5 typische Freiberufler-Fehler – und wie man sie vermeidet

Der fehlerfreie Freiberufler ist natürlich – und zum Glück – nicht existent. Denn Fehler sind schlicht notwendige Voraussetzungen um sich weiter zu entwickeln. Macht man allerdings dieselben Fehler immer wieder, hat man wahrscheinlich nichts dazugelernt und hängt daher irgendwann am Fliegengitter. Leo Babauta hat dazu ein paar interessante und anregende Gedanken.

Während meiner inzwischen vier Jahre als selbstständige Beraterin habe ich zu diesem Thema auch schon einige Erfahrungen gesammelt. Und weil wir ja hier im Wunschkunden-Special sind, konzentriere ich mich mal auf die Fehler, die man im Umgang mit seinen Kunden machen kann – und wie man sie doch besser vermeidet.

Du arbeitest mit den falschen Kunden
Das merkst du daran, dass du einfach keinen Spaß mehr an deiner Arbeit hast. Du fühlst dich zum Beispiel ausgesaugt, vergeudest viel Energie in sinnlosen Auseinandersetzungen und rennst deinen Rechnungen ständig hinterher. So sehr wir gerade zu Beginn unserer Laufbahn als Selbstständige auf jeden Auftrag angewiesen sind: Ich rate jedem, sich mehr und mehr auf die Kunden zu konzentrieren, mit denen man wirklich gerne arbeitet, und seine Akquise auch nach diesen auszurichten. So sorgst du nach und nach dafür, dass der Anteil deiner Wunschkunden steigt und kannst die nervigen Kunden irgendwann ganz einfach loslassen.

Du lässt dich zu schlecht bezahlen
Auch ein ganz schwieriges Thema. Wegen des starken Wettbewerbs versuchen vor allem Anfänger, über den niedrigen Preis an Kunden zu kommen. Das Dumme daran ist, dass Honorarsteigerungen später praktisch unmöglich zu verkaufen sind. Das heißt, du bleibst entweder bei den miesen Honoraren hängen oder du musst dir ganz neue Kunden suchen, die auch höhere Preise bezahlen. Beides ist anstrengend und nicht unbedingt notwendig, wenn du von Anfang an anständig kalkulierst. Vergiss nicht, dass an dem alten Spruch „Was nichts kostet, ist nichts wert“ viel Wahres dran ist. Wenn du deine Arbeit selbst nicht schätzt, warum sollte es dann wohl dein Kunde tun?

Du bleibst immer sachlich und neutral und total professionell
Und das soll ein Fehler sein? Oh ja. Wir arbeiten schließlich mit Menschen, nicht mit Maschinen. Deshalb finden wir es meistens angenehmer, mit jemandem zu tun zu haben, der erkennbar menschliche Eigenschaften hat. Denn das bietet Orientierung in Zeiten unüberschaubar gewordener Märkte. Eine kleine Unterhaltung über ein unverfängliches Thema (ich rate dringend ab von Politik, Religion oder Sport ;-)) hat noch selten geschadet, aber oft das Eis aufgetaut. Und Persönlichkeit und emotionale Beteiligung erkennen zu lassen, schafft Gemeinsamkeiten. Mit Menschen, die man mag, macht man einfach lieber Geschäfte. Tatsache!

Du wirst zu schnell zu persönlich
Wie bitte? Gerade hieß es doch noch: Zeig dich! Ja, und trotzdem ist das kein Widerspruch. Schließlich machen wir Business. Also darfst und sollst du als Mensch zwar sichtbar sein. Aber bitte nicht mit allem Frust über andere Kunden, mangelnde Aufträge oder gar dein gesetzliches Glück. Es gibt Themen, die nicht zu einer Kundenbeziehung gehören. Oder jedenfalls erst dann, wenn man sich wirklich angefreundet hat. Und selbst dann ist es immer heikel, wenn man auf der geschäftlichen Ebene einmal unterschiedlicher Meinung ist. Also: langsam angehen lassen. Aus manchen Kunden werden wirklich mit der Zeit gute Freunde, und das ist etwas ganz Wunderbares. Aber überfordere deine Kunden nicht mit einer Überdosis Alltag zu Beginn eurer Beziehung.

Du kannst nicht Nein sagen
Und das führt gerne mal zu gnadenloser Überforderung. Wenn deine Kunden mit dir zufrieden sind, geben sie dir immer wieder Aufträge. Das ist ja auch eine feine Sache. Aber manchmal dürftest du sie gar nicht annehmen, weil du noch zwei Deadlines hast, die du ohnehin kaum noch halten kannst. Jetzt musst du dich trauen, einen Auftrag auch mal abzulehnen. Vorteil: Dein Kunde erkennt erstens, dass du wirklich sehr begehrt bist – das ist gut für dein Geschäft, denn er fühlt sich in seiner Entscheidung für dich bestätigt. Und zweitens merkt er, dass du ihn ernst nimmst. Weil du ihn nämlich wissen lässt, dass dein Qualitätsanspruch so hoch ist, dass du seinen Auftrag gerade wirklich nicht guten Gewissens annehmen kannst. Folge: Er wird dich garantiert wieder buchen, wenn du mehr Zeit für ihn hast.

Kannst du meine Erfahrungen und Ideen bestätigen? Oder die Liste noch ergänzen?

3 Kommentare

  1. Monika Meurer

    Ganz besonders den Punkt mit dem „Nein“ sagen, kann ich nur bestätigen. Probiert mal folgendes aus, wenn der nächste Kunde kommt und fragt: „Können Sie noch schnell bis morgen…??“ Antwortet: „Nein, tut mir leid, ich könnte es höchstens bis Montag schaffen!“ Der Kunde: „Ist okay!!“ Wollen wir wetten??? In 95 % der Fälle ist es so. In den anderen 5 % sucht sich der Kunde einen anderen Lieferanten, kommt aber wieder, weil Du ehrlich warst!!

    Und ich sage meinen Kunden oft: „Manche Kunden sollte man gar nicht haben!“ Wie oben beschrieben. Kunden, die zu viel Energie rauben und unterm Strich wirklich nicht genug Ertrag bringen.

    Die anderen Punkte sind auch wichtig und gut dargestellt.

  2. Gordon Boddenberg

    Hat mir sehr gut gefallen die Einschätzung – die meisten Ihrer Erfahrungen kann wohl jede/er „Selbständige“ teilen. Wobei ich Sport nicht unbedingt als don´t im Themendialog mit den Kunden sehe, denn wir kennen doch unsere Kunden 😉 und was ist es nicht für ein gelungener Start, wenn der Lieblingsverein gewonnen hat….

  3. Guitargeorge

    Finde ich ganz gut formuliert! Übrigens, ein sehr lesenswertes Blog, mach weiter so!

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