Interview mit mir: Blogleser fragten …

… und ich habe geantwortet

Vor vier Wochen rief ich dazu auf, mir Fragen zu stellen, um so die Tradition der Interviews mit mir selbst in leichter Abwandlung weiterzuführen. Einige von euch haben mir per E-Mail und hier in den Kommentaren jede Menge Fragen geschickt: Danke an Michael, Stefan und Silvia Dennerlein!

Vorsicht: lang!

Obwohl ich nicht alle Fragen beantwortet habe, sind doch noch drei Seiten zusammengekommen. Bringt also ein bisschen Geduld bei der Lektüre mit, wenn ihr zum Beispiel erfahren wollt, wer mein Vorbild ist, ob ich Kunden einschüchtere, warum ich blogge oder wie der Name „Nasenfaktor“ entstanden ist.

Das Interview

Wer hat Dich geprägt? Welche Schriftsteller, Dichter, Philosophen?

Schwierige Frage, wo soll ich da anfangen? Bei Karl Mays Winnetou? Der war jedenfalls einer meiner Kindheitshelden und eine ganz starke Identifikationsfigur.

Was das Schreiben betrifft, hat alles, was lesbar ist, meine eigenen Texte geprägt und verbessert. Entweder durch Imitation – das ist eine besondere Form der Aneignung. Sie schärft den Blick für das, was fremd, anders ist und trägt so dazu bei, allmählich ein Gefühl für das Eigene, Unverwechselbare zu entwickeln. Und dann natürlich auch durch Abgrenzung. Je mehr man liest, umso klarer bilden sich Kriterien heraus, was „gute“ und was „schlechte“ Texte ausmacht. Qualitativ gute Texte sind nicht bloß Geschmackssache. Wer immer nur mit sprachlichen Klischees hantiert, bringt keine guten Texte hervor.

Ansonsten stehe ich den humanistischen Psychologen nahe, deren Menschenbild mir zusagt: Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Jeder trägt alle Ressourcen, die er benötigt, in sich.

Ganz allgemein inspirieren mich Menschen, die eine Idee leidenschaftlich verfolgen, die eine Vision haben und sich dafür einsetzen. Und zum Glück gibt es davon viele – einzelne Namen zu nennen, fällt mir deshalb schwer.

Auch Du wirst Dich ständig weiterbilden. Wie geschieht das? Durch das Lesen, Lesen oder gibt es ein Geheimnis wie Du immer wieder Deine Feder schärfst?

Gar nicht geheimnisvoll: Ich lese einfach alles, was mir unter die Finger kommt. Pro Woche mindestens einen Roman, nur zur Entspannung. Fachliteratur, Tageszeitung, Magazine, Newsletter. Und natürlich sehr viel im Internet: andere Blogs, Forumsbeiträge in Communities, White Papers … Manchmal muss ich mich bremsen, es nimmt sonst überhand. Außerdem lese ich so gut wie alle Flyer, Werbebriefe und andere Druckerzeugnisse, die mir unterkommen, schon aus beruflichem Interesse. Man könnte sagen, ich sauge Buchstaben auf. Ich kann gar nicht anders. Und das schult mein Stilempfinden praktisch pausenlos.

Welchen Berufswunsch hattest du als Kind?

Tierärztin. Und sobald ich schreiben konnte: Schriftstellerin. Da bleibe ich auch dran.

Welchen Tipp hast du für Menschen, denen das Lachen schwer fällt?

Es trotzdem einfach tun, zur Not zuhause vor dem Spiegel. Auch wenn es gespielt ist. Das Schöne an der Körper-Seele-Kommunikation ist ja, dass sie keine Einbahnstraße ist. Wenn wir lächeln, senden wir unserer Seele ein biochemisches Signal. Sie kann gar nicht anders, sie fühlt sich besser 🙂 .

Wenn du drei Wünsche frei hättest …?

Diese Frage habe ich schon als Kind nicht verstanden: Warum kommt in den Märchen eigentlich nie jemand auf die Idee, sich unendlich viele freie Wünsche zu wünschen? Da denke ich sehr nutzenorientiert 😉 .

Was würdest du gerne noch mal tun und was wirst du bestimmt noch mal tun?

Gleitschirmfliegen.

Wie ist die Idee zum Buch entstanden?

