Nur pseudo-professionell: Ihr Profil in der 3. Person

2008-05-11-wendland-mitdaggiundulli-041_352418_by_matthias-clausen_pixeliodeBildquelle: Matthias Clausen/pixelio

Endlich mal wieder ein schönes Thema aus meiner etwas vernachlässigten Rubrik LeserFragen – BlogAntworten. Jutta wundert sich darüber, dass sie beim Schmökern durch Portfolios im Netz immer wieder auf Profile trifft, in denen die Anbieter von sich selbst in der 3. Person schreiben.

Das würde bei mir dann ungefähr so aussehen:

Heide Liebmann ist Marketingberaterin und Texterin und unterstützt ihre Kunden seit über 5 Jahren dabei, sich erfolgreich an ihrem Markt zu platzieren. (…)

Nicht falsch, rein sachlich ist das eine völlig korrekte Information. Aber was sagt Ihr Bauch dazu? Na? Bekommen Sie auf diese Art und Weise ein Gefühl für mich und meine Arbeit?

Nö. Und das ist eine verschenkte Chance. Denn warum sollte ich gerade auf meiner eigenen Seite darauf verzichten, in der ersten Person von mir zu schreiben? Nirgendwo sonst kann ich das so unbeschwert tun und mich authentisch präsentieren. Wenn ich erkennbar als „ich“ schreibe, nimmt man mir die Identifikation mit meinem Angebot doch viel eher ab. Schließlich habe ich einen eigenen Ansatz, den ich auch auf meine ganz eigene Weise vermittle. Meinen Kunden rate ich daher immer, persönlich zu werden, den Nasenfaktor gezielt einzusetzen.

Business beruht auf Vertrauen

Kunden wollen auf den Websites von Dienstleistern nämlich gerne auch etwas zu der Person erfahren, die dahinter steckt. Es ist nicht nur falsch verstandene Professionalität, so sachlich und nüchtern daher zu kommen. Es ist geradezu schädlich! Denn wir machen Business mit Menschen, und Menschen machen am liebsten Business mit anderen Menschen, denen sie vertrauen. Vertrauen ist die wichtigste Voraussetzung, um in Beziehung zu gehen – und genau das passiert schließlich, wenn man im Netz ein Kontaktangebot an potenzielle Kunden macht. Wozu ist eine Website sonst da?

Deshalb argumentiere ich auch immer wieder vehement gegen die Unsitte, sich als „wir“ zu präsentieren, wenn in Wahrheit ein einzelnes Männeken oder Frauken das ganze Unternehmen ist. Wen willst du damit eigentlich hinters Licht führen? Oder die noch interessantere Frage: Warum glaubst du, dass du dich größer machen musst als du tatsächlich bist? Um größere Kunden zu gewinnen? Wenn ich alleine an den Energieaufwand denke, um die Fiktion aufrecht zu erhalten, man sei mehr als einer! Was spricht ernsthaft dagegen, seinen Kunden klar und eindeutig zu vermitteln, dass man Solo-Unternehmer/-in ist, aber bei Bedarf auf ein Netzwerk erfahrener Profis zugreifen kann?

Ich arbeite so, und die meisten Freiberufler, die ich kenne, ebenfalls. Es klappt prächtig, und ich habe keinerlei Glaubwürdigkeitsproblem.

Der Nasenfaktor als Orientierungsmerkmal

Noch mal: Als Dienstleister repräsentiere ich die Marke „Ich“, und ich bin auch derjenige, der den Kontakt zum Kunden aufbaut. Je mehr ich mich als Mensch zeige, umso mehr Anknüpfungspunkte biete ich also, und umso leichter fällt es Interessenten, mich anzusprechen. Aber ich gebe zu: Das erfordert ein bisschen mehr Mut und Selbstvertrauen als so eine pseudo-professionelle Außenbetrachtung inn der 3. Person oder megalomanisches Wir-Gefasel. Wer Stellung bezieht, macht sich eben angreifbar. Und unterscheidbar. Was letzlich entscheidend ist, denn Kunden lieben Orientierungspunkte im Dschungel der Anbieter.

