Grenzenlos glücklich?

2014-09-12 08.14.10Wie ja viele von euch wissen, verbringe ich seit mehreren Jahren immer 6 bis 10 Wochen im Ausland, genauer gesagt in der Türkei, und arbeite dann dort und von dort aus. Da ich viele meiner Angebote online durchführen kann, klappt das insgesamt sehr gut, solange ich Internet zur Verfügung habe. Zum Beispiel startet ja heute auch meine 77-Tage-Motivations-Challenge, und die kann ich problemlos von hier aus durchführen.

Gerade habe ich die ersten vier Wochen meines diesjährigen Aufenthalts hinter mir, vier weitere Wochen darf ich noch hierbleiben. Zeit für eine erste Bilanz: Was sind die Vorteile dieser Arbeitsform, und welche Nachteile spüre ich vielleicht auch?

Unabhängig und frei – als digitale Nomadin arbeiten

Dass ich nicht zwölf Monate im Jahr zuhause an meinem Schreibtisch bzw. im Büro sitzen muss, um Projekte für meine Kunden zu erledigen, wurde mir erst vor 3 Jahren wirklich klar. Damals hatte ich die Gelegenheit, drei Monate als Working Guest in einem Yoga- und Seminarcenter in der Türkei zu arbeiten. Das war eine wundervolle Erfahrung, tat allerdings meinem Business nicht so gut, denn mich drei Monate fast vollständig auszuklinken, kostete mich doch ziemlich viel.

Nichtsdestotrotz kam ich so auf die Idee, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: eben hierher zu fahren und meine Kunden von hier aus zu betreuen, und gleichzeitig auch ein bisschen Urlaubsstimmung zu genießen.

Die Vorteile sind unübersehbar:

  • Ich verlängere den Sommer und genieße zwei Monate mehr warme Temperaturen, kann überwiegend draußen leben und arbeiten. Auch jetzt gerade sitze ich in T-Shirt und Röckchen auf der Veranda und genieße die absolute Ruhe, die nur durch Zikaden, summende Insekten, ab und zu bellende Hunde und krähende Hähne unterbrochen wird.
  • Interessanterweise arbeite ich insgesamt fokussierter. Es fällt mir zwar zuweilen schwer, in den Arbeitsmodus zu kommen, aber wenn ich einmal dabei bin, arbeite ich sehr konzentriert durch und lasse mich viel weniger ablenken als sonst. Dieser Effekt hält auch nach vier Wochen noch an. Das heißt, ich bekomme meist mehr als in derselben Zeit zuhause geschafft. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich ja auch noch Zeit haben möchte für die schönen Dinge des Lebens hier in Adrasan: an den Strand fahren oder aufs Boot gehen und faul im Schatten liegend nette Bücher lesen, wandern oder mit dem Hund der Freundin spazieren gehen, Gleitschirmfliegen, oder einfach einen Nachmittag im Köşk verbummeln.
  • An Orten wie diesen lernt man fast automatisch interessante Menschen aus aller Welt kennen. Mit einigen verbindet mich inzwischen schon eine längere Freundschaft, und ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, ein bisschen zwischen den Kulturen zu pendeln und andere Perspektiven kennen zu lernen. Manche Gewohnheiten habe ich hier hinterfragen müssen – und teilweise habe ich tatsächlich dazu gelernt und mir neue Ideen angeeignet 😉

Insgesamt genieße ich einfach dieses Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Es ist toll, dass ich in Zeiten lebe, wo so ein Lebensstil möglich ist und wenig Einschränkungen mit sich bringt. Und ich finde es noch immer erstaunlich, dass eigentlich so wenig dazu gehört, diese Idee in die Tat umzusetzen. Früher dachte ich immer, ich brauche Geld, um im Ausland leben zu können. Dass ich Geld verdienen könnte, während ich woanders lebe – darauf bin ich leider erst mit Ende vierzig gekommen.

