Wie erkennst du ganz leicht unseriöse Coaches?

Wie ich einem schwarzen Schaf unter den Coachinganbietern auf die Schliche kam

Unseriöse Coaches erkennst du nicht am Businessdress.

©Khakimullin/depositphotos.com

 

Als Potenzialdetektivin bin ich es ja gewohnt, meiner Spürnase zu folgen und Spuren nachzugehen. Kürzlich hatte ich Gelegenheit, tatsächlich in gewisser Weise detektivisch tätig zu werden, denn ich erhielt die Anfrage einer Kollegin, die aufgrund erhöhten Auftragsvolumens Unterstützung suchte. Und irgendein Bauchgefühl sagte mir: Schau dir das mal genauer an. Denn auf dem Markt tummeln sich leider inzwischen viele unseriöse Coaches.

In dieser Mail an mich stand auch dieser Satz:

„Unsere Coaching-Programme für Frauen, die in Festanstellung Karriere machen möchten, sind bereits seit 2017 vom Regierungspräsidium Hessen zertifiziert und damit offiziell wie ein staatlicher Studiengang anerkannt, was für unsere Kundinnen ein zuverlässiges Qualitätsmerkmal unseres Coachings bedeutet.“

Zwar ein wenig schöner Bandwurmsatz, aber inhaltlich klang das doch erst einmal vielversprechend!

Also ging ich auf die verlinkte Website. Dort erwartete mich quasi ein Hochglanzmagazin in Onlineform: Die Kollegin hatte offenbar in eine gute Fotografin investiert und Fotos in schickem Outfit vor dem Düsseldorfer Hilton shooten lassen – das habe ich sofort erkannt, weil ich lange gleich um die Ecke gewohnt habe ;-).

So sollte natürlich der Eindruck von Hochwertigkeit erzeugt werden. Die Designerklamotten und das Handtäschchen mit dem YSL-Logo zusammen mit dem exklusiven Ambiente bewirken beim Betrachten erst einmal den Eindruck „Hier hat es jemand geschafft!“

Ok, das entsprach nicht meinem persönlichen Stil, aber sie hatte mich immerhin neugierig gemacht.

Storytelling – klingt gut, aber …

Zum ersten Mal stutzig wurde ich allerdings, als ich ihre „Über-mich“-Seite las, denn die war getextet wie aus dem Lehrbuch, alles war drin, was eine Story ausmacht:

  • Von null auf hundert in ganz kurzer Zeit, von der einfachen Angestellten zur Topmanagerin mit traumhaftem Jahresgehalt
  • Aus ärmlichen Verhältnissen stammend
  • Aufgrund einer schweren Krankheit längere Zeit an den Rollstuhl gefesselt, aber natürlich hat sie niemals aufgegeben und ihr ganz eigenes und tolles Produkt entwickelt, das unfassbare Karrieresprünge möglich macht.

Ich will nicht behaupten, dass solche Geschichten nicht auch stimmen könnten, aber hier wurde für meinen Geschmack doch arg dick aufgetragen – das können unseriöse Coaches üblicherweise ziemlich gut. Also klickte ich mich weiter zu den Kundenstimmen.

Gefälschte Referenzen

Die waren alle geradezu euphorisch. Als jemand, der täglich mit Sprache zu tun hat, fiel mir allerdings auf, dass der Sprachduktus eigentlich immer gleich war. Zudem war kein Name ausgeschrieben, und auch die Unternehmen, aus denen die Frauen angeblich stammen sollten, wurden nicht namentlich genannt.

Nun war mein detektivischer Spürsinn endgültig geweckt:

Ich suchte im Quelltext die URLs der Testimonial-Fotos heraus, speicherte die Bilder ab und führte Google-Bildersuchen durch. Mein Verdacht bestätigte sich: Alle Fotos lassen sich in Bilddatenbanken finden, sind also Stockfotos, die beliebig eingesetzt werden können. Das lässt meiner Meinung nach den begründeten Schluss zu, dass die Kundenstimmen von vorn bis hinten gefaket sind. Dass diese Dame zu den eher unseriösen Coaches gezählt werden darf, stand für mich jetzt fest.

Was kann man da tun?

Ganz ehrlich: Mich ärgerte das unwahrscheinlich! Denn so ein Geschäftsgebaren wirkt ja leider zurück auf die ganze Branche, zu der auch ich gehöre. Und ich wollte das der Dame nicht einfach so durchgehen lassen.

Nach Rücksprache mit einigen Kolleginnen entschied ich mich dafür, zunächst mal herauszufinden, was es mit der Aussage in der Mail auf sich hatte, ihr Angebot sei vom „Regierungspräsidium Hessen“ zertifiziert.

Es stellte sich heraus, dass es zum einen kein solches zentrales Regierungspräsidium gibt, sondern verschiedene Präsidien in Hessen. Aufgrund der Angaben im Impressum der Dame telefonierte ich mich dann zum Regierungspräsidium Darmstadt durch, und schließlich wurde mir bestätigt, was ich vermutet hatte: Solche Zertifikate wie behauptet werden dort natürlich nicht ausgestellt.