15 Kommentare

  1. Stimmt!
    Aber vor einigen Jahren war es noch verpönt, als „ich“ und nicht als Unternehmen aufzutreten. Auch heute schreiben noch viele „wir“, auch wenn alle außer „ich“ nur ziemlich lockere Kooperationen sind. Dabei kommts doch sowieso raus, wenn dann nur ein Manndl/ein Weiberl die Arbeit macht. Und die Erklärungsnöte, in denen man dann dauernd steckt!

    Ich denke, der Trend zum eigenverantwortlichen Ich ist da. Ich hatte jedenfalls dadurch noch keine Nachteile (seit über einem Jahr ICH)!

  2. Einmal mehr überzeugt ! Wenn ich jedoch im Netz so viele Seiten sehe, auf denen sich der Hauptakteur sozusagen von außen beschreibt, dann gerate ich, bei dem Gedanken „wenn’s so viele machen kann es ja nicht verkehrt sein“ ins Schwanken. Aber es stimmt, die Erklärungsnöte “ also wissen Sie eigentlich bin ich „nur“ ein 1-Frau-Unetrnehmen“ wären dann doch peinlich. Und das muss es doch gar nicht, denn gerade die kleinen Einzelunternehmer können sich nicht hinter einem „bin ich nicht für zuständig“ verstecken und gerade die Kleinen müssen die Stärke der Persönlichkeit ausspielen um Vertrauen zu gewinnen.

  3. Interessanterweise bekam ich gerade über Xing eine spannende Rückmeldung:

    „Aber die dritte Person hat einen einfachen Grund: sie steigert den Lesefluss. Der Schreiber versetzt sich in den Leser, heißt derjenige liest etwas über jemand anderen. Steht dort ein ich, muss der Leser für sich „übersetzen“. Bin ich (Leser) das ich oder ist das ich der Dargestellte? Diese Übersetzung ist ein Filter. Filter stören beim Lesen und schnellen Verstehen.“

    Das habe der Prof. Siegfried Vögele, seines Zeichens Direktmarketingexperte, herausgefunden. Ich lasse mich ja gerne aufschlauen, aber so richtig leuchtet mir das nicht ein, muss ich sagen. Schließlich rede ich ja im direkten Dialog auch nicht in der dritten Person über mich. Und wenn ich als Solo-Unternehmerin meine Kunden anspreche, soll das ja auch genau das sein: ein Angebot zu einem direkten Dialog.

    Aber ich werde mich noch mal mit den Argumenten des Herrn Professor beschäftigen, vielleicht lernen wir ja noch dazu.

  4. Nun ja, auch aus Suchmaschinen-Sicht macht die Verwendung des Namens Sinn. „Ich“ und „wir“ sind einfach keine guten Keywords, aber wer nach Thomas Kilian oder „Agentur Thoxan sucht, der soll schließlich auch ein Erfolgserlebnis haben… 🙂

  5. Ja, Thomas, das mag schon stimmen, aber ehrlich gesagt schreibe ich immer noch für Menschen und denke dabei selten an Suchmaschinen … und kann mich über meine Platzierungen trotzdem nicht beklagen 😉 . Nee, ich bin immer noch nicht überzeugt!

  6. Das schreiben in der 3. Person über mich selber fand ich auch schon immer merkwürdig, habe das selber auch nie gemacht. Aber ich ertappe mich doch öfter mal dabei, mich selber zu einem „wir“ aufzublasen.

    Bei der Verwendung von „Ich“ oder „Wir“ bin ich aber nicht so verschlossen. Denn es ist für mich immer auch die Frage, wie ich mein „Unternehmen“ in der Zukunft organisieren möchte, welche Ziele ich habe:

    – Möchte ich wachsen, und Aufgaben an Mitarbeiter, Freie oder Outsourcer abgeben, die auch direkt von aussen erreichbar sein sollen? Dann macht es Sinn, von Anfang an als „Wir“ aufzutreten, und auch von Anfang an mit unterschiedlichen Mailadressen zu agieren (einkauf@, vertrieb@, support@, … – was halt zum Unternehmen passt).

    – Wenn ich plane, ein Ein-Personen-Unternehmen zu bleiben, dann sollte ich auch dazu stehen, und als solches mit dem „Ich“ und meinem Namen mich nach aussen präsentieren.

