Nicht schnacken, sondern machen!

Andrea Speier ist Inhaberin einer Naturheilpraxis und gehört zu meinen ersten und treuesten Kundinnen. Außerdem hat sie begnadete Hände und ich kann jedem aus dem Raum Düsseldorf-Duisburg nur empfehlen, sich mal einer ihrer Entspannungsmassagen hinzugeben …

Ich gebe gerne ein bisschen mit ihr an, weil sie inzwischen so erfolgreich ist 😉 . Aber um der Wahrheit die Ehre zu geben, hat das sehr viel mit ihrer unternehmerischen Disziplin und Konsequenz zu tun, ganz nach dem Motto aus der Überschrift. Andrea ist in der Tat eine Macherin, und deshalb war ich ganz besonders gespannt darauf, was sich zum Thema Mut aus ihr herauskitzeln ließ.

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Was bedeutet für dich persönlich Mut? Nimmst du dich selbst als mutig wahr?

Die Beantwortung dieser Frage war gar nicht so einfach, denn ich habe mich eigentlich nie besonders mit diesem Thema auseinandergesetzt. Dann fiel mir ein, dass mein Mann Tom mir vor einigen Tagen sagte, dass er mich für eine sehr mutige Frau hält. Ich war sehr erstaunt darüber, ich selbst empfinde das gar nicht so.

Mut bedeutet für mich, dass man sich den täglichen Herausforderungen immer wieder stellt, vor allem den weniger angenehmen. Mut heisst für mich, Entscheidungen zu treffen und dann auch wirklich umzusetzen. Nicht schnacken, sondern machen. Man sollte auch den Mut haben, falsche Entscheidungen zu korrigieren und vielleicht muss man sich sogar von der ein oder anderen Idee in dieser Form verabschieden. Das Gute ist aber, manchmal muss man nur die Form ein wenig verändern und es klappt doch noch.  Mein Motto ist da immer: Fehlschläge sollte man wie ein Profiboxer „wegstecken“ können und aus einem Haufen Scherben lassen sich manchmal noch echte Perlen zaubern…

Die Entscheidung, deine Nebentätigkeit aufzugeben und voll auf die Selbstständigkeit als Heilpraktikerin zu setzen, hat ja einiges an Mut erfordert, oder? War das die mutigste Entscheidung, die du als Unternehmerin bisher getroffen hast? Was daran war für dich die besondere Herausforderung?

Die Entscheidung, nach fast 9jähriger Teilselbständigkeit meinen (relativ) sicheren Job aufzugeben und mich ganz selbstständig zu machen, war definitiv die schwerste Entscheidung meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit. Ich habe viele Jahre dafür gebraucht, um sie zu treffen. Die besondere Herausforderung dabei war, dass ich einfach ein gewisses Mass an Sicherheit haben muss. Einen Garantieschein bekommt man bekanntlich nun einmal nicht, aber ich wollte das Risiko so klein und überschaubar wie möglich halten.

Was war der erste Schritt, um deine Entscheidung umzusetzen?

Der erste Schritt dazu war die Kündigung in der Sozietät, in der ich immerhin über 7 Jahre gearbeitet habe. Die Entscheidung dazu habe ich tatsächlich in der Nacht vor dem Kündigungs-Stichtag getroffen und meinen Chef direkt morgens in aller Herrgottsfrühe damit überfallen. Diese Entscheidung war für mich wie ein Sprung ins Ungewisse. Trotzdem war ich an dem Punkt gelandet, wo ich es einfach versuchen musste. Wenn nicht jetzt, dann niemals. Die berufliche Situation in der Sozietät war für höchstens noch 2 Jahre gesichert, die Praxis lief seit Jahren besser und besser. Es war einfach der bestmögliche Zeitpunkt.

Wer hat dir geholfen oder dich unterstützt?

