Unternehmer*in sein: Interview mit Andreas Zeuch

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Über die Zusage von Dr. Andreas Zeuch zu meiner Interviewreihe „Unternehmer*in sein“ habe ich mich total gefreut, denn seine Arbeit finde ich wirklich sehr cool. Ich bin vor ungefähr 5 Jahren auf ihn aufmerksam geworden, als ich zum Thema Intuition als professionelle Kompetenz recherchierte. Sein Buch Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen hat mir dazu sehr wertvolle Anregungen gegeben, und ich empfehle es immer noch gerne weiter. Inzwischen liegt sein Schwerpunkt darauf, dazu beizutragen, die Arbeits(-welt) zu demokratisieren, und seine Aktivitäten dazu verfolge ich ebenfalls mit großem Interesse.

Durch Scheitern die eigene Wahrhaftigkeit finden

Andreas ZeuchWenn du dein Selbstbild als Unternehmer*in beschreibst: Wie sieht das aus, und was gehört alles dazu für dich?

Als Unternehmer genieße ich Freiheiten, die die meisten Menschen in abhängigen Angestellten-Verhältnissen nicht haben. Und da ich die Inhalte meiner Arbeit selbst bestimme, komme ich auch nicht so schnell in die Gefahr, meine Arbeit als sinnlos zu erleben. Umgekehrt muss ich dafür ein höheres Maß an Unsicherheit und finanziellen Schwankungen aushalten. Und genau das braucht es in hohem Maße: Unsicherheitstoleranz. Und eine möglichst gute Kommunikationsfähigkeit, mündlich wie schriftlich, denn natürlich bin ich immer auch mein eigener Themen- und Markenbotschafter. Ein extrem wichtiger Baustein für einen wachsenden Erfolg ist nicht zuletzt Durchhaltevermögen. Dran bleiben.

Welche deiner Eigenschaften hältst du für unverzichtbar, bezogen auf deinen unternehmerischen Erfolg?

Das, was ich eben beschrieben habe, ist aus meiner Sicht die Essenz des Unverzichtbaren.

Wenn du mal zurückblickst: Aus welcher Erfahrung hast du am meisten gelernt für dein unternehmerisches Leben?

Es war 2006, als ich mit viel Energie und Geld versuchte, mein eigenes Unternehmenstheater aufzubauen. Dazu habe ich ein Team zusammengestellt, Teamentwicklung betrieben, eine gemeinsame Visions- und Missionsentwicklung moderiert, Werbematerial entworfen, drucken lassen und verteilt. Und vor allem habe ich mit dem Team gemeinsam mehrere Präsentationsevents mit potentiellen Kunden auf die Beine gestellt. Aber irgendwie kam das Ganze nicht ins Laufen.

Dann war ich in einem 3-wöchigen Urlaub, bis heute der schönste meines Lebens, reich an wunderschönen Erfahrungen und sehr erholsam. Als ich aus dem Urlaub zurückkam, wusste ich genau, was ich zu tun habe, um mit der Geschäftsentwicklung des Unternehmenstheaters weiterzumachen. Also setzte ich mich eines morgens mit einer frischen Tasse Kaffee an den Computer und wollte loslegen. Und … es passierte: Nichts. Ich saß gelähmt vor dem PC und konnte nichts tun. Minuten verstrichen, eine Stunde, eine weitere Tasse Kaffee – nichts. Dann plötzlich, intuitiv aus den Tiefen des Unbewussten kam die Frage hoch: „Was wäre, wenn Du genau den Erfolg mit dem Unternehmenstheater hättest, den du Dir wünscht? Willst Du das wirklich?“ Die Antwort kam postwendend: Nein. Und so habe ich diese Idee sofort begraben.

Einige Jahre später kamen dann hie und da Aufträge von alleine, gleichsam aus dem Nichts, machten Spaß und sind gut gelaufen. Aber es war dann eine Art professionelles Hobby. Und damit geht es mir bis heute so gut, dass ich das nicht ändern will.

Was bedeutet „Scheitern“ für dich?

Die Chance zu lernen. So wie in der Geschichte gerade eben beschrieben. Und manchmal führt Scheitern dazu, die eigene Wahrhaftigkeit zu finden.

Was möchtest du mit deinem Unternehmen der Welt geben?

Ich will einen Beitrag dazu leisten, die Arbeitswelt zu demokratisieren, damit der Weg frei wird, für selbstbestimmtes, sinnerfülltes und freudvolles Arbeiten. Und damit wiederum möchte ich helfen, unsere gesellschaftliche Demokratie in gerade diesen zunehmend schwierigen Zeiten weiterzuentwickeln. Ich habe das so auf den Punkt gebracht: „Arbeit als Demokratielabor“.

Was hätte dir in schwierigen Situationen geholfen, wenn du es schon früher gewusst hättest?