    Für Freiberufler macht es also sicher Sinn, das „Ich“ zu verwenden, aber schon wer einen Onlineshop aus dem Wohnzimmer heraus betreibt, seine Anrufe über einen Büroservice oder ein Callcenter leitet, und vielleicht auch den Versand an ein kleines oder großes Fulfillment-Unternehmen outgesourced hat, ist mit dem „Wir“ wohl deutlich besser bedient:

    „Wie viele Menschen arbeiten in Ihrem Unternehmen?“
    „Nur ich – aber Sie stellen die falsche Frage!“
    „???“
    „Wenn Sie mich fragen, wie viele Menschen mein Unternehmen am Laufen halten – das sind etwa 50. Die arbeiten aber nicht in meinem Unternehmen, sondern für mein Unternehmen!“

    Letztendlich ist doch wieder alles eine Frage der Perspektive – oder?

  7. Hallo Tobias, interessanter Aspekt. Vor allem die Antwort auf die „falsche Frage“ gefällt mir. Das spricht für ein gesundes Selbstbewusstsein – und das ist ja dann auch wieder authentisch. Ich wende mich in erster Linie gegen dieses künstliche Aufblasen, dieses So-tun-als-ob. Damit tut sich niemand einen Gefallen.

  8. Ja guten Morgen (jetzt bin ich wach) 😉

    Also ja, sehr guter Eintrag, den find ich nicht nur schön zu lesen sondern auch unglaublich relevant heutzutage. Und das stimmt, das mit dem Vertrauen. Leute wollen in erster Linie wissen, ob sie der Person trauen können – und da kommt dat in der 3. Person eher komisch peinlich oberflächlich kühl an also warm, nahbar und echt.

    Danke für den Artikel.

    Ich schau mich mal weiter um hier.

  9. Hallo Martin, willkommen und danke für die netten Worte! Ich bin fest davon überzeugt, dass es heute eine Schlüsselkompetenz ist, wahrhafte Beziehungen aufzubauen. Deshalb leuchtet es mir nach wie vor nicht ein, dass die 3. Person auf den Websites von Einzelunternehmern sinnvoll sein soll. Vielleicht ist es bei Großunternehmen anders, da lässt sich schlecht jeder Mitarbeiter per „ich“ vorstellen … Obwohl – wieso eigentlich nicht? 😉

  10. Bereits Gaius Iulius Caesar hat seinen „Bellum Gallicum“ in der dritten Person verfasst. Er schrieb darin über sich selbst und seine Feldzüge. Die Raffinesse besteht darin, den Lesern sein Handeln objektiv und sachlich zu vermitteln. Er ist einer der ersten der das erkannt und umgesetzt hat. Die Leser empfinden einen augenscheinlich dritten Beobachter als sachlicher als wenn es in der ich-weise geschrieben wäre.
    Man muss immer wissen, was man damit beabsichtigen will.

  11. Jawoll, kann ich nur zustimmen.
    Wenn die Schreiber dann auch noch schaffen ihre Leser direkt mit „du“, statt mit „ihr“ oder „euch“ anzusprechen dann hört sich das Ganze auch gleich schon wie eine richtig echte Kommunikation an.

    Viele scheinen zu vergessen dass der Leser doch ganz allein vor dem Monitor sitzt und den Text liest, also warum ihn mit „ihr“ oder „euch“ ansprechen statt direkt mit „du“?

  12. Hallo Simon, richtig, die Absicht zählt. Ich gehe davon aus, dass man sich mit einer Website präsentiert, weil man gerne in Kontakt zu Interessenten kommen möchte. Und da ist es dann meiner Meinung nach kontraproduktiv, sich in der 3. Person zu präsentieren. Wenn ich hingegen einen Fachartikel verfasse, kann es sinnvoll sein, auf der sachlichen Ebene zu bleiben und meine Person außen vor zu lassen. Auf manchen Portalen stelle ich mein Profil auch in der dritten Person ein, weil ich mich da u. U. neben einer Vielzahl von anderen Beratern präsentiere. Aber ich überlege mir immer sehr genau, welche Darstellungsform kontextabhängig sinnvoll ist.