Haken und Ösen

Ich will aber auch nicht verschweigen, dass dieses Leben im Paradies für mich durchaus Schattenseiten hat:

  • Am meisten vermisse ich meine Freundinnen und Freunde zuhause. Natürlich kann man heute auch über Skype oder ähnliche Anwendungen kommunizieren, aber es ist halt doch nicht das gleiche.
  • Nach einem Monat merke ich wie schon in den letzten beiden Jahren, dass mir bestimmte Aspekte des Großstadtlebens abgehen: kein Kino, keine interessanten Veranstaltungen, kurz, kein urbanes Leben. Die nächste Kleinstadt hat 26.000 Einwohner, ist überwiegend hässlich und hat außer Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf wenig zu bieten. Und alle Strecken sind ziemlich weit und schlecht ohne Auto machbar, es sei denn, man bringt viel Zeit mit.
  • Der türkische Gleichmut kann sehr liebenswert und entspannend sein, wenn man nur im Urlaubsmodus unterwegs ist. Wenn man allerdings 4 Wochen auf den Internetanschluss warten muss, weil einem einfach niemand glaubt, dass was mit dem Modem nicht stimmt, schlägt sich das doch auf die Laune nieder …

Insgesamt möchte ich aber auf diesen Teil meines Lebens nicht mehr verzichten und plane für das kommende Jahr sogar eine Aktion, die mich noch in andere Ecken der Welt bringen soll. Denn wenn ich gewichten müsste, dann würde dieses Gefühl von Freiheit, dass ich wirklich von fast jedem Ort auf diesem wunderbaren Planeten aus arbeiten kann, solange mir Internet zur Verfügung steht, wohl doppelt und dreifach zählen.

8 Kommentare

  1. Sabine

    Danke für diesen Artikel! Genau solche Anstupser brauche ich, denn es fällt mir wirklich schwer, meine Freiberuflerinnen-Freiheiten auch tatsächlich zu nutzen. Aber nach dem 1000. Anstupser wird es mir vielleicht auch mal gelingen …

  2. Karin Janner

    hey, gut zu lesen, dass das funktioniert! ich hab das auch so vor, sobald die kinder mich nicht mehr ständig hier brauchen, und möchte nächstes jahr im sommer einen „feldversuch“ starten: 3 monate london mit der gesamten familie. wenn ich die organisatorische hürde schaffe (=schulen für die kinder + bezahlbare wohnung finden). mein mann ist noch etwas skeptisch, aber das wird sich hoffentlich bald geben 😉
    ich bin mir auch sicher, dass mir meine freunde fehlen werden, vielleicht wird auch alles schwieriger, als ich mir das so vorstelle, aber ich finde aktionen spannend, die inspirieren, den alltag unterbrechen und den horizont erweitern – und so ein längerer aufenthalt an einem anderen ort, unter anderen menschen, fällt eindeutig in diese kategorie 😉
    wer weiß, wonach es mich danch noch hin verschlägt, wenn der versuch gelingt…
    viel spaß noch da unten! genieße monat nummer 2!

  3. Heide

    Och, Sabine, warum auf weitere 762 Anstupser warten? 😉

  4. Heide

    Mit Familie und Kindern ist das ja immmer noch mal eine ganz andere Nummer, da ziehe ich meinen Hut, wenn du das gestemmt kriegst! Ich bin ja wirklich total unabhängig und muss mir um niemanden Gedanken machen. Das vereinfacht die Sache erheblich.

  5. Kerstin

    Hallo, liebe Heide, ich wünsche dir noch alles Gute für die zweite Halbzeit. Grüße an die Türkei, ich komme nächstes Jahr wieder.

  6. Heide

    Dann sehen wir uns vielleicht ja wieder dort. Aber vorher noch unser traditionelles Treffen auf dem Weihnachtsmarkt! 😉

  7. Natalie Schnack

    Liebe Heide,

    dein Bericht ist für mich eine Motivationsspritze, die mich ermutigt, meine Pläne reifen zu lassen und in die Tat umzusetzen. Danke dafür!

    Grüß mir die wunderbare Türkei! Ich wünsche die eine tolle Zeit dort 🙂

    Herzliche Grüße
    Natalie

  8. Evelyn Kuttig

    Liebe Heide,

    Deine Anregung, das virtuelle Dasein ortsunabhängig zu nutzen, ist nur gut. Das hängt allerdings auch mit der Art der Dienstleistung zusammen, die Du bietest … Sollte ich im Social Media-Bereich so Fuß fassen, wie ich mir das wünsche, eben bezahlt, wäre das allerdings auch für mich eine Option! Ich bin eher der nordische Typ … Skandinavien, Irland, Island … 😉

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.