Unternehmer*in sein: Interview mit Angelika Eder

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Mit Angelika Eder bin ich schon seit vielen Jahren via Xing verbandelt, aber persönlich miteinander zu tun haben wir erst seit kurzem. Anfangs hatte ich sie im Auge, weil sie in denselben Gewässern fischte wie ich: Ihre Kunden sind vor allem Trainer, Coachs und Berater. Allerdings ist ihr Schwerpunkt ein völlig anderer, wie ich bald feststellte. In ihren eigenen Worten:

„Ich bin der Trainerlotse, oder besser gesagt: Meine Firma heißt so und ich bin einer von zwei Partnern. Gegründet habe ich den Trainerlotsen Anfang 2009, zwei Jahre später kam mein langjähriger Lebensgefährte mit ins Boot. Seither lotsen wir also glücklich und zufrieden zu zweit, hoffentlich bis an unser Lebensende. Und zwar Trainer, Berater & Coachs zu Aufträgen bzw. Unternehmen zu passenden Anbietern. Kurz: Wir vermarkten und vermitteln Management-Training, Business-Coaching & Beratung. Mein Part ist, mit unseren Kunden maßgeschneiderte Vermarktungskonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Dabei ist meine Lieblingsdisziplin die Kaltakquise.“

Spätestens beim letzten Wort ist klar, warum wir uns definitiv nicht ins Gehege kommen ;-). Ich freu mich sehr, dass Angelika sich an meiner Interview-Reihe beteiligt.

Das Scheitern von gestern ist oft die große Chance von morgen

EderMeyer_5066_1011Wenn du dein Selbstbild als Unternehmer*in beschreibst: Wie sieht das aus, und was gehört alles dazu für dich?

Mich selbstständig zu machen habe ich lang weit von mir gewiesen. Ich und ’selbst&ständig‘? Niemals! Als es dann beruflich aber schnurgerade darauf zulief, habe ich den Sprung ins kalte Wasser eben doch gewagt – und siehe da: Schnell fühlte sich das Unternehmertum gut & richtig an und heute kann ich sagen: Ja, ich bin eine gute Unternehmerin geworden, geschäftstüchtig und erfolgreich.

Tja, was gehört da alles dazu? Für mich auf jeden Fall eine Art Grundoptimismus, dass sich schon irgendwie alles zurecht schüttelt. Tut es ja auch – zumindest bis jetzt immer ;-). Dieses Vertrauen gibt mir den Mut und die Freiheit, meine Ideen um- und meinen Gestaltungswillen einzusetzen. Die Freude daran, wenn sich die Dinge fügen, genieße ich sehr. Und wenn’s mal nicht wie geplant läuft, ist für mich ganz wichtig: Auch mal Fünfe grade sein lassen können. No risk, no fun.

Welche deiner Eigenschaften hältst du für unverzichtbar, bezogen auf deinen unternehmerischen Erfolg?

Mein unternehmerisches Fingerspitzengefühl speist sich aus einer Mischung aus Vorsicht, Umsicht und Menschenkenntnis. Aber drei Stärken erachte ich für mein Business als besonders wichtig:

Erstens: Ich bin schnell. Es ist mir wichtig, Dinge schnell zu erledigen. Schließlich habe ich gelernt, dass Aufschieberitis nicht nur nichts bringt, sondern sogar der Todesstoss für ein Unternehmen sein kann. Noch wichtiger ist mir aber, im Kundenkontakt schnell zu sein: Eine Anfrage liegt im besten Fall nur ein, zwei Stunden, ehe ich sie bearbeite. Natürlich klappt das nicht immer, aber es reicht, das Ziel unverrückbar und dauerhaft zu verfolgen. Besser wird man darin dann ja automatisch.

Die zweite Stärke: Ich bin gut im Reden. Nicht immer im kommunizieren (das ist der schwierigere Part, der mit dem Verstehen und so ;-), aber reden kann ich gut. Ich habe meinen Verbalmuskel gut austrainiert, spreche in lebendigen Bildern und gewinne Menschen, weil ich mich klar und verständlich ausdrücke und sie mir gern zuhören. Das ist für jemanden, der hauptsächlich Akquise macht, schon keine schlechte Voraussetzung. Ich erwähne es aber deshalb hier im Besonderen, weil ich denke, das es für die meisten Unternehmer und Solopreneure ebenfalls eine gute Basis zur Gewinnung von Kunden und Geschäftspartnern ist.

Und die dritte. Durchhaltevermögen!

Wenn du mal zurückblickst: Aus welcher Erfahrung hast du am meisten gelernt für dein unternehmerisches Leben?

