrung, weil ich vor lauter spannenden neuen Projekten komplett den Überblick verliere. Dass so ein Verhalten für ein Unternehmen nicht immer strategisch angesagt ist, liegt auf der Hand. Und tatsächlich gab es während meiner Selbstständigkeit schon Phasen, wo ich hart durchgreifen und energische Schnitte vornehmen musste, um wieder zurück auf den Pfad der unternehmerischen Tugend zu finden: stringent, konsequent, fokussiert, jawoll!

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Bildquelle: Rainer Sturm/pixelio

Allerdings lautet mein Lebensmotto nicht umsonst Umwege erweitern die Ortskenntnis. Von meinen Ausflügen in benachbarte Wissensgebiete, unerforschte Regionen des World Wide Web oder die wilden Reservate moderner Kommunikation habe ich immer wieder Souvenirs mitgebracht, die mein Angebot bereichert oder besser: angereichert haben.

Manchmal landete ich zwar im falschen Netzwerk zur falschen Zeit oder engagierte mich für eine Idee, die mit diesem Partner unmöglich funktionieren konnte. Ich habe auch mit Angeboten schon völlig daneben gegriffen und in einem Anfall von Selbstüberschätzung Mondpreise angesetzt, die dann natürlich auch nicht akzeptiert wurden. Mein Blog wurde letzten Sommer gehackt, weil ich das Thema Updates total vernachlässigt hatte, und ich musste lernen, dass eine offizielle Auftragsbestätigung tatsächlich ihre guten Seiten hat.

Ich habe einige Projekte bis kurz vor den Abschluss getrieben und dann festgestellt, dass jemand anders schneller war oder mir doch noch eine entscheidende Zutat fehlte, die ich nicht stemmen konnte. Dafür habe ich zuweilen wochenlang Ressourcen gebunden und unglaublich viel Energie hineingesteckt.

Alles umsonst?

Nein, ganz im Gegenteil!

  • Ich habe bei jedem meiner Umwege und ausnahmslos jedem gescheiterten Projekt dazugelernt. Manche Fehler muss man wirklich nicht wiederholen, und es ist gut zu erfahren, dass einen so schnell nichts umhaut.
  • Ich bastele und frickele und probiere weiter aus, jeden Tag. Ich bin nun mal ein Mensch, den Routinen sehr schnell langweilen, und ich brauche Abwechslung und neue Ideen, sonst gehe ich ein wie eine Primel ohne Wasser.

Aber vor allem bin ich davon überzeugt, dass ich ohne das Ausprobieren noch längst nicht da wäre, wo ich heute stehe – wenn ich überhaupt noch am Markt wäre.

Ausprobieren birgt die Gefahr des Scheiterns, und deshalb lassen viele es lieber bleiben, scheinbar allzu wagemutige Experimente zu veranstalten. Risikominimierung ist ja schön und gut, wenn man z. B. mit hochexplosiven Chemikalien zu tun hat. Aber im unternehmerischen Alltag kommt man nicht vom Fleck, wenn man immer nur auf Sicherheit und Altbewährtes baut.

Meine Erfahrung mit Ausprobieren ist: Die meisten Umwege machen Spaß, ich lerne neue und interessante Menschen und Methoden kennen, und ich lerne täglich dazu, wie ich Dinge besser – oder eben besser nicht angehen sollte.

Ausprobieren hat für mich auch die Komponente: Wenn das jetzt nicht klappt, probiere ich eben etwas anderes! Das nimmt vielen Aufgaben die Schwere und verleiht ihnen etwas Spielerisches. Zum Glück kann ich mich ja darauf verlassen, dass mir garantiert wieder etwas einfällt oder dass ich von anderer Seite inspiriert werde, ob bei der Akquise oder einem anderen Aspekt meiner Tätigkeit.

Ich finde das ungeheuer erleichternd und entlastend, und seit ich mir diese Zusammenhänge klargemacht habe, bin ich insgesamt produktiver und erfolgreicher in der Umsetzung.

Und wie hältst du es mit Trial & Error?

2 Kommentare

  1. Mario Carla

    Hallo Heide,

    ich bin mehr der Freund von gelenktem Trial & Error! Was das ist nun ganz einfach: Ausprobieren ja, aber mit Hilfe, die ich jederzeit einholen kann. Warum dieses Konzept?! Als Trainer und Berater im IT-Umfeld habe ich festgestellt und gelernt, dass viele Kollegen und Kolleginnen nach dem Trial & Error Prinzip arbeiten, aber viel zu viel Zeit vertan haben. Hätten Sie gelenkt gearbeitet, hätten sie genau so viel gelernt, wie ohne, aber in viel kürzerer Zeit.

    Deshalb habe ich es mir auch zum Prinzip gemacht, wenn ich ein Problem lösen muss, dass ich erst mal 10 bis 20 Minuten google, um zu sehen, ob dies schon jemand anderes für mich gelöst hat.

    Liebe Grüße Mario

  2. Zamyat M. Klein

    Hallo Heide,

    da würde dir das Buch von Jens-Uwe Meyer: Das Edison-Prinzip sicher auch gut gefallen.
    Edison war ja auch so ein Typ, der immer etliche Projekte gleichzeitig laufen hatte, probierte, testete, 1000 Fehlentwürfe – und trotzdem nicht aufgab- und ja unendlich viele Dinge erfunden hat-nicht nur die Gühbirne.

    Ich bin ja – wie in allem- so ein totaler Mischtyp. Was du beschreibst kenne ich sehr gut, ich platze ja auch fast vor der Menge an Ideen, schon alles mögliche ausprobiert (Ideenbuch;Scanner-Buch, David allen GTD etc.) um sie irgendwie zu handeln.
    Gleichzeitig habe ich aber einen ganz strukturierten Teil, der irre wird, wenn es zu chaotisch wird.
    So pendele ich immer zwischen Kreativ- Rausch und ordentlicher Optimierung- wobei das „Listen- Planen“ mir genauso viel Spaß macht wie das bunte Mind Mappen. Gott sei Dank.

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