Wir haben alle unser Päckchen zu tragen …

Päckchen tragenKennt ihr den Spruch? Den bekommt man manchmal zu hören, wenn man jammert über etwas, was einem gerade widerfahren ist. Oder man trägt ihn selbst auf den Lippen, um das eigene Jammern vielleicht ein bisschen zu relativieren.

Wenn ich mich so umschaue im näheren und erst recht im erweiterten Bekanntenkreis, dann sehe ich eine Menge Päckchen, die momentan getragen werden müssen, und einige davon sind wirklich schwer: Krebs- und andere schwere oder chronische Erkrankungen, auch bei nahen Angehörigen, am schlimmsten bei Kindern.

Höre ich solche Geschichten, werde ich oft zunächst ganz still, sprachlos. Je nach Situation versuche ich vielleicht, über eine Berührung zu trösten, mein Mitgefühl auszudrücken. Ich weiß, dass das manchmal wirklich das einzige ist, was man tun kann. Einfach da sein, zuhören, vielleicht sogar mitweinen. Den Schmerz, die Trauer, die Wut mitfühlen. Das sind ja alles Emotionen, die ich auch kenne und selbst schon durchlebt habe: zum Beispiel, als in jungen Jahren eine schwere chronische Erkrankung bei mir diagnostiziert wurde. Oder als meine Mutter vor 8 Jahren viel zu früh starb.

In dem Augenblick sind das dann die vorherrschenden Gefühle, und das ist auch gut so und muss wohl so sein.

Ich habe allerdings im Rückblick schon oft gedacht, dass „meine Päckchen“ auch was Gutes hatten, auch wenn ich das in dem Moment natürlich nicht sehen konnte und jedem ins Gesicht gesprungen wäre, der etwas Derartiges auch nur angedeutet hätte. Wie in der Geschichte von dem Beduinen, der aus lauter Gehässigkeit und Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben einer jungen Palme einen schweren Stein auf die Krone legte. Aber als er nach Jahren wieder an diesen Ort kam, musste er feststellen, dass die Palme die Last angenommen hatte und trotzdem gewachsen war. Sie hatte tiefere Wurzeln entwickelt und eine höhere Widerstandskraft – und nun wiegte sich eine hohe, kräftige Palme im Wind, die so schnell nichts mehr umwerfen konnte.

Nach dem Schock und der wütenden Frage nach dem „warum gerade ich?“ kommt oft eine Phase der Akzeptanz. Dann beginnen wir, nach Handlungsalternativen zu suchen, wir setzen uns mit der neuen Herausforderung auseinander und treffen Entscheidungen.

Ich bin davon überzeugt, dass sich in dieser Phase entscheidet, wie schwer das Päckchen wirklich wird: Wenn wir die Tatsache als solche akzeptieren können, ohne in Stagnation und Depression zu verfallen, gibt uns solch eine Situation die Möglichkeit, an einigen Stellen unseres Lebens nachzujustieren:

  • Will ich wirklich so viel arbeiten?

  • Was kann ich für meine Gesundheit tun, auch in angeschlagenem Zustand?

  • Was mache ich mit dem Rest meines Lebens, egal wie viel Zeit mir noch bleibt?

Ja, wir haben alle unser Päckchen zu tragen. Ob wir uns von der Last dauerhaft niederdrücken lassen oder eine höhere Widerstandskraft entwickeln, ist dann eine Frage des Umgangs mit der belastenden Situation. Und nein, das ist alles andere als einfach. Manchmal schafft man das auch nicht alleine. Ich habe mit 26 Jahren eine dreijährige Psychoanalyse begonnen und bin seitdem immer wieder in Therapie und Coaching gewesen, wenn ich das Gefühl hatte, dass ich mir das Päckchen schwerer als nötig machte.

Meine ganz persönlichen Päckchen haben auch mit dazu beigetragen, dass ich heute andere Menschen wirksam unterstützen kann – vielleicht wirklich in einer anderen Tiefe als Menschen, deren Päckchen bisher eher leicht waren.

Wie seht ihr das? Ich freu mich, wenn ihr was zu euren Päckchen in den Kommentaren schreibt.

1 Kommentar

  1. Daniela

    Gute Gedanken sind das, Heide. Das Gute in solchen Päckchen zu erkennen ist manchmal ziemlich hart. Manchmal erscheint es einem gar zynisch, nicht wahr, doch im Nachhinein stellt man fest, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken. Manchmal hilft es sogar, die Sache – die Krankheit, den Schicksalsschlag – zu lindern.

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