Ich leitete die Mail der Kollegin daraufhin weiter an meinen Ansprechpartner, der meinte, er würde das intern an den Justitiar zur Prüfung schicken.

Im zweiten Schritt wandte ich mich online an die Verbraucherzentrale und meldete den Vorgang auch dort, mitsamt der Mail und Screenshots von der Seite mit den Kundenstimmen. Denn letztlich geht es hier ja um unlauteren Wettbewerb. Man bestätigte mir den Empfang der Mail, bedankte sich und versprach, meinen Hinweisen nachzugehen.

Darauf lasse ich es jetzt erst einmal bewenden und warte ab, ob die Seite in ein oder zwei Monaten in dieser Form noch online ist. Ich wünschte, der Markt würde von allein dafür sorgen, dass unseriöse Coaches von der Bildfläche verschwinden. Aber da der Bedarf insgesamt so hoch ist und so viele Menschen hoffen, dass sie ihre Probleme schnell lösen können, ist das wahrscheinlich eine vergebliche Hoffnung.

Meine Empfehlungen für die Suche nach einem seriösen Coach

Dieses Beispiel ist ja leider nur eins von vielen, die sich derzeit in der Coachingszene finden lassen. Da unsere Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, kann jeder behaupten, dich über Nacht zum Millionär zu machen, all deine hinderlichen Glaubenssätze mit einem Fingerschnippen aufzulösen oder die Lösung deiner Probleme zu channeln.

Wenn du also auf der Suche bist nach einem seriösen Coach, der wirklich dich und dein Wohl im Blick hat – und weniger den eigenen Kontostand – dann achte auf folgende Indizien:

1.    Ausbildung:

Der Coach kann mindestens eine Coachingausbildung nachweisen. Gute Ausbildungen erkennst du daran, dass sie nicht auf einem Wochenendseminar erworben wurden, sondern einen Umfang von mindestens 200 Stunden haben. Denn wer Coach werden will, muss sich nicht nur mit seinen eigenen Themen auseinandersetzen und diese bearbeiten. Er lernt außerdem einen umfangreichen Methodenkoffer kennen und weiß, wann er welches Tool sinnvoll einsetzt. Außerdem hilfreich: eine gewisse Lebenserfahrung. Coaches, die als Qualifikation allerdings nur auf die „Schule des Lebens“ verweisen, würde ich persönlich noch ein bisschen gründlicher checken.

2.     Referenzen:

Referenzen sind gerade beim Coaching, wo es um Vertrauen geht, ein durchaus heikles Thema. Nicht jeder möchte mit seinem Namen auf einer Website erscheinen und damit zeigen, dass er Coaching in Anspruch genommen hat. Insofern ist einem Missbrauch grundsätzlich Tür und Tor geöffnet, weil Coaching-Anbieter*innen sich immer auf ihre Diskretion berufen können.

In der Regel ist es aber so, dass ehemalige Klient*inn*en nach Rücksprache oft gerne bereit sind für ein persönliches Gespräch mit Interessenten. Wenn der Coach, den du ins Auge gefasst hast, nicht bereit ist, dir echte Referenzen zu nennen, ist Skepsis angesagt.

3.     Zertifizierungen:

Wie im genannten Beispiel wird versucht, sich mit Federn zu schmücken, die seriös klingen, aber jeder realen Grundlage entbehren. Es gibt einige Zertifizierungen, die tatsächlich Rückschlüsse auf die Qualifikation des Coaches erlauben. Die lassen sich in der Regel aber auch problemlos verifizieren.

4.     Unseriöse Versprechen:

Menschen, die überlegen, mit einem Coach zu arbeiten, tun das ja, weil sie in einer Situation sind, mit der sie alleine nicht klarkommen. Und natürlich wünscht sich jeder, dass der unbefriedigende Zustand möglichst schnell ein Ende findet. Deshalb ist man da besonders anfällig für Erfolgsversprechen, mit denen im Marketing ja gern gearbeitet wird.

Das ist ein schwieriges Feld, denn natürlich möchte ich als Coach meine Angebote ebenfalls verkaufen und gebe „Nutzenversprechen“ ab. Schwierig wird es, wenn behauptet wird, dass durch das Coaching in extrem kurzer Zeit geradezu unglaubliche Erfolge erzielt werden könnten: Millionärin quasi über Nacht, Freiheit von Traumata (!) und einengenden Glaubenssätzen nach einer Sitzung etc. Mit solchen Versprechen werben unseriöse Coaches gerne.