Da kann ich wieder auf die Geschichte oben zurückkommen: Wenn mir klar gewesen wäre, was ich wirklich will und ich es hätte unterscheiden können von dem, was ich nur glaubte zu wollen, hätte ich einiges an Arbeit, Zeit und Geld sparen können.

Andererseits ist mir genau das mit dieser Episode klar geworden. Denn bis dahin hatte es sich immer automatisch ergeben, dass ich auch tatsächlich das getan hatte, was ich wirklich wollte.

Welche Art von Marketing machst du für dein Unternehmen und deine Angebote?

Meine Vermarktung läuft über verschiedene Kanäle: Webpräsenzen (www.unternehmensdemokraten.de, www.a-zeuch.de, www.achtungzebra.de), Publikationen in Form von Büchern (4 bisher), Fachartikel und Buchbeiträgen (ca. 70-80), Blogs. Und dann natürlich Präsenz auf Liveveranstaltungen, Vorträge, Sessions bei Barcamps und dergleichen mehr.

Letztlich dann natürlich auch der mehr oder weniger konzertierte Einsatz von Social Media: Facebook, Google+, Twitter, LinkedIn und Xing. Dabei ist es allerdings nicht ganz einfach herauszufiltern, welche Maßnahmen am wirkungsvollsten sind.

Mit ziemlicher Sicherheit würde ich davon ausgehen, dass vor allem meine beiden letzten Bücher „Feel it! Soviel Intuition verträgt Ihr Unternehmen“ (2010) und „Alle Macht für niemand. Aufbruch der Unternehmensdemokraten“ (2015) am meisten dazu beigetragen haben, meine Reputation aufzubauen und mich auf dem Markt als Experte zu positionieren. Erfreulicherweise funktioniert das vor allem mit dem aktuellen Buch am besten. Die erste Anfrage für ein Beratungsangebot kam schon, bevor das Buch veröffentlicht war.

Wie würdest du dein Verhältnis zu Geld beschreiben?

Vielschichtig. Einerseits betrachte ich Geld konservativ als nicht unbedingt notwendiges aber erleichterndes Tauschmittel, als Mittel der Wertaufbewahrung und als Wertmaßstab. Dann erlebe ich diese klassische Sichtweise aber auch gleichzeitig als sehr begrenzt und begrenzend, weil es keinen objektiven Vergleichsmaßstab gibt, den das Geld aber suggeriert. Eine andere Sichtweise ist Geld als Energie und Ausdruck von Leistungsanerkennung. Besonders überzeugt hat mich Karlheinz Brodbecks Interpretation von Geld als Denkweise. Geld ist eine bestimmte Art, auf die Welt zu blicken – und wahrlich keine, die nur schön ist, dafür aber unsere gesamte Gesellschaft und unser aller Denken maßgeblich durchdrungen hat.

Welche Routinen helfen dir bei deinem Workflow, und welche Tools setzt du dafür am liebsten ein?

Wirklich stringente Routinen habe ich nicht. Das liegt vielleicht daran, dass ich immer wieder die Erfahrung mache, dass ich kurzfristig und spontan auf Veränderungen reagieren muss und es die Natur von Plänen ist, zu scheitern. Natürlich plane ich auch, kenne meine Deadlines, und Termine (bis auf einen, den ich neulich tatsächlich vergessen hatte, das erste mal in meinem Berufsleben, sehr unangenehm …). Aber es kommt immer wieder dazu, dass sich Prioritäten verschieben und ich dann umplanen muss.

Meine wichtigsten Tools als Mac User: Die CRM Software „Daylite“ und „Evernote“, beides Programme, die ich täglich nutze, natürlich neben den Banalitäten wie dem Emailprogramm (Mail auf dem Mac und „Spark“ auf meinem iPhone) und meinem Browser als Tor ins Internet. Für meine Schreibarbeiten nutze ich dann noch zweierlei Programme: „Papers 3“ als Literaturverwaltungsprogramm und „Scrivener“ zum Schreiben meiner Bücher. Für Artikel lohnt sich das nicht, da nutze ich ganz simpel den Mac-eigenen Schreibeditor „Pages“. Präsentationen mache ich mittlerweile meistens ohne „Folien“, wenn dann nutze ich „Keynote“ von Mac. Ein paar wenige Routinen habe ich über IFTTT automatisiert, z. B. dass neue Blogposts auf der FB Site der Unternehmensdemokraten automatisch gepostet werden. Außerdem fließen alle Tweets von mir mit #allemacht in mein FB Profil. Das war’s.

Wie schaltest du ab und entspannst dich am besten?

Da gibt es Verschiedenes: Einerseits Sport draußen in der Natur: Mountainbiken und Laufen. Aber auch Kunst genießen, Museen, Theater, Konzerte. Mit Freunden zusammen sein, kochen, erzählen, lachen.

Vielen Dank für diese interessanten Einblicke, lieber Andreas! Besonders genickt habe ich bei dem Begriff „Unsicherheitstoleranz“. Den werde ich meinem Wortschatz einverleiben ;-).

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