Keine Kaufempfehlung: Preis & Stundensatzratgeber

Wie man seinen eigenen Marktwert und damit auch seine Honorare bestimmt, ist bei Beratern und anderen freien Berufen ja immer wieder Thema.

Insofern war ich gespannt auf den „Preis & Stundensatzratgeber“ von „Dr. P.C. Bosman“ und erhoffte mir davon interessanten Input zum Thema Preisfindungsstrategien. Aber der fehlende Bindestrich im Titel ließ schon ahnen, welche Qualität dieses Werk insgesamt aufweist. Ich glaube, ich habe noch nie ein Buch in der Hand gehabt, das derart mies und lieblos übersetzt wurde. An vielen Stellen scheint das Niederländische des Originals so stark durch, dass die Verständlichkeit erheblich leidet. Offenbar hat sich auch niemand die Mühe gemacht, korrekte deutsche Berufsbezeichnungen zu recherchieren. Wie anders lassen sich Wörter wie „Textschreiber“, „Fuger“, „konstruktive Entwerfer“ etc. sonst erklären?

Beispiel (alle Schreibfehler laut Original!):

Mindeststundenlohn: Wir gehen vom Mindeststundenlohn aus. Die Mndeststundenlohnen (Uberblick sehe www.zoll.de) sind abhanging von Branche, Bundesland oder Region, und Zeitraum. Das Mindeststundenlohn variiert zwischen € 6,36 (Gebaudereinigerhandwerk Lohngruppe 1, Ost, Zeitraum 01-07-07 bis 29-02-08) und € 12,50 (Baugewerbe Fachwerker/Maschinisten/Kraftfahrer, West, Zeitraum 01-09-07 bis 31-08-08). Wann Ihre Aktivitat nicht im Bereich einer Mindestlohnen fallt, konnen Sie ein Mittelwert gebrauche zwischen € 9,- und € 10,-.

Das geht doch wirklich gar nicht, oder?

Den größten Raum nimmt Kapitel 3 ein, in dem die Stundensätze verschiedener Berufsgruppen dargestellt werden. Angeblich basieren diese auf eigenen Umfragen. Allerdings werden die methodischen Grundlagen nirgendwo erläutert – insofern sind die Ergebnisse doch mindestens fraglich. Wer wurde wann wozu genau befragt? Wie repräsentativ soll das sein?

Insgesamt werden 170 Berufsgruppen differenziert, teilweise mit Unterscheidungen, die nicht wirklich nachvollziehbar sind, wie z. B. „Berater“, „Berater/Consultant“, „Coach“, „Dozenten“, „Trainer“, „Mediatoren“ etc.

Die höchsten ermittelten Stundensätze liegen bei diesen Berufsgruppen demnach bei rund 250 Euro – eine Aussage, die definitiv falsch ist. Ich weiß, dass erheblich höhere Honorare möglich sind, auch wenn das zugegebenermaßen nur wenige Kollegen schaffen. Ähnlich schwammig sind die Aussagen für andere Berufsgruppen wie Designer etc. Ich kann darin keine verlässliche Kalkulationsgrundlage sehen.

Auf mich wirkt das Ganze wie der Versuch, aus einem klar erkannten Bedürfnis – es gibt vielerorts Unsicherheit bezüglich der Honorargestaltung – per Schnellschuss möglichst viel Geld zu verdienen.

Auch inhaltlich überzeugt das Ganze leider gar nicht. Jeder, der sich zu den Themen Honorar und Preisgestaltung schlau machen möchte, ist mit einer Recherche im Internet wirklich besser beraten. Auf akademie.de gibt es z. B. einen prima Honorarrechner (Excel-Tabelle) sowie einen sehr empfehlenswerten Artikel zum Thema Honorar-Kalkulation für Dienstleistungen: realistische Stundensätze berechnen! (pdf-Datei).

Und wenn ich schon bei Empfehlungen bin, lege ich euch auch noch mal die Zusammenfassung der Blogparade des telefonart-Blogs ans Herz: Das E-Book „Erfolgreiche Preisstrategien“.

Fazit:

Schade, dass eine grundsätzlich gute Idee mit so wenig Sorgfalt umgesetzt wurde. Ich lege dem Herausgeber für eine eventuelle Neuauflage dringend eine konzeptionelle Überarbeitung der methodischen Mängel sowie ein professionelles deutsches Lektorat ans Herz.

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