  13. Noch besser:

    Heide Liebmann gilt als …

  14. Hallo Peter Arndt, stimmt, man kann die Distanzierung noch toppen und sich als Experte immer weiter aufplustern. Wenn ich das lese, frage ich mich immer, wer das wohl bestimmt, dass man als dies oder jenes gilt??? Übrigens ist das eine Formulierung, die ich fast ausschließlich bei Männern finde. Ich glaube, Frauen neigen generell weniger dazu, sich größer zu machen als sie sind. Was nicht immer ein Vorteil ist, zugegeben.

  15. Ja, sehr spannend…

    Also, mir liegt das natürlich auch nicht, mich in der 3. Person darzustellen. Es würde einfach nicht zu mir passen. Ich spreche ja sogar in all meinen Büchern die LeserInnen direkt an und erzähle auch dort von mir persönlich. Das ist mein Stil – und so will ich mich darstellen.

    Meine Überlegung geht dahin, dass es eben zur Person passen muss. Man stellt sich auf seiner Webseite so dar, wie man wahrgenommen werden möchte. Wenn einer ein eher sachlicher und distanzierter Mensch ist und auch solche sachlichen Kontakte zu Kunden wünscht, ist es ja vielleicht sogar richtig, sich auch so darzustellen.
    Damit er die „ricthigen“ Kunden bekommt.

    Heide, du erinnerst dich an die „idealen Kunden anziehen“?

    Unter dem Aspekt finde ich es sinnvoll, sich so darzustellen, wie man eben ist, damit man die Kunden anzieht, die zu einem passen.

    Aber ich weiß noch, als ich vor Jahrzehnten (als ich u.a. noch Yogakurse gab) einen Flyer einer Mit- Yogalehrerin aus dem Nachbardorf in der Hand hatte, die dort in der dritten Person von sich schrieb, da habe ich nur losgeprustet. Das fand ich total bescheuert. Jeder weiß, dass sie selbst das Ding geschrieben hat. Und sich selbst so in den höchsten Tönen in der dritten Person loben, war nur peinlich.

    Aber eins fällt mir ein, wo ich das auch mache: das habe ich mal von einem Trainer-Netzwerk übernommen, für die ich mal gearbeitet habe. In meinen Angeboten (wenn es ausführliche sind), gibt es auch eine Seite: Wer Sie begleitet. Und da steht dann: Zamyat M. Klein, Expertin für Kreativitätstechniken und Train the Trainer. Der Rest dann als Liste…
    Da finde ich das auch angemessen (zumal da eben auch andere Trainer auftauchten).

    Das „Wir“ ist mir auch schon mal untergekommen, werde ich in Zukunft mal kritischer schauen. Wobei ich ja auch anstrebe, zumindest mehr Dienstleistungen zu „mieten“ und outzusourcen oder mich mal wieder um eine Praktikantin zu kümmern :-).

    Aber grundsätzlich gebe ich dir völlig Recht:

    eine Webseite ist dazu da, sich authentisch zu zeigen, damit die Kunden sehen können, mit wem sie es zu tun haben.
    Daher gibt es bei mir auch viele Fotos aus Seminaren, wo man auch gleich sieht, mit welchen bunten und verrückten Methoden ich arbeite (und mich u.a. ja auch verkleide – Kölle Allaaf!! – heute ist Weiberfastnacht und ich hocke in Thüringen!!! 🙁 bis Dienstag – also dieses Jahr nix mit Karneval, aber mit irgendwas muss ich die Truppe am Montag schocken – ich schweife ab).

    Ne schöne Jrooß
    Zamyat

Trackbacks/Pingbacks

  1. Reden und schreiben Sie von sich selbst in der dritten Person? - [...] eine interessante Diskussion begonnen: Ist es professionell oder pseudo-professionell, auf Websites sein Profil in der 3. Person zu schreiben?…
  2. Wllkommen sagt man im Webdesign nicht | - [...] zu beschreiben. Wenn es Sie interessiert, was es hier Bemerkenswertes zu sagen gibt, empfehle ich an dieser Stelle gerne…

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Jetzt neu: Gratis-E-Mail-Kurs Mein unternehmerisches Selbstbild! Gleich anmelden!