Das ist natürlich keine Einzelerfahrung, sondern am Ende hat alles, was ich früher gemacht habe, auf mein heutiges Unternehmertum eingezahlt: In meiner letzten Festanstellung durfte ich aber besonders viel lernen über das sehr ‚bunte‘ Arbeitsfeld Training, Coaching & Beratung. Da ist auch die Geschäftsidee entstanden und als ich mit dem Trainerlotsen loslegte, kannte ich schon viele Trainer (also meine zukünftigen Kunden) und konnte außerdem mit Fug & Recht behaupten, ich bringe schon 8 Jahre Feldkompetenz im Trainingsvertrieb mit. Man kann sich sicher gut ausmalen, dass das für einen geschmeidigen Start sorgte.

Was bedeutet „Scheitern“ für dich?

Oh, das finde ich schwer, denn so denke ich einfach nicht. Will sagen: Das Leben beschert Dir bestimmte Situationen und Rahmenbedingungen, innerhalb derer Du einfach versuchst, das Beste daraus zu machen. Jeden Tag aufs Neue, so gut Du eben kannst. Und oft genug entpuppt sich das vermeintliche Scheitern von gestern als die große Chance für morgen. Zum Beispiel, wenn Du einen Auftrag verlierst und dafür die Zeit gewinnst, einen viel schöneren, lukrativeren anzunehmen. Wer weiß das schon vorher?

Was möchtest du mit deinem Unternehmen der Welt geben?

Das ist leicht! Mein Anliegen heißt: Die Akquise aus der Schmuddelecke holen! Ich möchte der Welt zeigen, dass Vertrieb nichts Anrüchiges ist, sondern – wenn er gut gemacht wird – extrem Spaß macht, und zwar sowohl dem Verkäufer als auch dem Kunden.

Was hätte dir in schwierigen Situationen geholfen, wenn du es schon früher gewusst hättest?

Genau das: Wie einfach und freudvoll gute Akquise sein kann. Ich habe Vertrieb wie die meisten anderen im Learning by doing und ergo mit viel Trial & Error gelernt. Meine Hoffnung und mein Bestreben ist heute, anderen dabei zu helfen, sich weniger blutige Nasen zu holen.

Welche Art von Marketing machst du für dein Unternehmen und deine Angebote?

Recht unterschiedlich, sowohl on- als auch offline und vor allem ‚frei Schnauze‘: Auf der Website blogge ich regelmäßig, bin sehr aktiv bei XING und etwas weniger bei Google+. Facebook, Twitter und LinkedIN lasse ich derzeit links liegen, bin aber aufmerksam, ob es sich empfiehlt, das zu ändern. Offline treibe ich mich viel auf abendlichen Netzwerktreffen rum. Das kann ich gut, weil ich keine Familie zu versorgen habe und vor allem weil ich Spaß daran habe. Ich besuche Messen und achte darauf, bei den Leitevents meiner Branche präsent zu sein, z. B. bei den Petersberger Trainertagen. Wenn ich spezielle Angebote bewerben will, z. B. mein Spezialformat Speed USP, werbe ich auch schonmal mittels Anzeige in unseren Leitmedien Training aktuell, manager seminare oder Wirtschaft+Weiterbildung. Da erreiche ich meine komplette Zielgruppe praktisch ohne Streuverlust und das lasse ich mich dann auch mal was kosten.

Wie würdest du dein Verhältnis zu Geld beschreiben?

Entspannt. Geld ist die logische, unausweichliche Folge konsequent guter Arbeit. Das bewahrheitet sich seit Jahren und darauf baue und vertraue ich. Bis auf meine Altersvorsorge. Da habe ich noch eine Rentenlücke zu stopfen und das treibt mich schon um. Aber auch an, denn schließlich bin ich keine Twenty-something mehr.

Welche Routinen helfen dir bei deinem Workflow, und welche Tools setzt du dafür am liebsten ein?

Oh, da bin ich ganz old-fashioned, schreibe jeden Morgen einfach eine To do-Liste auf ein Blatt Papier. Die strukturiert meinen Tag, fokussiert mich und hilft mir, nichts zu vergessen. Abends höre ich auf zu arbeiten, wenn der letzte Punkt durchgestrichen ist. Dann liebe ich das Ritual, die Liste zu zerknüllen und von Weitem in den Papierkorb zu werfen. An guten Tagen treffe ich ihn sogar 😉

Wie schaltest du ab und entspannst dich am besten?

Mein Schönstes ist es, nach getaner Arbeit abends einen ausgedehnten Spaziergang zu machen: durch mein quirliges Viertel mitten im Herzen Hamburgs zum Park mit den drei schönen alten Rotbuchen und an der Elbe entlang Hafen und Schiffe gucken. Außer montags und freitags, da ist Tanzen mit meinem Partner dran. Und bei Cha-Cha, Salsa, Tango & Co. kann ich sogar noch besser abschalten.

Ganz herzlichen Dank, liebe Angelika! Dass du einen gut trainierten Verbalmuskel hast, spürt man tatsächlich in jedem Satz :-).

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