Ich beschäftige mich seit über 30 Jahren mit Persönlichkeitsentwicklung, Therapie und Coaching. Und auch wenn es inzwischen Methoden gibt, die Entwicklungsprozesse tatsächlich signifikant beschleunigen können – wie zum Beispiel die bilaterale Hemisphärenstimulation mit Wingwave® – sind solche „Heilsversprechen“ immer mit Vorsicht zu genießen und sollten zumindest genauer hinterfragt werden: Auf welcher Grundlage soll das passieren? Welche Methoden werden angewendet? Welche Ausbildungen qualifizieren den Coach für diese Aussagen?

Manchmal wird auch suggeriert, dass du nur durch dieses eine exklusive Coaching, das einen fünfstelligen Betrag kostet, all deine Probleme lösen könntest.

Natürlich gibt es Programme, die so teuer sind und ihr Geld wirklich Wert. Wenn allerdings jemand erst seit einem Jahr als Coach tätig ist und du außer auf der Website keinerlei Informationen zu dieser Person findest – dann darf angezweifelt werden, dass da jemand wirklich den Stein der Weisen gefunden hat und dir echten Mehrwert bieten kann. Unseriöse Coaches gehören tendenziell eher zu denen, die möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen wollen. Die jahrelange Erfahrung, die gute Coaches auszeichnet und die sich auch dokumentieren lässt, fehlt hier oft.

Ich werde immer hellhörig, wenn jemand von „einzigartig“ und „exklusiv“ in einem Atemzug spricht. Denn ich bin ja viel in der Szene unterwegs, nehme selbst ebenfalls Coaching in Anspruch und schaue mir viele Kolleginnen und Kollegen an. Sehr oft habe ich festgestellt, dass das, was da als der Weisheit letzter Schluss verkauft wird, nur neuer Wein in alten Schläuchen ist. Das ist nicht notwendigerweise unseriös, hat aber mitunter ein „Geschmäckle“.

Für mich ist es besonders perfide, wenn die Bedürftigkeit von Menschen in schwierigen Lebenssituationen so ausgenutzt wird. Als Coach habe ich ein Selbstverständnis, wo ich mich begreife als Partnerin, die gegenüber dem Coachee unerschütterlich loyal ist und stets sein Wohl im Auge hat.

Natürlich möchte ich mit meinem Angebot auch Geld verdienen, das ist legitim. Doch vor allem will ich meine Kundinnen und Klienten durch meine Arbeit befähigen, ihre Themen in einer angemessenen Weise zu bearbeiten und mich zu gegebener Zeit überflüssig zu machen. Unseriöse Coaches verfolgen da eher ein anderes Ziel:

5.     Erzeugung von Abhängigkeit durch den Coach

Viele unseriöse Coaches agieren nämlich aus einem defizitären Menschenbild heraus. So arbeitet übrigens auch Scientology: Dir wird suggeriert, dass du eine Menge Probleme hast, im Beruf ebenso wie in Partnerschaft und Familie. Du kannst eigentlich gar nicht glücklich sein, weil dir irgendwas Entscheidendes fehlt. Um das zu lösen, brauchst du besondere Unterstützung, die du natürlich ausschließlich bei diesem einen Coach erhalten kannst.

Hast du dann ein Coaching oder ein Seminar abgeschlossen, musst du sofort das nächste buchen, weil ja das nächste Seinslevel erklommen werden will oder ähnlich verschwurbelte Ziele versprochen werden.

Achtung: Wenn ein „Coach“ solche Abhängigkeiten erzeugt, dann sollten bei dir sämtliche Alarmglocken klingeln!

Denn Coaches, die diese Bezeichnung ernst nehmen, gehen immer von der Annahme aus, dass wir alle Ressourcen in uns tragen, die uns zur Lösung eines Themas befähigen. Als Coach gehen wir also von einem positiven Menschenbild aus, das ist ganz wichtig. Unseriöse Coaches hingegen vermitteln dir, dass du deine Probleme nur mit ihrer Hilfe lösen kannst. Sie führen dich also weg von der Selbstverantwortung.

Zum Glück ist die Mehrzahl der Kolleginnen und Kollegen wirklich seriös! Lass dich also von solchen Geschichten nicht davon abhalten, ein Coaching in Anspruch zu nehmen. Ich rate allerdings dazu, den gesunden Menschenverstand einzuschalten, ein Vorgespräch in Anspruch zu nehmen, das oft kostenfrei angeboten wird, und dich zu deinem Coach zu informieren, um nicht auf unseriöse Coaches hereinzufallen und womöglich teures Lehrgeld zu bezahlen.

Dann stehen die Chancen gut, dass du mit Hilfe deines Coaches Möglichkeiten findest, deinen Spielraum zu erweitern und dein Thema in angemessener Form und innerhalb eines überschaubaren Zeitraums zu klären.

Weitere Hinweise, an denen du erkennst, dass du bei einem schwarzen Schaf der Branche gelandet bist, führt Christopher Rauen von der Coach-Datenbank auf: Den falschen Coach erkennen.

Falls du Fragen dazu hast, sprich mich gerne an. Und natürlich freue ich mich auch über Kommentare und das Teilen dieses Artikels.

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