Für meinen Online-Workshop hatte ich bereits ein 40-seitiges Skript. Da lag die Idee nahe, daraus ein Buch zu machen.

Wie entstand der Name „Der Nasenfaktor“?

Ich suchte nach einem griffigen und leicht einprägsamen Wort für das, was ich ausdrücken wollte: Dass die Persönlichkeit entscheidendes Orientierungsmerkmal für die Kunden von Beratern ist. In einem Gespräch fiel das Wort „Nasenfaktor“, und ich wusste: Das ist es!

Wenn jemand deine Dienstleistung kauft. Was wird er abends in einer Bar davon erzählen?

Gute Frage! Ich wünsche mir, dass Sätze fallen wie:
Heide lebt, was sie erzählt. Sie ist total engagiert und kann sich sehr gut in mein Thema eindenken und –fühlen. Sie hat ein Händchen dafür, Struktur in den Gedankenwust zu bringen. Und sie macht Mut, auf das Eigene zu vertrauen.

In dem Buch schreibst du über „Von Vorbildern lernen“. Wer ist dein Vorbild und was hast du von deinem Vorbild gelernt?

Mein NLP-Lehrtrainer war für mich ein großes Vorbild: Er hat mir unglaublich viel beigebracht, sowohl auf der fachlichen Ebene als auch in punkto Selbsterfahrung. Als Mentor hat er meine berufliche und persönliche Entwicklung längere Zeit begleitet und mir dabei immer viel Freiraum gegeben. Ich habe von dieser Beziehung sehr stark profitiert und fühle tiefe Dankbarkeit.

Wer seine Stärken kennt, konzentriert sich darauf. Kennst du auch deine Schwächen? Nenn uns eine und wie gehst du damit um?

Ich produziere jeden Tag neue Ideen. Aber es gelingt mir oft nicht, dann auch konsequent an einer dranzubleiben – zu verlockend ist die neue Idee, die schon an der nächsten Ecke wartet … Insofern kenne ich das Dilemma vieler Kreativer, die ich berate, aus eigener Erfahrung sehr gut. Sich zu spezialisieren und sich damit auf eine Sache zu fokussieren, fällt mir selbst schwer.

Warum bloggst du?

Weil es mir Spaß macht, mein Wissen zu teilen und in Dialog mit Menschen zu kommen. Ich schreibe gerne und sitze sowieso viel am Rechner. Bloggen ist für mich erfunden worden 🙂 .

Frau Liebmann, Sie wirken auf mich auf Ihren Fotos und auch in Ihren Texten sehr durchsetzungsstark. Haben Sie schon mal einen Kunden/eine Kundin eingeschüchtert? Wie haben Sie das bemerkt? Und wie sind Sie damit umgegangen?

Ich glaube ja an das Gesetz der Resonanz. Das bedeutet, dass zu mir ausschließlich Kunden finden, die mit meiner Art gut klarkommen. Soweit ich weiß, wirke ich auf diese Leute nicht besonders einschüchternd. Ich kann allerdings klar Grenzen setzen, das ist richtig. Insgesamt bemühe ich mich deutlich zu machen, dass ich selbst auch nicht perfekt bin und Fehler gemacht habe und weiter machen werde. Ich nenne mich selbst als Beispiel und zeige mich. Das ist, denke ich, entscheidend dafür, dass so ein Gefühl wie Einschüchterung normalerweise gar nicht erst entsteht. Wer das anders sieht, bitte jetzt melden oder für immer schweigen! 🙂

6 Kommentare

  1. Silvia Dennerlein

    Hallo Frau Liebmann,

    spannend Ihre Antworten. Besonders was Sie über Imitation schreiben hat mich berührt. Werde Ihr Blog weiter verfolgen!

    Viele Grüße

    Silvia Dennerlein

    nicht veröffentlichen: PS: Bessern Sie bitte meinen Namen in Ihrer „Anmoderation“ des Interviews aus?

  2. heide

    Hallo Frau Dennerlein, ist korrigiert, sorry für den Verschreiber.

  3. Stefan

    Das mit der Aussage in der Bar kann ich bestätigen. Bin schon auf das nächste Interview gespannt 🙂

  4. Jutta

    Ok – ich schweige 🙂

  5. Jutta

    … aber nicht weil ich das anders sehe.

  6. heide

    @Jutta: Na, dann bin ich ja beruhigt! 😉

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