Geholfen und immer unterstützt hat mich in erster Linie mein Mann Tom, der immer an mich geglaubt hat und mir schon seit gut zwei Jahren in den Ohren lag, endlich Nägel mit Köpfen zu machen und den Job aufzugeben. Anfang 2008 hatte ich mehr oder weniger 2 Jahre durchgearbeitet und war ziemlich am Ende. In der Sozietät fing ich um 6.20 h an und arbeitete bis 12.20 h, dann mit der Bahn nach Hause, schnell etwas essen, denn um 14.30 h fing ich in der Praxis an. Feierabend war oft genug nach 20 h. Da ich um 04.30 h aufstehen musste, blieb nicht wirklich etwas vom Abend übrig. Samstags hatte ich meist bis 15 h zu tun, zwischendurch mussten die immensen Wäscheberge aus der Praxis sowie der Haushalt erledigt werden, damit ging dann noch ein guter Teil des Sonntags drauf. Ohne meine Mutter, die mir oft genug die Praxis geputzt und klammheimlich einen guten Teil der Praxiswäsche erledigt hat, wäre ich gnadenlos untergegangen. Meine Freunde waren auch langsam aber sicher sauer, weil ich für Nichts mehr Zeit hatte und auch die meisten Treffen absagen musste. Alle rieten mir, endlich eine Entscheidung zu treffen. Im Januar habe ich dann eingesehen, dass es so nicht mehr weitergehen konnte, brauchte aber nochmals bis Ende März, um die Kündigung wirklich einzureichen.

Hast du Vorbilder?

Meine Eltern haben für mich grosse Vorbildfunktion. Es sind unglaublich fleissige und tatkräftige Menschen, die nicht groß fragen, was zu tun ist sondern einfach anpacken. Ansonsten eigentlich nicht. Wenn ich eine Eigenschaft bei jemand ganz toll finde, versuche ich, sie zu lernen. Das klappt immer besser.

Wie gehst du mit Ängsten um? Anders als vorher?

Mit Ängsten gehe ich eigentlich nicht anders um als sonst. Nach einer kurzen Phase mit dem dringenden Bedürfnis, den Kopf in den Sand zu stecken, gehe ich Ängste und Unsicherheiten gezielt an und versuche, der Ursache auf den Grund zu gehen. Wenn ich es nicht alleine kann, suche ich mir Hilfe.

Hat es sich gelohnt? Inwiefern?

Die Entscheidung für die Selbstständigkeit hat sich definitiv gelohnt. Ich arbeite den lieben langen Tag in der Praxis und empfinde das gar nicht als Arbeit. Ein kluger Mann soll ja mal gesagt haben: „Suche dir eine Aufgabe, die du liebst und du wirst nicht einen Moment das Gefühl haben, arbeiten zu müssen“. Dem kann ich nur aus ganzem Herzen beipflichten!

Dein Rat an Zauderer?

Mein Rat an „Zauderer“ ist relativ einfach: erstklassige Vorbereitung. Ich kann nur von mir sprechen, aber mir haben zahllose Sitzungen mit Tom geholfen, in denen wir das „worst case“ Szenario durchgespielt haben. Vor allem die finanzielle Situation haben wir immer und immer wieder durchleuchtet. Welche Versicherungen brauchen wir? Wie hoch sind die Beiträge? Wie sieht es mit der Krankenkasse und der Rentenversicherung aus? Ich war beim Arbeitsamt, bei der Rentenversicherungsanstalt, beim Vermögensberater. Das war mir persönlich unglaublich wichtig. Ausserdem würde ich immer wieder versuchen, die Selbstständigkeit erst mal einmal parallel zum Job laufen zu lassen. So kann man viel besser feststellen, ob wirklich ein Bedarf besteht. Sollte das nicht möglich sein, sollte man sich ein ausreichendes finanzielles Polster schaffen, um auch eine längere Durststrecke ohne Einnahmen überstehen zu können.

Liebe Andrea, danke dir. Ich hoffe, du zauberst noch viele Perlen!

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