Das Gegengift für Selbstzweifel

Wie du deinen Selbstzweifel umwidmest und ihm eine neue Aufgabe gibst

Diesen Artikel widme ich heute, am Internationalen Frauentag, allen Frauen, die sich als Unternehmerin mit Selbstzweifeln plagen. Die sich meist noch zusätzlich dafür verurteilen, dass sie überhaupt an sich zweifeln – und doch nicht anders können.

Besonders möchte ich die Frauen ansprechen, die als Coach unterwegs sind. Ich weiß genau, wie seltsam es sich manchmal anfühlt, sich da draußen als Coach für … (setze hier ein, was dein Schwerpunkt ist) zu präsentieren, wenn man das eigene Leben gerade nicht so wirklich auf die Reihe bekommt.

Auch ein Coach braucht mal Hilfe!

Ein Schmankerl aus meinem Leben als Coach: Ich habe tatsächlich Jahre (!) gebraucht, bis ich mir eingestehen konnte, dass ich an bestimmten Stellen Unterstützung benötige. Ich hatte echt Angst zuzugeben, dass ich als Coach Hilfe brauche!

Inzwischen weiß ich, dass das eine ziemlich weit verbreitete Haltung ist. Denn haben wir nicht gelernt, wie man seine Zustände verändert und seine Emotionen managt? Kennen wir nicht alle Methoden aus dem Effeff, wie man seine Ziele definiert und sie Schritt für Schritt umsetzt? Wie kann es also sein, dass wir in bestimmten Situationen alleine einfach nicht zurechtkommen? Sind wir also schlechte Coaches?

Zumindest in diesem Punkt bin ich klüger geworden. Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass unsere Selbstzweifel uns zu noch besseren Coaches machen. Denn nur, wer sich selbst immer wieder reflektiert, die Schmerzen des Zweifels kennt und trotzdem weitermacht, kann wirklich nachvollziehen, was die eigenen Klient*inn*en bewegt. Selbstzweifel sind ohne Sensibilität gar nicht denkbar. Und die ist ja wohl eine Grundvoraussetzung für unseren wunderbaren Beruf!

Vom Selbstzweifel zum Schutzengel

Engelsflügel auf Holzdielen
©depositphotos.com/KatarinaGondova

Wenn mich heute der Selbstzweifel anspringt, begrüße ich ihn wie einen alten Bekannten, der er ja auch ist: Ach, hallo, da bist du ja wieder! Was ist denn heute dran? Ich lausche dann in mich hinein und nehme den Selbstzweifel als eine Frage: Was kann ich hier noch dazulernen? Oder: Was möchte ich jetzt eigentlich wirklich? Oder: Bin ich wirklich noch auf dem richtigen Kurs?

Denn dafür ist er wirklich gut, mein Selbstzweifel: zur Kurskorrektur. Ich habe ihn einfach umgewidmet. Letztlich sehe ich ihn als Anteil meiner Persönlichkeit, der sich dann meldet, wenn er mich beschützen will: vor Ablehnung oder Blamage, vor Versagen und Misserfolg. Mein Selbstzweifel funktioniert wie ein inneres Warnsystem. Das Lämpchen geht an, wenn ich mich an irgendeiner Stelle unwohl fühle. Aber statt mich dann, wie früher, komplett in Frage zu stellen, schaue ich eben erstmal genauer nach, was mein Unbehagen ausmacht und welche Antworten vielleicht für mich darin zu finden sind. Ich sehe meinen Selbstzweifel heute als meinen inneren Schutzengel.

Manchmal entdecke ich dann, dass ich vielleicht Angst habe vor einem nächsten Schritt. Und mein Selbstzweifel springt an, weil er mich bewahren möchte vor Enttäuschung oder einer sinnlosen Anstrengung. Aber wenn ich so bewusst damit umgehe, dann kann ich oft erkennen, dass Aufgeben in Wahrheit den so sehr befürchteten Misserfolg erst produziert.

Den Dialog mit dem Selbstzweifel üben

Der Trick liegt also darin, in den inneren Dialog mit dem Selbstzweifel zu gehen. Wovor will er mich beschützen? Wovor hat er Angst?

Im nächsten Schritt überprüfe ich, wie berechtigt das Anliegen meines Schutzengels ist. Vielleicht kann ich noch am einen oder anderen Schräubchen drehen, um die innere Unruhe zu besänftigen. Und dann erkläre ich diesem inneren Anteil, dass ich ihm dankbar bin für seine Aufmerksamkeit, dass ich jetzt aber das Gefühl habe, der Aufgabe gewachsen zu sein.

Mein innerer Schutzengel meldet sich – und ich habe damit die Chance, nochmal zu überprüfen, ob ich wirklich alles gegeben habe. Um dann mit Herzklopfen, aber voller Vertrauen meinen Weg weiterzugehen.

Kennst du das Thema? Wie gehst du mit deinem Selbstzweifel um? Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen.

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