Ein Plädoyer für SMARTe Ziele

Ulrike Bergmann hat kürzlich auf ihrem Blog erklärt, wieso sie es für Quatsch hält, Ziele nach der bekannten SMART-Formel durchzudeklinieren.

Noch mal kurz zur Erinnerung, wofür die Abkürzung steht:

S wie spezifisch

M wie messbar

A wie attraktiv

R wie realistisch

T wie terminiert

Das hat mich ins Nachdenken gebracht, denn ich halte SMART nach wie vor für eine hilfreiche Idee, wenn es um das Erreichen von Zielen geht. Es könnte aber sein, dass wir eigentlich von zwei ganz unterschiedlichen Dingen sprechen.

Persönliche Ziele?

Ulrike argumentiert, wenn ich sie richtig verstehe, dass die SMART-Formel für persönliche Ziele nicht taugt. Und ich glaube, da liegt der Hase im Pfeffer. Denn was genau ist mit „persönlichen Zielen“ eigentlich gemeint?

Wenn ich mit Unternehmerinnen und Unternehmern daran arbeite, herauszufinden, was genau eigentlich das ist, was ihnen in ihrem Leben die größte Erfüllung bringt, was sie also mit und durch ihre Arbeit erreichen wollen, dann würde ich das nicht als Ziel bezeichnen. Das ist Arbeit an der Vision, die Suche nach dem „Ruf“, nach dem inneren Antrieb, der uns motiviert, die Dinge gut zu tun, die wir lieben. Auf diese Suche ist die SMART-Formel in der Tat nicht anwendbar. Da braucht es Freiraum zum Träumen, Spinnen, zum Ausbrechen aus dem Gewohnten.

Umsetzungskompetenz

Wenn wir aber einmal herausgefunden haben, was uns trägt und wohin die Reise gehen soll – dann müssen ganz konkrete Ziele definiert und umgesetzt werden. Und da passt die SMART-Formel dann wieder. Ich habe da an einigen Stellen auch ein anderes Verständnis.

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Spezifisch“ bedeutet hier tatsächlich, ich mache mir ein Bild oder eine innere Vorstellung davon, was ich umsetzen möchte, mit allem, was für mich dazu gehört. Wenn ich wie oben beschrieben das „große Ganze“ gefunden habe, stellen sich die Bilder zu Teilzielen auch ganz einfach ein, und sich immer wieder damit zu verbinden, kann dann sehr motivierend sein. Ich nutze dazu beispielsweise ein Visionboard, eine Präsentation mit meinen Jahresprojekten, die sich jeden Morgen auf meinem Rechner selbsttätig öffnet. Ich klicke kurz durch die 10 Folien und bringe mich auf diese Weise jeden Tag in Kontakt mit den ganz persönlichen Bestandteilen meiner Vision für dieses Jahr.

Messbar“ sind in meinem Verständnis durchaus Kriterien, die ich selbst entwickeln und anlegen kann. Eine hilfreiche Frage ist immer: „Woran wirst du spüren, dass du dich weiter auf dein Ziel hinbewegst oder es erreicht hast?“ Dann kann eine Antwort auch lauten: „In meinem Bauch breitet sich eine wohlige Wärme aus“ oder „Ich erhalte mehr Anerkennung als vorher von meinen Kunden“ oder etwas in der Art. Das heißt, ich definiere meine persönlichen „Kennzahlen“, anhand derer ich merke, dass ich Fortschritte mache oder mein angestrebtes Ziel erreiche.

Attraktiv“ hängt so gesehen sehr eng mit den beiden erstgenannten Punkten zusammen: Ich sollte wissen, wofür ich mich anstrenge, weil mir sonst nämlich irgendwann die Puste ausgeht. Und wenn ich mir immer wieder ganz spezifisch vergegenwärtigen kann, wie sich das anfühlen wird, dann lernt mein Gehirn diese noch nicht ganz erreichte „Realität“. Das macht es leichter. Und zu wissen, woran ich merke, dass ich Fortschritte mache, trägt zur Attraktivität bei. Ein weiterer Aspekt von „attraktiv“ liegt aus meiner Sicht darin, dass ich auf meine eigenen Ziele hinarbeite. Menschen scheitern ja auch oft bei der Umsetzung, weil sie sich Dinge vornehmen, die letztlich gar nicht auf ihrem Mist gewachsen sind. Wirklich attraktive Ziele entstehen auf der Grundlage einer authentischen Vision.

Realistisch“ habe ich in meiner Ausbildung nicht als den von Ulrike beschriebenen „Kreativitäts-Töter“ kennen gelernt. Vielmehr geht es in meinem Verständnis dabei darum, dass ich meine Ziele aus eigener Kraft erreichen kann. Das heißt, meine Ziele sollen insofern realistisch sein, dass ich sie unabhängig von anderen erreichen kann. Ich kann mir nicht vornehmen, im Lotto zu gewinnen, weil ich auf das Ergebnis relativ wenig Einfluss nehmen kann. Aber ich kann zum Beispiel durchaus planen, in 10 Jahren über ein sechsstelliges Einkommen zu verfügen und die entsprechenden Schritte Zug um Zug umzusetzen, wenn das ein Bestandteil meiner Vision ist.

Terminiert“ schließlich macht absolut Sinn, wenn man Ziele umsetzen will. Ein Geheimnis wirkungsvoller Zielerreichung ist allerdings, dass man flexibel plant. Ich glaube, das Gefühl von Frust stellt sich weniger deshalb ein, weil man dem Druck nicht standhält, sondern weil man falsch plant und zu wenig Puffer lässt. Damit organisiert man sich in der Tat Versagensgefühle. Richtiges Planen lässt sich aber lernen.

Insofern möchte ich die SMART-Formel gerne rehabilitieren und dafür plädieren, klarer zwischen persönlicher oder unternehmerischer Vision einerseits und den Zielen zu unterscheiden, die für die Verwirklichung einer Vision nötig sind.

Danke an Ulrike Bergmann für diesen Anstoß, meine eigenen Gedanken zu diesem spannenden Thema zusammenzufassen.

Wie seht ihr das?

 

 

2 Kommentare

  1. Tanja Finke-Schürmann

    Ungefähr ganz genau so wie Du. Hab das nicht selbst geschrieben aus Zeitmangel. Ich dachte beim Lesen des genannten Beitrags auch sofort an… Aber das sind doch unterschiedliche Anwendungsfelder oder Zieldefinitionen. Klares ja zu SMART, wenn es ans Umsetzen geht.

  2. Silke Bicker

    Ja zur Deiner Haltung zur SMARTen Zielsetzung Heide 🙂 Danach vorzugehen, heißt ja nicht, nicht „visionieren“ zu dürfen. Aber, egal, was für eine Art von Ziel umgesetzt werden soll: Das M kann man im privaten Bereich vielleicht lockern, je nachdem. Alles andere meiner Meinung nach eher nicht.

    Spannend auch Ulrikes Beitrag zu lesen, danke für den Tipp!

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