Unternehmer*in sein: Interview mit Kerstin Boll

Blogheader InterviewKerstin Boll mit ihrem Unternehmen quivendo zählt für mich zu den Kolleginnen, die gewissermaßen zu meinem Wettbewerb gehören, weil sie sich wie ich vorwiegend an Trainer und Coachs wendet. Daher habe ich sie schon lange im Auge, wir folgen uns auf Twitter und lesen auf den jeweiligen Blogs mit – ihres ist sehr empfehlenswert, weil sie tolle und handfeste Tipps gibt für einen besseren Außenauftritt. Seit zehn Jahren arbeitet Kerstin Boll als PR-Expertin für Trainer, Berater und Coaches. In der Zusammenarbeit entsteht ein überzeugender, persönlicher Auftritt, größere Bekanntheit und ein stabiles Netzwerk im World Wide Web. Im Dezember 2015 ist ihr Buch „Der Website-Coach“ erschienen – womit wir eine weitere Gemeinsamkeit haben, noch dazu im selben Verlag ;-). Ich freue mich sehr, dass sie ihre Erfahrungen im Interview mitteilt.

Das Leben als Selbstständiger ist stabiler als man denkt

Kerstin_Boll_45_xingWenn du dein Selbstbild als Unternehmer*in beschreibst: Wie sieht das aus, und was gehört alles dazu für dich?

Als Angestellte habe ich mich über die undurchdringlich kreative Wolke geärgert, die Agenturen in den 90er Jahren umgab: Die Agenturleute waren toll und schick – und wir Normalos standen ein bisschen dumm daneben. Die Zeiten haben sich geändert und außerdem waren auch damals schon nicht alle Agenturen gleich. Dennoch hilft mir das Bild abzugrenzen, was ich sein will und was nicht.

Unverständlich und undurchdringlich sein, das will ich nicht.

Ich habe eine aufklärerische Ader und erkläre, weshalb ich Dinge so empfehle und nicht anders. Ich wünsche mir mündige, selbstbewusste Kunden. Das ist nicht nur für die Kunden angenehmer, sondern auch für mich.

Daneben halte ich mich an Grundtugenden wie Offenheit, Zuverlässigkeit und Aufrichtigkeit. Dass ich sie überhaupt erwähne, liegt daran, dass ich viele Kunden persönlich gar nicht kennenlerne, sondern online und per Telefon mit ihnen arbeite. Offenheit und eine gute Kritikkultur sind in der Situation unerlässlich. Man muss sich auch einmal etwas sagen können.

Welche deiner Eigenschaften hältst du für unverzichtbar, bezogen auf deinen unternehmerischen Erfolg?

Ein wirklich langer Atem: Als ich vor Jahren in den Norden Deutschlands kam, kannte ich niemanden – von meinem Mann einmal abgesehen. Es hat ein oder zwei Jahre länger als üblich gedauert, bis ich als Selbständige Fuß gefasst hatte.
Abgesehen davon braucht der Selbständige so etwas wie einen fröhlichen Vertriebsoptimismus. Vertrauen in das Leben. Die Lust und den Mut, auf Menschen zuzugehen. Langmut, denn nicht jeder hoffnungsvoll geküsste Frosch wird zum Prinzen.

Wenn du mal zurückblickst: Aus welcher Erfahrung hast du am meisten gelernt für dein unternehmerisches Leben?

Von einer einzelnen bahnbrechenden Erfahrung kann ich nicht erzählen. Es waren viele, viele kleine Erfahrungen.

Dankbar bin ich für die Erfahrung, dass sich immer eine Tür öffnet, wenn sich eine schließt. Es gehört ein ausreichend großes Netzwerk dazu – ich möchte niemanden zu Wunschdenken verführen. Aber das einmal vorausgesetzt, ist das Leben als Selbständiger stabiler als Außenstehende denken.

Zweierlei folgt daraus: Man darf loslassen, was seinem Ende zustrebt. Und man muss immer schön am Netzwerk bauen, damit es hält.

Was bedeutet „Scheitern“ für dich?

Dieses hässliche Wort habe ich aus meinem Wortschatz gestrichen – was nicht bedeutet, dass ich keine Fehler gemacht hätte. Aber – he! – ich kann doch zu jedem Zeitpunkt die Dinge nur so gut machen, wie ich kann. Hinterher ist man immer schlauer.

Wenn ich es mir so recht überlege, verbinde ich das Wort „Scheitern“ damit, dass eine Beziehung scheitert: Wortlosigkeit, Unverständnis, das Nicht-Mehr-Miteinander-Reden-Können, Vertrauensverlust. Wenn ich derart den Draht zu meinen Kunden verlieren würde, dann wäre ich – glaube ich – unternehmerisch gescheitert.

Was möchtest du mit deinem Unternehmen der Welt geben?

Ich hab’s weiter oben schon angedeutet: Marketing verständlich machen. Marketing-Phrasen und Halbwahrheiten aus der Welt schaffen. Sinnvolle Strategien für Weiterbildungsanbieter vorstellen.

Was hätte dir in schwierigen Situationen geholfen, wenn du es schon früher gewusst hättest?

„Versuche nicht, alles alleine zu machen. Hol Dir Hilfe.“ Daran übe ich schon eine Weile und es darf noch besser werden.

Welche Art von Marketing machst du für dein Unternehmen und deine Angebote?

Ich netzwerke online und offline. Ich gehe zu Events, schreibe Blogartikel und bin auf verschiedenen Social Media-Kanälen präsent.

In den letzten Jahren kamen die eine Hälfte meiner Aufträge über Empfehlungen, die zweite Hälfte der Kunden hat mich im Netz gefunden. Seit mein Buch erschienen ist, kommen auch auf dem Weg Kunden auf mich zu.

Wie würdest du dein Verhältnis zu Geld beschreiben?

Ich bin gesund, gut ausgebildet und frei von erzieherischen Verpflichtungen. Deshalb, meine ich, bin ich für meine Versorgung selbst verantwortlich.

Verfügbares Geld bedeutet Entscheidungsfreiheit, frei handeln und gestalten können. Außerdem habe ich mich an ein bisschen Alltagsluxus gewöhnt: Päckchenkäse aus dem Discounter – brrr, es gibt Dinge, die müssen nicht mehr sein.

Welche Routinen helfen dir bei deinem Workflow, und welche Tools setzt du dafür am liebsten ein?

Für langweilige Dinge habe ich Checklisten wie etwa für den Monatsabschluss.

Für andere Aufgaben hat sich ein Prozess herausgebildet, zum Beispiel wenn ich Texte für Websites schreibe: Ich spüre der Stimmung in den Gesprächen mit dem Kunden nach, suche nach passenden Worten, fange mit den einfachen Textteilen an und arbeite mich langsam nach vorne. Der Prozess ist weder logisch noch zwingend. Aber so stelle ich mich auf den Kunden ein und komme ihm nahe. Mit Tools hat das weniger zu tun.

Wie schaltest du ab und entspannst dich am besten?

Am liebsten bin ich im Freien. Bei uns im Norden ist es wunderschön, wenn die Sonne scheint – fast zum Heulen. Damit wir Nordlichter nicht ständig in Rührseligkeit versinken, lassen es die Wettergötter jedoch meistens regnen. Dann gehe ich mit meinem Mann zum Tanzen.

Antworten auf den Punkt! Vielen Dank, Kerstin! 😉

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